KRIMINALITÄT: Filmreif inszeniert

Die angebliche Unsicherheit im Luxemburger Bahnhofsviertel ist zum Medienthema avanciert. Dabei wird in populistischer Manier der Bogen zur Asyldebatte geschlagen.

Eine leere Whiskey-Flasche liegt auf der regennassen Straße. Im Hintergrund ist der Luxemburger Bahnhof zu erkennen – und ein Mann mit dunkler Hautfarbe. Mit diesem kunstvoll komponierten Foto beginnt diese Woche die Zeitschrift Revue ihre Reportage über Missstände im hauptstädtischen Bahnhofsviertel. Ein paar Seiten weiter schaut eine Polizistin einem Afrikaner in den Mund. Der dazu gehörende Text handelt von „schwarzafrikanischen Asylantragstellern“, in deren Hand sich angeblich der Heroin- und Kokainhandel im Bahnhofsviertel befindet, sowie von Junkies, die auf Raubzug gehen und Leute anpöbeln. mehr lesen / lire plus

KRANKENKASSEN: Quadri-Party

Das erste Spiel des neuen Gesundheitsministers ging besser aus als das der Nationalelf am gleichen Tag. Die Quadripartite fand in bester Atmosphäre statt. Die Akteure hoffen, das Defizit der Krankenkassen im Einvernehmen auszugleichen.

Manche seiner Aussagen klingen recht vorsichtig, in anderen bringt er seine Meinung klar zum Ausdruck. Der neue Gesundheitsminister Mars di Bartolomeo bemüht sich, den schwierigen Dialog mit den Akteuren im Gesundheitswesen nicht abreißen zu lassen. Er flüchtet sich aber nicht in die Mischung aus nichtssagenden öffentlichen Erklärungen und Geheimverhandlungen, mit der sein Vorgänger Carlo Wagner allen Kredit verspielte. Mehr als auf Vorschriften und Kontrollen setze er darauf, dass alle Betroffenen ihre Verantwortung übernehmen, so der Minister nach der Quadripartite-Sitzung vom vergangenen Mittwoch. mehr lesen / lire plus

MUSIKTHERAPIE: Stille ist Musik

Es tut wohl fast jedeR: Musik hören, weil sie traurig macht
oder glücklich oder neue Energie gibt. Musiktherapeutin
Martine Wallenborn setzt diese Wirkung bewusst ein.

„Man wird nicht
zufällig Therapeut“ – Martine Wallenborn
stellt in ihrer Arbeit die Bedürfnisse der PatientInnen in den Vordergrund.

Dass auch Stille Musik sein kann, das wussten schon
Simon und Garfunkel als sie vom „Sound of Silence“ sangen. Aber still ist es im 21. Jahrhundert kaum mehr irgendwo, jedenfalls nicht in unseren Breitengraden. Radio oder Fernsehen dudeln überall in Endlosschleifen vor sich hin. „Ich habe gelernt selektiv zu hören“, erklärt die Musiktherapeutin Martine Wallenborn. Wer mehr als 22 Minuten lang ständiger Berieselung ausgesetzt ist, höre ohnehin nicht mehr richtig zu. mehr lesen / lire plus

DAN WIROTH: Films Made in Luxembourg

Pour ceux et celles qui n’auraient pas encore eu l’occasion de voir les deux courts-métrages du jeune réalisateur Dan Wiroth, RTL programme, dans le cadre des Films Made in Luxembourg le 16 octobre à 21h, „Fragile“ (1998) et „If not why not“ (2002). Que ce soit la magie des verres qui dansent ou la danse tout court sur une musique envoûtante de Serge Tonnar, cette diffusion est un rendez-vous à ne pas manquer. mehr lesen / lire plus

IRVIN WINKLER: De-Lovely

Steppen in Zement: Irvin Winklers Verfilmung von Cole Porters Leben gerät hölzern und verstaubt.

Auf dem Klavier singt’s sich besser: Kevin Kline als Komponist Cole Porter.

Ein amerikanischer Kritiker hat behauptet, „De-Lovely“ sei schlimmer als drittklassige Schultheater-Aufführungen. Alle drittklassigen Schultheater-Truppen sollten sich daraufhin beschweren. Denn so schlecht wie Winklers Film können sie gar nicht sein.

In der ersten Szene sitzt ein kosmetisch miserabel gealterter Cole Porter im Dämmerlicht am Klavier und erinnert sich an bessere Zeiten. Plötzlich erscheint ihm der Geist (oder ist es ein Engel?) Gabriel und entführt ihn in ein fiktives Theater, in dem Porters Lebensgeschichte als Musical aufgeführt werden soll. mehr lesen / lire plus

ATELIER VAN LIESHOUT: Art ex machina

In seiner aktuellen Ausstellung veranschaulicht das holländische Kollektiv Atelier Van Lieshout (AVL), bestehend aus rund 30 Architekten, Designern und Künstlern, den ganz normalen Wahnsinn unserer Gesellschaft in der Menschen, gleich Dummies, naiv und unpersönlich, mechanisch und effektiv, Teil von Produktionsketten sind. So wird z.B. „the mini disciplinator“, zu sehen im dunklen Keller der Galerie, zum schrecklichen Sinnbild jener Gesellschaft in der die Unfreiheit zur Normalität geworden ist. Die Welt von AVL ist fantastisch, fanatisch und unheimlich zugleich, wirft sozialkritische Fragen auf, ohne aber in die Falle passiver Entrüstung zu tappen. Im Gegenteil, Joep Van Lieshout, Gründer und Chef von AVL, appelliert an das Recht zur Entscheidungsfreiheit und der eigenen Bestimmung der Spielregeln, und dies um das „Überleben und Glück“ von jedermann zu sichern. mehr lesen / lire plus