Bâtiment 4, oder: Kulturkrimi in Esch

von | 05.06.2023

Die Kulturorganisationen Bunker und Nobody Owns Culture offenbarten am Wochenende: Ihr geplantes Event im Bâtiment 4 wurde verboten und Bunker aus dem Kulturzentrum geschmissen. Die Betroffenen sind schockiert, eine offizielle Erklärung fehlt bisher.

QUELLE: esch2022.lu

Der Samstag sollte eigentlich ein Grund zur Freude sein: Bunker, ein Second Hand-Konzept mit Atelier im Escher Kulturzentrum Bâtiment 4 (B4), hatte zur Party bis zum Morgengrauen mit dem Brüssler DJ Kappen und dem luxemburgischen Duo „Riven & Camilo“ geladen. Daraus wurde jedoch nichts: Bunker musste das Event kurzfristig absagen, weil ihm die Berechtigung von der Gemeinde entzogen wurde, und im gleichen Zuge sein Atelier im B4 räumen.

Auf ein offizielles Schreiben zum Widerruf warten die Verantwortlichen bis heute. Eine legitime Begründung für die Absage und den Rauswurf habe es nicht gegeben, vielmehr sei der Brand eines kleinen Kanisters auf dem Außengelände rund um das B4 zum angeblichen Großbrand aufgebauscht und als Argument verwendet worden, so Bunker auf Social Media. Dabei sei das Feuer sofort und ohne Folgeschäden gelöscht worden. Die Absage der Abendveranstaltung sowie der Rauswurf aus dem B4 kam für Bunker daher aus dem Nichts. „Es gab keine Kommunikation mit den Verantwortlichen von Bunker“, schreibt die Organisation. „Es wurde sich nicht um Aufklärung bemüht und es gab keine Möglichkeit, die Vorfälle zu erklären.“ FrEsch, die städtische Kulturorganisation die das B4 zusammen mit der Stadt und einem Kollektiv bestehend aus den ansässigen Künstler*innen verwaltet, habe stattdessen einem Projekt, das seit einem Jahr und in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Personen und Kollektiven entstanden sei, aufgrund haltloser Gerüchte ein jähes Ende gesetzt.

Bunker nutzt die aktuellen Umstände, um auf die insgesamt undurchsichtigen Finanzen von frEsch, die politische Instrumentalisierung der Kulturszene und die Misswirtschaft bezüglich der Mitarbeiter*innen des B4 hinzuweisen. Bisher war es vor allem das Künstler*innenkollektiv Richtung22, ebenfalls ansässig im B4, das gegen die Machenschaften von frEsch und den Escher Kulturverantwortlichen protestierte. Die woxx berichtete mehrfach, zuletzt im Zuge der Bilanz von Esch2022.

Obschon frEsch ein großes Budget zur Verfügung stehe – die ASBL erhält allein von der Gemeinde Esch dieses Jahr 4 Millionen Euro für Personalkosten und die Umsetzung des städtischen Kulturplans – gebe es nur einen technischen Mitarbeiter im B4, sagt Bunker. Dieser Mitarbeiter werde allerdings fast ausschließlich für die Großevents von frEsch (Nuits de la culture; Francofolies) eingesetzt. Eine Zusammenarbeit mit den Künstler*innen im B4 gebe es nicht.

„Letztes Jahr ist ein dreiköpfiges Team auf diese eine Person reduziert worden“, heißt es weiter im Beitrag von Bunker. Diese Unterbesetzung habe zwangsläufig zu Problemen im Gebäude geführt, die nicht auf die Sicherheitskonzepte der Kulturorganisationen zurückzuführen seien. Die Liste der Vorfälle, die Bunker aufzählt, ist lang: Brände, Einbrüche, verschmutztes Wasser, kontaminierter Boden, Asbest, schlechte Beleuchtung oder dysfunktionale Zugänge zum Gebäude für Menschen mit Behinderung.

Bunker geht von Kalkül aus, ähnliches vermutete Richtung22 kürzlich im Gespräch mit der woxx zur Besetzung freier Räume im B4: Die jetzigen Kulturschaffenden würden regelrecht aus dem Gebäude vertrieben, damit Platz für die Mitarbeiter*innen der Großevents bleibe, die frEsch koordiniert. Ende Mai bestätigte Ralph Waltmans, Direktor kultureller Angelegenheiten der Gemeinde Esch und Vorstandsmitglied der ASBL frEsch, dass einzelne Mitarbeiter*innen besagter Events aufgrund der geringen Raumnutzung im B4 unterkämen. „Es wird auf die ursprünglichen Organisationen gepfiffen“, kommentiert Bunker das Vorgehen. Das Namensschild von Bunker im B4 wurde inzwischen durch die Aufschrift „Entrée du festival – accueil VIP“ ersetzt.

Auch die NGO „CELL – Centre for Ecological Learning Luxembourg“ (Cell), 2010 gegründet und eine der ersten Organisationen im B4, musste ihre Ateliers wohl inzwischen räumen. Der woxx liegen derzeit noch keine genaueren Informationen hierzu vor. Genauso lässt eine offizielle Stellungnahme von frEsch auf sich warten. Vertreter*innen des B4-Kollektivs gaben der woxx gegenüber heute an, es habe noch keinen Austausch mit frEsch gegeben. Es bleibe unklar, auf welcher Ebene die Entscheidungen getroffen worden seien. Ralph Waltmans hat bis dato noch nicht auf Nachfragen der woxx reagiert, die am Thema dran bleibt.

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