Luxemburg hat sein CO2-Budget für das Best-Case-Szenario bereits aufgebraucht

Die Initiative showyourbudgets.org berechnet für jedes Land, wie viel CO2-Budget für verschiedene Klimaziele noch vorhanden ist. Luxemburg ist eigentlich schon zu spät dran.

So sehen die Pfade für Luxemburgs CO2-Budget aus. (Klicken, um die Grafik zu vergrößern. Grafik: CC BY 4.0 #showyourbudgets)

Um die Klimakatastrophe zu bewältigen, müssen wir unsere Treibhausgasemissionen schnellstmöglich auf null senken. Diese Einsicht ist mittlerweile sogar zur Politik vorgedrungen, mit dem Pariser Abkommen gibt es seit einiger Zeit eine unverbindliche Verpflichtung, dies zu tun. Die Pläne, wie schnell die Emissionen gesenkt werden sollen, reichen allerdings nicht, um die Temperaturen unter den anzustrebenden 1,5 Grad Celsius im globalen Durchschnitt zu halten – und selbst das 2-Grad-Ziel wird schwer zu erreichen sein. Dies würde zwar die schlimmsten Konsequenzen der Klimakrise verhindern, zukünftigen Generationen jedoch dennoch eine Erde überlassen, die wir kaum wiedererkennen würden, wie der Weltklimarat IPCC in seinem Spezialbericht zum 1,5-Grad-Ziel festhielt.

Luxemburg will laut seinem nationalen Energie- und Klimaplan seine Emissionen – für jene Sektoren, die außerhalb des europäischen Emissionshandels liegen – bis 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 senken. Das Ziel der EU liegt bei 60 Prozent gegenüber den Emissionen von 1990 – ein Ziel, das von NGOs vielfach kritisiert wurde. Wie viel CO2-Budget haben wir überhaupt noch übrig? Die Webseite showyourbudgets.org hat das vom IPCC errechnete weltweite CO2-Budget proportional zur Bevölkerungsanzahl auf die einzelnen Länder verteilt. Diese Berechnung zeigt: Um mit 66 Prozent Chance das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsste Luxemburg schon gestern damit aufgehört haben, Treibhausgase zu emittieren.

Um immerhin eine 50:50-Chance zu haben, bei 1,5 Grad zu landen, hätten wir noch bis 2022, um unsere Emissionen zu reduzieren – auf null wohlgemerkt, nicht lediglich um 55 Prozent. Das großzügigste Szenario gibt Luxemburg noch knapp zehn Jahre, ab dann dürften keinerlei Emissionen mehr ausgestoßen werden. Dies würde allerdings nur eine 50-prozentige Chance, bei 1,8 Grad globaler Erwärmung zu verharren, bedeuten. Was im Klartext heißt, dass man eine Runde russisches Roulette spielen würde – nur, dass nicht der eigene Kopf, sondern der ganze Planet auf dem Spiel steht.

Was die gesamte EU angeht, so sieht die Lage etwas entspannter aus: Um das Best-Case-Szenario zu erreichen hätten die 27 Mitgliedsstaaten immerhin Zeit bis 2032, um komplett damit aufzuhören, Treibhausgase zu emittieren. Das angestrebte Ziel, bis 2050 CO2-neutral zu sein, bedeutet immerhin eine 66-prozentige Chance, auf knapp unter 2 Grad Erwärmung im globalen Mittel zu landen.

Die Rechnungsmethode von showyourbudgets.org ist in den FAQs der Webseite detailliert erklärt. Emissionen werden erst ab 2016 (dem Datum des Inkrafttretens des Pariser Klimaabkommens) berücksichtigt. Würde man – was angemessener wäre – die Emissionen seit Beginn der industriellen Revolution zur Berechnung der Budgets heranziehen, hätten viele Länder der Erde ihre CO2-Budgets bereits aufgebraucht. Hinter dem Projekt steckt der Klimajournalist Christian Mihatsch, der mit der Website aufzeigen will, wie dramatisch die Lage wirklich ist. Ein Hintergrundinterview mit ihm findet sich auf klimafakten.de.

(Grafik: CC BY 4.0 #showyourbudgets)


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