Apple am Pranger wegen App-Zensur

von | 29.12.2017

Die Internet-Zensur der chinesischen Regierung unterstützen, indem man „unerwünschte“ Apps aus dem Store entfernt. Das ist es, wofür Apple massive Kritik einstecken muss – denn dieses Verhalten hat schwerwiegende Folgen.

Apple-Blues?

Gut fürs Fernost-Geschäft war der Auftritt bestimmt. Apple-Chef Tim Cook sprach auf der von der chinesischen Regierung organisierten World Internet Conference Anfang Dezember in Wuzhen. Doch der Konzern, der den ersten Macintosh noch als Waffe gegen Big Brother beworben hatte, muss einen Imageschaden in der westlichen Welt befürchten.

Wie das Computermagazin c’t in der Nummer vom 22. Dezember berichtet, hat US-Senator Patrick Leahy reagiert und gemahnt, „IT-Konzerne wie Apple [hätten] sowohl die Chance als auch eine moralische Pflicht“, sich für freie Meinungsäußerung und andere Grundrechte einzusetzen. Dabei geht es nicht nur um den Auftritt in Wuzhen, sondern allgemein um die Zusammenarbeit des Konzerns mit den chinesischen Zensurbehörden.

Von NYT bis VPN – alles verboten!

So war die App der New York Times (NYT) im Dezember auf Wunsch Pekings aus dem chinesischen App Store entfernt worden. Im vergangenen Oktober traf es dann Skype und andere digitale Telefondienste – „weil sie die Kommunikation verschlüsseln und so die Kontrolle erschweren“, vermutet die c’t. Zuvor waren bereits fast 700 Apps für Virtual Private Networks (VPN) entfernt worden – der vielleicht gravierendste Eingriff. Denn diese Programme ermöglichten es bisher, die Sperren zu umgehen und in China blockierte Internetdienste wie Google, Facebook oder Youtube zu benutzen.

Apples zentrale Kontrolle darüber, welche Apps auf den Geräten des Konzerns laufen, steht im Fokus des Editorials der c’t zum gleichen Thema. Der „App Store in seiner monopolistischen Form“ sei ein Fehler gewesen, schreibt Dušan Živadinović. Zwar habe sich dieser Store für Apple kommerziell gelohnt, aber er sei auch der erste seiner Art gewesen, der Software-Zensur ermögliche. Živadinović richtet sein Editorial an Tim Cook und malt dabei den Teufel an die Wand: „Welche Ideen brütet wohl Dein Landsmann Donald aus? Lässt er Dich eines Tages den Löschknopf für alle Apps von Medien drücken, die er als ‚Fake News‘ diffamiert?“

Wird Google auch klein beigeben?

Fairerweise sollte man daran erinnern, dass sich Apple in der Vergangenheit mehrfach Aufforderungen des FBIs widersetzt hat. Dabei ging es darum, das Betriebssystem von iPhones zu „knacken“, um den verschlüsselten Inhalt von Telefonen von Schwerverbrecher*innen auszulesen.

Dennoch, die Folgsamkeit Apples gegenüber der chinesischen Regierung könnte Nachahmer ermutigen. Google zum Beispiel lässt sich viel Umsatz und Gewinn entgehen, weil der Konzern sich 2010 wegen Konflikten mit den Zensurbehörden weitgehend aus China zurückgezogen hat. Dass Google-Chef Sundar Pichai dieses Jahr in Wuzhen auch dabei war, dürfte kein Zufall sein.

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