Am Samstag: Adhoc-Aktion für gemeinschaftliches Wohnen auf Kirchberg

Es wird Ernst: Mitte 2020 soll Baubeginn des ersten gemeinschaftlichen Wohnprojektes in Luxemburg sein. Mitmacher*innen werden noch gesucht.

Die im Mai 2016 gegründete Genossenschaft „Adhoc Habitat participatif“ steht kurz vor der Realisierung ihres ersten Wohnprojektes. Das auf einem Grundstück des Fonds Kirchberg geplante Gebäude „Réimerwee“ soll die erste Wohngenossenschaft in Luxemburg werden, die „mit einem gemeinschaftlichen Wohnmodell neue Akzente zum Thema sozialverträgliches, umweltorientiertes und kostensparendes Wohnen setzen wird“, wie es in einem rezenten Kommuniqué heißt. All zu lange soll es nicht mehr dauern, denn Anfang 2020 startet die technische Planung des Projekts und der Baubeginn ist für Mitte des gleichen Jahres vorgesehen.

Um das neue Projekt bekannter zu machen findet am morgigen Samstag, dem 1. Juni 2019, ab 14 Uhr, eine öffentliche Aktion statt: Zukünftige Bewohner*innen des Projektes werden das Areal des geplanten Gebäudes auf dem Gelände zwischen Boulevard Konrad Adenauer und Allée des Poiriers, symbolisch abstecken. Diese gemeinschaftliche Inbesitznahme soll eine bis in die zweite Jahreshälfte geplante Kampagne anstoßen, bei der weitere Interessierte zum Mitmachen animiert werden sollen.

Noch Wohnungen zu vergeben

Das Gebäude soll 30-35 Wohnungen, von denen fast die Hälfte noch zu vergeben sind, einen Coworking Space für kreative Unternehmen aus dem Grafik-Bereich und Räume für eine ökologisch ausgerichtete Gastronomie beinhalten. Letztere soll direkt mit Gemüse aus dem Gewächshaus auf dem Dach versorgt werden. Es wird spezielle Wohnungen für Personen mit Mobilitätsproblemen geben, sowie drei Gästewohnungen und eine Künstler*innenresidenz. Eine kleine Bühne sowie Gemeinschaftsräume sollen das Leben in Kirchberg zudem kreativer werden lassen.

Wie alle anderen Etappen des Adhoc-Projektes von der Entwicklung bis hin zum Einzug, wird auch diese Aktion von einem Filmteam begleitet. So soll „Rechenschaft über Ziele, Probleme und Visionen gemeinschaftlicher Wohnformen“ abgelegt werden, damit zukünftige Projekte aus diesem ersten Vorhaben lernen können.

Die Adhoc-Verantwortlichen sehen in ihrem Konzept alle Voraussetzungen für eine enge soziale Vernetzung der Bewohner*innen gegeben. Weil die zukünftige Bewohner*innenschaft wesentliche Teile des Projektes selber konzipiert, versprechen sie sich „eine stabilere Gemeinschaft, die auch in der Nachbarschaft entscheidende Impulse für das Entstehen eines langfristig stabilen Quartiers liefert“.

Nicht billig, aber preiswert

Eigenbeteiligung und Verzicht auf kostentreibende Ausstattungsdetails sollen darüber hinaus einen entscheidenden Beitrag zur Senkung der Mieten im Genossenschafts-Projekt liefern. Interessent*innen sollen aber auch wissen, dass es sich nicht um einen sozialen Wohnungsbau im klassischen Sinne handelt – was nicht bedeutet, dass Personen, die Anrecht auf soziale Unterstützung seitens des Wohnungsbauministeriums haben, diese nicht auch in Anspruch nehmen können.

Die Kombination von etwa zehn Prozent Eigenbeteiligung, in Form von Anteilen an der „société coopérative organisée comme société anonyme“, sowie einer Miete, die etwa 20 bis 30 Prozent unter den marktüblichen Mieten liegen soll, macht diese besondere Wohnform auf jeden Fall „preiswerter“ – wobei Kirchberg beileibe nicht zu den günstigen Wohnvierteln im Lande zählt.

Genaue Preise lassen sich derzeit noch nicht anführen, wie uns die Kooperative auf Nachfrage bestätigte: Der „bail amphythéotique“ für das Areal, das dem Fonds du Kirchberg gehört, ist noch nicht endgültig ausverhandelt. Das zeitlich beschränkte Nutzungsrecht dürfte aber teuerer werden, als dies anfangs geplant war und damit auch die Höhe der Quadratmetermiete nach oben drücken.


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