Die Covid-19-Statistik ohne Grenzgänger*innen ist ein Skandal

Seit Mitte letzter Woche veröffentlicht die Regierung nicht mehr die Zahl infizierter Grenzgänger*innen. Weil sie es nicht schafft, mit internationalen Partner*innen zu kommunizieren, wird kurzerhand die Statistik schöngefärbt.

Seit Donnerstagabend – an dem die Infektionszahlen vom Mittwoch, dem 26. August präsentiert wurden – werden in Luxemburg keine Zahlen zu positiv getesteten Grenzgänger*innen mehr veröffentlicht. 206.000 Menschen arbeiten in Luxemburg, ohne im Land zu wohnen. Sie stellen 44 Prozent der Beschäftigten dar und sind damit alles andere als vernachlässigbar, will man den Stand der Pandemie in Luxemburg im Auge behalten.

Die Regierung argumentiert, dieser Schritt sei nötig geworden, weil Luxemburg sonst ungerechtfertigt von anderen Ländern als Risikogebiet deklariert würde. Das ist also zu allererst das Eingeständnis: Die luxemburgische Diplomatie hat es bisher nicht geschafft, die doch etwas spezielle Situation Luxemburgs im Ausland so zu erklären, dass diese in die Risikobewertung einfließt.

Nun wurde also nicht nur entschieden, die Zahlen zu positiv getesteten Grenzgänger*innen nicht mehr zu veröffentlichen, sondern auch die Statistik nachträglich anzupassen. Oder sollte man lieber sagen, die Statistik nachträglich zu schönen? Aus den 90 Fällen vom letzten Dienstag sind jetzt auf einmal 75 Fälle geworden. Es gab immer schon Inkonsistenzen und viele offene Fragen zu den Daten, die die Gesundheitsdirektion der Öffentlichkeit präsentierte. Nun verschleiert sie einfach einen Teil der Realität.

Wer in Luxemburg arbeitet, kann sich hier infizieren – und kann hier andere infizieren. An diesem simplen Fakt kann keine Informationsverweigerung etwas ändern. Die neuen, unvollständigen Zahlen werden dazu führen, dass sich viele in Luxemburg in falscher Sicherheit wiegen oder sogar glauben, die Infektionszahlen würden sinken. Man könnte sich auch Extremszenarien ausmalen, in denen ganze Infektionscluster unbemerkt von der Öffentlichkeit bleiben, weil die Infizierten (zum Großteil) im Ausland leben.

Es zeigt sich auch jetzt einmal mehr, dass die „Großregion Luxemburg“ oft nur ein Thema für Sonntagsreden ist, konkret jedoch wenig passiert, um das Zusammenleben in der Region zu verbessern. Offensichtlich wurde jahrelang verschlafen, tatsächlich zusammenzuwachsen und gemeinsame Strukturen zu schaffen. In der Covid-19-Krise rächt sich das.

Bereits im Juli, als die Infektionszahlen stiegen, hat die woxx ein Plädoyer für bessere Daten geschrieben. Das Fazit von damals gilt immer noch: „Die Informationspolitik der luxemburgischen Regierung und den Behörden muss sich verbessern. Die sanitäre Krise zeigt, dass der Ruf nach Open Data kein ideologisches Luxusproblem einiger Nerds ist, sondern reale Konsequenzen für Menschenleben hat.“ Das gilt umso mehr, wenn Daten verschleiert oder schlicht nicht publiziert werden.


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