Vergangene Woche wurde der Entwurf des nationalen Klima- und Energieplans vorgestellt. Die Regierung steckt sich hohe Ziele.
Bis 2030 soll der CO2-AusstoĂ um 50 bis 55 Prozent gegenĂŒber dem Niveau von 2005 gesenkt werden, wie Umweltministerin Carole Dieschbourg und Energieminister Claude Turmes (beide DĂ©i GrĂ©ng) am Mittwoch, dem 27. Februar im Rahmen einer Pressekonferenz bekanntgaben. Also wesentlich mehr als das bisher geltende Einsparungsziel von 40 Prozent. âDas ist ein ambitionierter und realistischer Plan, den wir Hand in Hand mit allen Akteuren mit Leben fĂŒllen wollenâ, erklĂ€rte die Umweltministerin, die unterstrich, dass die Zeit zum Handeln gekommen sei. Sie bezog sich dabei auch positiv auf die Proteste streikender SchĂŒler*innen, die weltweit unter dem Motto âFridays for Futureâ stattfinden. â55 Prozent Reduktion ist zudem das, was der IPCC in seinem Bericht ĂŒber eine ErwĂ€rmung von 1,5 Grad fĂŒr die Industrienationen empfohlen hatâ, so die Ministerin.
In knapp elf Jahren soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Gesamtenergieverbrauch zwischen 23 und 25 Prozent (aktuell: ca. 7 Prozent) liegen, die Einsparungen durch Energieeffizienz sollen zwischen 40 und 44 Prozent betragen. Die Ziele sind deswegen als Spanne angegeben, weil die Regierung bis zum Ende dieses Jahres nach BĂŒrger*innenbeteiligung und Konsultierung mit dem Parlament konkrete MaĂnahmen festlegen will. Im Moment ist der Plan nĂ€mlich noch ein Entwurf. Das Ganze ist aber kein rein luxemburgischer VorstoĂ, sondern beruht auf einer EU-Verordnung, die die Mitgliedsstaaten zur Erstellung eines Klimaplans verpflichtet. Es handelt sich um die Verordnung 2018/1999, die Claude Turmes als EU-Parlamentarier recht medienwirksam noch in der Nacht vor seiner Vereidigung als Minister mitverhandelt hatte.
âZwischen 2013 und 2017 war Luxemburg âon trackâ mit seinen Reduktionszielen, letztes Jahr sind die Emissionen aber leider wieder gestiegenâ, erklĂ€rte Turmes. Das demographische und wirtschaftliche Wachstum des GroĂherzogtums hieĂe normalerweise jedoch, dass mehr Emissionen verursacht wĂŒrden. âDeswegen mĂŒssen wir die Besten in Sachen Energieeffizienz werden, weshalb wir uns hohe Ziele gesetzt haben.â Luxemburg hat trotz der Verbesserungen in den letzten Jahren immer noch die höchsten Pro-Kopf-Emissionen Europas. Der Löwenanteil stammt aus dem Transportsektor, der 64 Prozent der Treibhausgas-Emissionen ausmacht.
Um im StraĂenverkehr weniger auszustoĂen, setzt die Regierung einerseits auf den öffentlichen Transport, aktive MobilitĂ€t und bessere Raumplanung. Und andererseits soll der Anteil der E-Autos angehoben werden, um weniger Treibhausgase zu emittieren. Aber auch der Verkehr mit Verbrennungsmotoren soll effizienter werden und ein Drittel weniger verbrauchen.
Bei der PrĂ€sentation gab Turmes an, man wolle auf Biokraftstoffe der zweiten Generation setzen, die weniger in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion stĂŒnden als jene der ersten Generation. Diese neuen Kraftstoffe werden beispielsweise aus Cellulose hergestellt. 2030 soll in Luxemburgs Verkehrssektor beinahe doppelt so viel Energie aus Biokraftstoffen eingesetzt werden als noch 2016. Der Anteil soll bis 2040 jedoch wieder sinken. Ein wichtiger Faktor im Verkehrssektor ist der Treibstoffexport, unter anderem der Tanktourismus.

Erneuerbare Energien, insbesondere Fotovoltaik, will die Regierung weiter ausbauen. Allerdings sei es wegen der âFlĂ€chenknappheitâ im GroĂherzogtum unumgĂ€nglich, auch in Zukunft Kooperationen mit anderen LĂ€ndern einzugehen. Dabei denkt Turmes nicht so sehr an die baltischen Staaten, sondern eher an ein Nachbarland: âIch glaube, es ist der Bevölkerung einfacher zu vermitteln, dass wir gemeinsam mit Belgien in ein Offshore-Windprojekt in der Nordsee investierenâ, so der Energieminister. Weitere von der Regierung angedachte MaĂnahmen, sind gröĂere Anstrengungen im Bereich GebĂ€udesanierung â einhergehend mit administrativen Vereinfachungen. Auch in Holzbau und -energie soll in Zusammenarbeit mit Partner*innen aus der GroĂregion vermehrt investiert werden.
Der Plan soll bis Ende des Jahres konkretisiert werden. Dazu wird eine Studie durchgefĂŒhrt und er wird im Parlament, in den Ministerien und auf BĂŒrger*innenversammlungen zur Diskussion gestellt. Eine Partei hat ihren Unmut schon geĂ€uĂert: DĂ©i LĂ©nk moniert, der Entwurf des Planes sei nicht konkret genug: âDer MaĂnahmenkatalog bleibt jedoch sehr oberflĂ€chlich und es ist nicht zu erkennen, welche zusĂ€tzlichen Anstrengungen vorgesehen werden, um die nach oben korrigierte Zielsetzung zu erfĂŒllenâ, heiĂt es in einer Pressemitteilung, die am Montag verschickt wurde.
Die Partei fordert auĂerdem neue Instrumente zur Wohnbausanierung und stellt das Projekt des Google-Datenzentrums in Bissen in Frage, da der Energiebedarf hier sehr hoch sei. âDer Energie- und Klimaplan muss schnellstens durch konkrete Umsetzungsschritte vervollstĂ€ndigt werden. PlĂ€ne ohne Folgen gab es in den vergangenen Jahren bereits zur GenĂŒge, auf die Mobilisierung von SchĂŒlerInnen in Luxemburg und europaweit muss die Regierung mit eindringlicheren MaĂnahmen antworten.â, schlieĂt die Pressemittelung von DĂ©i LĂ©nk.
Der Druck auf die Regierung, die hohen Ambitionen möglichst bald mit konkreten Aktionen umsetzen, dĂŒrfte sich indessen noch erhöhen, denn fĂŒr den 15. MĂ€rz ist auch in Luxemburg eine Klimademonstration von SchĂŒler*innen angekĂŒndigt.

