Datenstaubsauger, Lecks und Hate Speech â das gröĂte soziale Netzwerk steht seit langem in der Kritik. Wie vertretbar ist es eigentlich, auf Facebook Werbung zu schalten? Die woxx hat die Parteien gefragt.

Die DP wirbt krĂ€ftig fĂŒr ihre Wahlversammlungen. Ethische Probleme mit Facebook mĂŒssten politisch gelöst werden, so die liberale Partei.
Im Rahmen unserer Recherche zu den Strategien der Parteien im Wahlkampf auf Social Media haben wir den Parteien einen Fragenkatalog zukommen gelassen. Darin haben wir sie nicht nur zum Budget und den Zielgruppen-Einstellungen gefragt, sondern auch danach, ob sie es gerechtfertigt finden, Facebook trotz der vielen Kritik Geld fĂŒr âsponsored Postsâ zu geben. Die Antworten sind recht unterschiedlich ausgefallen.
Die Piratepartei gibt an, auf Werbung in sozialen Netzwerken nicht verzichten zu können, weil sie keine Anzeigen in Medien schalten könnten: âWir hĂ€tten gerne mehr Budget an lokale Medien gegeben, aber leider wird man als kleine Partei nicht ĂŒberall eingeladen oder sogar abgelehnt, wenn man Werbung schalten will. Deswegen mĂŒssen wir auf soziale Medien zurĂŒckgreifen. Wir tun das nicht gerne, aber dafĂŒr verzichten wir auf Dark Posts und Micro-Targeting.â Mit âDark Postsâ sind Werbeposts gemeint, die nicht auch in der normalen Timeline der werbenden Facebook-Seite auftauchen, mit Mikro-Targeting ist gezieltes Bewerben sehr kleiner Bevölkerungsgruppen mit speziellen Interessen gemeint.
Die GrĂŒnen finden die Kritik an Facebook und Co. gerechtfertigt, fĂ€nden ein Boykott jedoch kontraproduktiv: âGerade in Luxemburg ist der Anteil der Bevölkerung, der auf Facebook prĂ€sent ist, einer der höchsten der Welt. Es ist wichtig, innerhalb dieser Plattformen zu agieren und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.â
Die LSAP hatte âso kurz vor den Wahlenâ keine Zeit, um auf unsere Fragen zu antworten. Die CSV beantwortete unsere Frage, ob es ethisch vertretbar sei, auf Facebook zu werben, sehr einsilbig: âJa.â Die KPL gibt kein Geld auf Facebook aus, so dass die ethische Frage sich ĂŒberhaupt nicht stellt.

Déi Gréng stellen ihre Videos und ihre Seite in den Mittelpunkt. Ein Boykott von Facebook fÀnden sie kontraproduktiv. (Screenshot: Facebook)
Auch die DP findet einen Boykott nicht sinnvoll: âFragen um Datenschutz und Fake-Profile sollten politisch gelöst werden.â Die ADR sieht hingegen keine Probleme: â⊠so lange jeder User auf diesen Plattformen seine Meinung sagen kann und solange unsere Daten von diesen Firmen nicht in Gefahr gebracht werden. Der Schutz der persönlichen Daten ist die Sache des Einzelnen, jeder User und jede Userin muss wissen, was er oder sie öffentlich macht. âSocial Mediaâ sind Dienstleister wie zum Beispiel auch die Post.â
DĂ©i LĂ©nk ist die Entscheidung nicht so leicht gefallen: âEs gab Meinungsverschiedenheiten ĂŒber die Frage. Der Konsens innerhalb der Partei ist, dass wir gerade auch in einem Wahlkampf Teil eines Systems sind, dem wir nicht so einfach entkommen können, ohne dass wir riskieren, dass unsere Botschaften nicht nach auĂen gelangen. Gerade weil wir weniger Möglichkeiten als die groĂen Parteien haben, sind Social Media ein wichtiges Werkzeug, um unsere Ideen zu verbreiten. Es ist ein Dilemma: Wenn wir aus ethischen GrĂŒnden keine gesponserte Posts schalten, riskieren wir bei den Wahlen schlecht abzuschneiden. Schalten wir aber gesponserte Posts und schneiden gut ab, können wir uns in Zukunft besser fĂŒr eine ethischere Gesellschaft einsetzen.â
Bei DĂ©i Konservativ hingegen gibt es keinerlei ethische Bedenken: âUnsere Partei hĂ€lt es fĂŒr eine souverĂ€ne Entscheidung, ĂŒber das eigene Parteikapital frei zu entscheiden, solange dies in unserem politischen Interesse ist.â
Die Parteien mögen unterschiedlich starke Bauschmerzen beim Nutzen von Social Media im Wahlkampf haben, im Ergebnis unterscheiden sich die Strategien allerdings kaum.

