Klimawandelleugner*innen: Den Vogel abgeschossen

Immer noch leugnen manche den menschengemachten Klimawandel in der einen oder anderen Form. Auch in Luxemburg gibt es eine illustre Runde solch vermeintlicher Querdenker*innen.

Foto: CC-BY Gerald Simmons

Was haben Guy Kaiser, Gaston Vogel und die Partei fir integral Demokratie (PID) gemeinsam? Sie alle leugnen Aspekte der Klimakatastrophe. Die PID schickte diese Woche Videos an Parteien und Presse, in denen der Effekt von CO2 auf das Weltklima geradewegs geleugnet wurde. Vielmehr sei das Gas sogar gesundheitsfördernd und die Anstrengungen, weniger davon auszustoßen, eine fiese Verschwörung der CIA.

Das Video, das sich selbst mehrmals widerspricht, muss man eigentlich nicht ernst nehmen. Doch auch andere, wesentlich einflussreichere Persönlichkeiten spielen das Spiel der Leugner*innen.

Guy Kaiser zum Beispiel. Der ehemalige RTL-Chefredakteur postet auf seinem Blog regelmäßig die abstrusesten Argumente zum Klimawandel. In einem von Mario Dichter übernommenen Beitrag (der auch auf den RTL-Internetseiten als Leserbrief erschienen ist) behauptet dieser zum Beispiel, wenn die Polarkappen schmelzen würden, stiege der Meeresspiegel nicht, da das Eis ja im Wasser schwimme. Ein guter Journalist könnte so eine Behauptung durch etwas Allgemeinbildung oder eine schnelle Recherche entkräften – ein Großteil der Eismasse ist nämlich Landeis. Doch es geht hier nicht um Fakten, es geht darum, Zweifel zu säen und Stimmung zu machen. Das wird spätestens dann klar, wenn in dem Text die Fridays for Future-Demonstrationen mit den mittelalterlichen Kinderkreuzzügen verglichen werden.

Der Anwalt Gaston Vogel kommt ebenfalls regelmäßig auf Kaisers Blog zu Wort, auch zum Klimawandel. „Gaston Vogel iwwer gréng Kollapsologen“ ist der entsprechende Beitrag überschrieben, in dem Vogel vor allem die Thesen der französischen Geografin Sylvie Brunel wiedergibt. Sie leugnet zwar nicht den Klimawandel, aber seine Auswirkungen. In Wahrheit sei er nämlich eine Segnung für die Länder um die Arktis. Zudem habe sich die Menschheit bislang noch immer angepasst und sei innovativ – es gebe also keinen Grund zur Beunruhigung.

Warum auch beunruhigt sein angesichts noch nie da gewesener klimatischer Veränderungen? Die „kleine Eiszeit“, die vom 15. bis 17. Jahrhundert für Hungersnöte, Hexenverfolgung und den Dreißigjährigen Krieg mitursächlich war, zeigt sehr anschaulich die Folgen dieser menschlichen „Innovationskraft“. Was kann da mit Hilfe der Technologie des 21. Jahrhunderts schon schiefgehen?

Es geht nicht um Fakten, es geht darum, Stimmung zu machen.

Kaiser stützt sich jedoch nicht nur auf andere, sondern verbreitet auch selbst die Mär, die Wissenschaft sei sich in der Frage des Klimawandels nicht einig. Er fordert daher, „beide Theorien“ sollten gelehrt werden. Alles andere sei nämlich Diktatur.

Was bezwecken Menschen wie Vogel und Kaiser damit, Zweifel zu säen? Sie sehen ihr Weltbild und ihren Lebensstil durch die zunehmenden Klimaproteste in Frage gestellt. Der Wunsch, die Klimakatastrophe möge sich als Fehlberechnung herausstellen, mag menschlich sein, aber die Faktenlage sieht nun einmal anders aus. Wer wirklich an der wissenschaftlichen Wahrheit interessiert wäre, wüsste das auch.

Bei manchen ist es überdies sehr beliebt, sich gegen die jugendlichen Klimademonstrant*innen und besonders gegen Greta Thunberg zu positionieren. Vogel und Kaiser können sich so als Rebellen gerieren, ohne wirklich eine Minderheitsmeinung zu vertreten – eine Technik, wie sie auch Rechtspopulist*innen benutzen.

Zwar ist es auf der Faktenebene sehr leicht, die Pseudoargumente der Leugner*innen zu entkräften, doch hat man es bei ihnen vielmehr mit Angehörigen einer Glaubensgemeinschaft zu tun: Folglich ist ihr Ziel nie, andere zu überzeugen, sondern bereits gefasste Meinungen einzubetonieren. Und das ist im Anbetracht der wenigen Zeit, die uns zur Dekarbonisierung bleibt, mehr als gefährlich.

Anmerkung: Die Passage zu den Polkappen wurde online nachträglich präzisiert.


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