Philosophinnen des zwanzigsten Jahrhunderts: Wider den falschen Trost

Von Frauen wird erwartet, dass sie die harte Realität mit Trost abfedern und Leid durch Mitgefühl erträglich machen. Wenn sie gesellschaftliche Veränderung unterstützen können, dann angeblich durch ihre besondere Fähigkeit, sich in andere einzufühlen. In ihrem neuen Buch widmet sich die Literaturwissenschaftlerin Deborah Nelson sechs Philosophinnen und Zeitdiagnostikerinnen des vorigen Jahrhunderts, die sich diesem Anspruch verwehrten.

Kritik erlaubt weder Trost noch falsche Versöhnung: Die Philosophin Hannah Arendt auf dem ersten Kulturkritikerkongress 1958 in München. (Foto: Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Barbara Niggl Radloff/CC-BY-SA-4.0)

„Toughe Ladies“ wollte Deborah Nelson ihr Buchprojekt anfangs nennen. Am Ende entschied sie sich gegen diesen Titel, der eher an Frauen wie die Schauspielerin Mae West denken ließ, als an Intellektuelle wie Joan Didion oder Simone Weil, um die es eigentlich gehen sollte. mehr lesen / lire plus

Türkische Armee im Nordirak: Die Klaue schlägt zu

Die türkische Armee greift die PKK an, auf dem Territorium des Nordirak. Der Angriff ist Teil eines seit Jahren forcierten militärischen Vorgehens gegen kurdische Kräfte in der Region.

Der türkischen Regierung zufolge ist die Offensive im Nordirak notwendig, um Angriffe der PKK auf türkischem Gebiet zu verhindern. Unser Bild zeigt ein türkisches Militärfahrzeug östlich von Idlib in Syrien im Februar 2020. (Foto: EPA-EFE/Yahya Nemah)

Die Türkei bläst zur Frühlingsoffensive. Seit über zwei Wochen geht die türkische Armee mit Infanterie, Drohnen, Artillerie und Kampfflugzeugen in den Bergen Nordiraks gegen Stellungen der PKK vor. Seit 2019 griff die türkische Armee neben Nordsyrien auch immer wieder den Nordirak an, auf die Operationen „Adlerklaue“ und „Tigerklaue“ und die Operation „Klauenblitz“ im vergangenen Jahr folgt nun die Operation „Klauenschloss“. mehr lesen / lire plus

Agrarprodukte: Leeres Label

Per Gesetz wird ein neues Label eingeführt, das die regionale und nachhaltige Produktion fördern soll. Ein Überblick über Werdegang und Kritik.

Es war einmal ein Minister, der hatte ein Projekt. Der Minister hieß Fernand Etgen, sein Projet de loi war der Zertifizierung von landwirtschaftlichen Produkten gewidmet. Die Idee wurde von allen Seiten gelobt, das konkrete Projekt dagegen von allen Seiten kritisiert. Fünf Jahre, zwei Minister und Dutzende von parlamentarischen Dokumenten später ist das Projekt endlich umgesetzt. Sein Werdegang scheint vergessen, dass es jetzt kritisiert wird, mag normal erscheinen. Berücksichtigt man aber die erste Fassung von 2017 und das Ziel, die Nachhaltigkeit bei Produktion und Konsum zu fördern, so ist das Projekt durch die Konsultationen, Änderungen und Ergänzungen nicht etwa besser, sondern wesentlich schlechter geworden. mehr lesen / lire plus

Foire de l’éducation: „Endlich alles an einem Ort“

Mit zunehmender Diversifizierung der Bildungslandschaft wird auch die Entscheidungsfindung immer komplexer. Die Foire de l’éducation, die diese Woche zum ersten Mal stattfand, soll Abhilfe verschaffen. Die woxx hat sich vor Ort einen Eindruck verschafft.

Viel zu entdecken gabs diese Woche bei der ersten nationalen Bildungsmesse. (Fotos: woxx)

Es war ein eher ungewöhnliches Bild, das sich diese Woche beim Betreten der Luxexpo The Box auf dem Kirchberg bot: Autos, an denen herumgewerkelt wurde, Dach-Imitate, in welche Handwerker*innen Schieferplatten einhämmerten, und, in derselben Halle, ein nachgebauter Blumenladen. Wer sich zwischen Montag und Mittwoch auf die Foire de l’éducation begab, konnte nur beeindruckt sein von der Vielfalt der Berufe, die dort plastisch vorgestellt wurden. mehr lesen / lire plus

Digital Services Act: Kampf den Giganten

Mit einem neuen Maßnahmenpaket will die EU-Kommission Internet-
giganten in die Schranken weisen.

Desinformation, Hassrede, Clickbait – Social Media kann sich manchmal ganz schön kaputt anfühlen. Kann der Digital Services Act die großen Plattformen zur Reparatur zwingen? (Foto: Vijendra Kushwah/Pixabay)

Elon Musk will das soziale Netzwerk Twitter für 44 Milliarden Dollar kaufen. Neben der gewaltigen Summe sorgte folgende Ankündigung für Aufregung: Der Multimilliardär will den Dienst zu einem Hort der Meinungsfreiheit machen. Wahrscheinlich heißt das, dass er weniger Moderation will, um seine ultralibertäre Auffassung von Meinungsfreiheit durchzusetzen. Ein Plan, dem eine neue EU-Gesetzgebung einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Die EU-Kommission will Internetgiganten mit dem „Digital Services Act“ (DSA) an die kurze Leine nehmen. mehr lesen / lire plus

Illegale Zebrastreifen: Keine Einsicht

Wie die Stadt Luxemburg die Affäre um die illegalen Zebrastreifen handhabt, ist ein Omen dafür, wie schwer die Verkehrswende sein wird.

CC-BY-SA mrhayata/flickr

Am vergangenen Montag wurde im Gemeinderat der Stadt Luxemburg ein Antrag der Oppositionsparteien Déi Gréng, LSAP und Déi Lénk behandelt, der den Schöff*innenrat dazu aufforderte, dem Zentrum fir Urban Gerechtegkeet (ZUG) die Daten zukommen zu lassen, die es angefordert hatte. Bereits im Oktober hatte die Organisation eine „citizen science“-Studie präsentiert, die eklatante Mängel in der Straßensicherheit der Hauptstadt offenlegte. Es folgte eine Tragikomödie: Verkehrsschöffe Patrick Goldtschmit (DP) behauptete im November 2021, es wären statt 475 lediglich 32 oder 37 Zebrastreifen nicht konform, weil weniger als fünf Meter davon entfernt ein Stellplatz ist. mehr lesen / lire plus

Kulturhauptstadt Novi Sad: Argwohn und Versöhnung

Neben Esch trägt auch das serbische Novi Sad dieses Jahr den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. Novi Sad ist, wie Esch, von vielen Kulturen geprägt und, wie im Luxemburger Süden, zieht das Projekt auch in Serbien Kritik auf sich. Viele Kulturhauptstädte teilen diese Krankheit. Auf Symptomsuche in Novi Sad.

Der Künstler Nemanja Milenkovic ist Teil des Kollektivs „Šok Zadruga“, das die Teilnahme am Programm der Kulturhauptstadt zunächst ablehnte. (© Franziska Peschel)

Novi Sad war schon immer Kulturhauptstadt – zumindest für die Region Vojvodina rund um Novi Sad, für Serbien und früher für Jugoslawien. Das große Café Atina neben der Kirche am Hauptplatz steht genau dafür. mehr lesen / lire plus

Sondage : Place financière et droits humains

Photo : Initiative pour un devoir de vigilance

L’Initiative pour un devoir de vigilance vient de présenter les résultats d’un sondage réalisé par TNS Ilres auprès de la population résidente à laquelle on a posé entre autres la question de savoir si elle était « d’avis que le cadre réglementaire au Luxembourg devrait responsabiliser le secteur financier afin d’empêcher le financement d’activités de sociétés dont les activités seraient liées à des violations des droits humains et des dommages environnementaux ». 86 % ont répondu oui à cette question (55 % tout à fait d’accord et 31 % plutôt d’accord). 75 % des sondé-es pensent même qu’une loi nationale contraignante à cet égard devrait être introduite avant les élections de 2023. mehr lesen / lire plus

CET: Rassismus, Backlash und kleine Schritte

Das Centre pour l’égalité de traitement (CET) legte am 3. Mai seinen Jahresbericht 2021 vor, der auch eine Momentaufnahme liefert, die sich unter anderem mit Angaben aus rezenten Publikationen zu Rassismus in Luxemburg deckt: Letztes Jahr wandten sich 203 Personen an das CET, in 60 Fällen war Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft das Motiv. Damit war Rassismus der häufigste Grund für die Kontaktaufnahme, gefolgt von Anliegen, die nicht in den Kompetenzbereich des CET fallen. 54 Prozent der Antragsteller*innen waren europäische Staatsangehörige. In 51 Prozent der Fälle konnte das CET vermitteln oder auf passende Anlaufstellen verweisen. Darüber hinaus stellte das CET eine Rückentwicklung bei den Stellenanzeigen fest: 2020 erklärte es 45 Ausschreibungen als diskriminierend, letztes Jahr waren es mit 82 beinahe doppelt so viele. mehr lesen / lire plus

Frontex ohne Kopf

Frontex-Chef Fabrice Leggeri ist Ende vergangener Woche von seinem Amt zurückgetreten. Der bisherige Leiter der EU-Grenzschutzagentur war wegen des Vorwurfs der Vertuschung sogenannter „pushbacks“, der illegalen Zurückweisung von Asylsuchenden an den EU-Außengrenzen, immer mehr unter Druck geraten. Die Umstände seines Abgangs sind einigermaßen dubios. In einem Schreiben machte Leggeri für seinen Rücktritt angeblich heimlich vorgenommene Regeländerungen im Mandat von Frontex verantwortlich, das im Juni 2019 verlängert wurde. Damit spielte er offenbar selbst auf die Vorwürfe gegen ihn und seine Behörde an, denn eine Sprecherin der EU-Kommission dementierte, dass es eine Mandatsänderung „in diesem Sinne“ gegeben hat: „Die Aufgabe von Frontex war es schon immer, sowohl die EU-Grenzen zu schützen als auch die Grundwerte zu wahren“, so die Sprecherin. mehr lesen / lire plus

Musikfestival: Dialog mit Geige und Klavier

Das neue Catch Music Festival vereint klassische Musiker*innen und soll Kammermusik von ihrem angestaubten Image befreien. Mitinitiatorin Cathy Krier und Teilnehmerin Kelly Ge sprechen über ein Projekt, das mit Hierarchien brechen und Grenzen überwinden soll.

Die 19-jährige Kelly Ge ist eines der jungen Nachwuchstalente, das beim Catch Music Festival die Chance erhält, sich mit etablierten Musiker*innen die Bühne zu teilen und klassische Musik in ein anderes Licht zu rücken. (© Catch Music Festival)

„Klassische Musik hat mit einem verstaubten Image zu kämpfen, was sehr schade ist“, sagt Cathy Krier, Konzertpianistin und Professorin am Konservatorium der Stadt Luxemburg im Gespräch über das Catch Music Festival. mehr lesen / lire plus

Backcover: „Speziell d’Collage bitt vill Raum fir nei Narrativer“

Frënn*dinne vu propperen a ganze Print-Publikatioune mussen elo staark sinn: De Kënschtler Lascar zerschneit wat him ënner d’Fanger kënnt a mécht doraus Collagen – e Genre, dee sech duerch déi eenzel Konschtepochen zitt. Am Mee weist de Lascar seng Aarbechten op der hënneschter Säit vun der woxx. Wéi hien u seng Kreatiounen erugeet a wisou Schnëppel vu Politker*innen net gläich politesch Konscht sinn, verréit hien an engem Interview zum Optakt vun der Serie.

De Lascar, 1987 gebuer, ass e lëtzebuergesche Kënschtler, dee Collagen an Illustratioune mécht. Ausgangspunkt fir seng Aarbechten a säin Interessi um Genre ass den Dadaismus. De Lascar wunnt a schafft zur Zäit an der Belsch.

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Littérature augmentée : Trente ans de prix Servais

Le CNL célèbre les trente premiers ouvrages récompensés par le prestigieux prix littéraire avec l’exposition « Imaginer Servais ». 
La littérature y est le point de départ de créations sonores et visuelles aussi variées que les livres dont elles s’inspirent.

Une façade parée de couvertures de livres pour l’occasion. (Photos : woxx)

Deux rangées de cabines similaires, fermées par des rideaux blancs, identifiées par des macarons au sol avec titre, date et auteur ou autrice : c’est d’abord une sensation étrange, quasi kafkaïenne, qui s’empare de qui franchit le seuil de l’exposition. Un coup d’œil prolongé à terre confirme que l’agencement n’est ni alphabétique ni chronologique. mehr lesen / lire plus

Auf Arte: Unter Schmerzen gebierst du Kinder

Die Doku „Unter Schmerzen gebierst du Kinder“ bietet einen Vorgeschmack auf das woxx-Dossier zu Gewalt in der Geburtshilfe, das kommende Woche erscheint: Der Film beleuchtet das Thema aus sozialer, medizinischer und historischer Sicht, mit Fokus auf die Situation in Frankreich und auf ausgewählten Fällen. Eine informative Doku, die unter anderem Zusammenhänge zwischen den schlechten Arbeitsbedingungen in Kliniken, struktureller Gewalt gegen Frauen und dem Leid der Gebärenden aufzeigt.

Bewertung der woxx: XXX

Bis zum 14. September in der Arte Mediathek. mehr lesen / lire plus

Expotipp: Metzeschmelz

Es kommt einer Mischung aus Geisterstadt, Künstler*innendorf und Freizeitpark für Liebhaber*innen der alternativen Kunstszene gleich: Zahlreiche Künstler*innen bespielen derzeit in Auftrag des Kollektivs Cueva das brachliegende Industriegelände Metzeschmelz zwischen Esch und Schifflingen. Wo früher nur das Personal der Stahlwerke verkehrte und bald ein neues Wohnprojekt entstehen soll, können jetzt Besucher*innen bis Oktober Kunstwerke unterschiedlichster Genres bewundern – unter anderem von Lascar, dessen Collagen im Mai die Rückseite der woxx einnehmen. Hinzu kommen spontane Happenings und Konzerte, die auf der Facebook-Seite „Metzeschmelz CUEVA 2022“ angekündigt werden. Wer einen kleinen Vorgeschmack haben will: Der Saarländische Rundfunk war Anfang April zu Besuch in der Industrieruine und hat mit Théid Johanns, Mitbegründer von Cueva, über die Hintergründe des Projekts gesprochen. mehr lesen / lire plus

Dans les salles : The Unbearable Weight of Massive Talent

Nicolas Cage se parodie lui-même avec énergie dans cette série B revendiquée, même si le scénario n’ose pas verser dans le complètement déjanté. Si l’on évacue le premier moment d’incrédulité ainsi que la fin vraiment trop ancrée dans la paix des familles, on y prend du plaisir (coupable).

L’évaluation du woxx : XX
Tous les horaires sur le site.

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