Ob die Armee trotz der jĂŒngsten Entwicklungen im Mali bleibe, war Thema einer Question parlementaire. Die Antwort lautet âJaâ, doch die BegrĂŒndung ist recht oberflĂ€chlich.

Der Westen ist hier um zu helfen, alles klar!
(Wikimedia; TM1972; CC BY-SA 4.0)
Frankreich habe angekĂŒndigt, seine militĂ€rische Kooperation mit Mali zu stoppen, schrieben Fernand Kartheiser und Fred Keup (beide ADR) in einer Question parlementaire im Juni. Vom AuĂenminister wollten sie wissen, welche Auswirkungen das auf Luxemburgs Beziehungen zu Mali und insbesondere auf die Entwicklungshilfe habe. Laut ADR handle es sich um ein Land, âdas sich immer stĂ€rker in Richtung eines totalitĂ€ren Staats entwickelt und wo auch die Korruption immer weiter zunimmtâ.
Zur Erinnerung: 2012 griff der durch die westliche Intervention ausgelöste BĂŒrgerkrieg in Libyen auf Mali ĂŒber, wo sich Tuareg-Rebellen mit Dschihadisten gegen die Zentralregierung verbĂŒndeten. Es folgte ein MilitĂ€rputsch und im Januar 2013 eine französische MilitĂ€rintervention, die wenig spĂ€ter durch eine UN-Mission, an der sich auch Luxemburg beteiligte, unterstĂŒtzt wurde. Der französische Sieg im konventionellen Krieg und die PrĂ€sidentschaftswahl 2013 brachten aber keinen Frieden, sondern mĂŒndeten in einen komplizierten BĂŒrgerkrieg zwischen Ethnien, Ideologien und Drogenclans. Im August 2020 kam es zu einem weiteren Putsch, gefolgt von einem dritten binnen zehn Jahren im Mai dieses Jahres.
Trotz Putsch die Ausbildungsmission fortsetzen
In ihrer Antwort auf die Question parlementaire unterstreichen  AuĂenminister Jean Asselborn, Armeeminister François Bausch und Kooperationsminister Franz Fayot, dass Mali, wie der Sahel insgesamt, sich in einer âfragilen und komplexen Situation in puncto Politik, Soziales und Sicherheitâ befinde. Es sei wichtig, dass internationale Partner vor Ort blieben und eine Verschlechterung der Situation verhinderten. Luxemburg bleibe weiterhin ein âengagierter Partnerâ, auĂerdem habe Frankreich seine militĂ€rische Kooperation ja wieder aufgenommen.
Was die Entwicklungszusammenarbeit angeht, habe Luxemburg das vollwertige Kooperationsprogramm aufgrund des Putschs von 2020 ausgesetzt und durch eine âTransitions-Strategieâ ersetzt. Bedingung fĂŒr eine Neuauflage des Programms sei das Abhalten von Wahlen und die Umsetzung des Friedens- und Versöhnungsabkommens von Algier. Luxemburg wird also trotz der chaotischen Situation vor Ort seine Teilnahme an der UN-Ausbildungsmission fortsetzen. Diese wurde 2020 von François Bausch aufgestockt, der diesen Einsatz auch als Rechtfertigung fĂŒr seine Investitionen in MilitĂ€rmaterial, insbesondere den Tanker A330 MRTT, nutzte (siehe: Ein Flugzeug in der Chamber).
UnterstĂŒtzung fĂŒr eine korrupte Regierung
Nach Bauschs Darstellung ist dies ein Einsatz an der Front gegen den internationalen Terrorismus, ein ZurĂŒckweichen kommt also nicht in Frage.  Manche Partner, die auch aus âinternationaler SolidaritĂ€tâ an der UN-Mission teilnehmen, sehen das anders. In Deutschland wird die Möglichkeit eines RĂŒckzugs ernsthaft diskutiert, insbesondere seit am 25. Juni mehrere Bundeswehrsoldat*innen bei einem Suizidattentat verletzt wurden.
Die internationale PrĂ€senz habe wenig bewirkt, so die EinschĂ€tzung des Sicherheitsexperten Markus Kaim (Stiftung Wissenschaft und Politik) im Deutschlandfunk-Interview. Man mĂŒsse zur Kenntnis nehmen, âdass diese Regierung von Korruption zerrĂŒttet ist, als illegitim betrachtet wird, ihren staatlichen Aufgaben gar nicht mehr nachkommt und (âŠ) sich mit diesem Gleichgewicht von moderater InstabilitĂ€t und internationaler Hilfe ganz gut eingerichtet hatâ. Das Problem der Korruption wird auch in der Question parlementaire angesprochen, nicht aber in der ârĂ©ponse ministĂ©rielleâ.
âDer Effekt ist völlig verpufftâ
Frankreichs Image in der ehemaligen Kolonie Mali ist ebenfalls angeschlagen, unter anderem wegen der zivilen Opfer der LuftschlĂ€ge im Rahmen der âTerrorismusbekĂ€mpfungâ. Doch im Interview stellt Kaim ausdrĂŒcklich auch den Sinn der UN-Ausbildungsmission in Frage, in deren Rahmen auch Luxemburg seine Soldat*innen in den Mali schickt. Das Scheitern des Westens sei âfast noch deutlicher mit der zweiten Mission, in die Deutschland involviert ist, mit der Trainingsmission fĂŒr SicherheitskrĂ€fte in Mali, also fĂŒr Soldaten, wo man ĂŒber Jahre etwa 30.000 Soldaten ausgebildet hat, aber letztlich ist der Effekt völlig verpufftâ.
Anders als die biedere Antwort der Minister suggeriert, ist der Sinn der Mission alles andere als klar, sie schadet vielleicht sogar mehr als sie nĂŒtzt. Auch die Gefahren, denen die Soldat*innen ausgesetzt sind, werden in Luxemburg wohl unterschĂ€tzt. Das internationale Eingreifen im Mali ist also möglicherweise kontraproduktiv, sicherlich gefĂ€hrlich und, wie in Afghanistan, wahrscheinlich am Ende sinnlos â eine Debatte ĂŒber Luxemburgs Beteiligung wĂŒrde sich anbieten.

