LuxFilmFest: Ghosthunter

Eine Doku über einen Geisterjäger entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zum Psychogramm eines Menschen, der selbst von so einigen Gespenstern gejagt wird.

Jason King ist Geisterjäger. Zumindest am Wochenende, denn sein Geld verdient er als Nachtwächter im australischen Sydney. Der Dokumentarfilmer Ben Lawrence meldet sich bei ihm, nachdem er einen Zeitungsartikel über King gelesen hat, der dort eine Begegnung mit dem Geist seines verstorbenen Bruders schilderte. Schnell stellt sich heraus, dass King noch nicht lange wusste, dass er überhaupt einen Bruder hat, denn eigentlich ist er schon länger auf der Suche nach seinem Vater.

King kann sich nämlich kaum an seine Kindheit erinnern, weiß aber, dass er von Seiten seiner Eltern oft Gewalt erfahren hat – die Narben in seinem Gesicht trägt er immer noch. Lawrence beschließt, King bei seiner Suche zu helfen. So entwickelt sich die Dokumentation, die mit Szenen von Kings Geisterjägertruppe beginnt, schnell zu seiner Reise in die Vergangenheit. Gemeinsam mit dem Regisseur besucht King Orte seiner Kindheit, spricht mit Sozialarbeiter*innen, die seine Familie betreut haben und trifft Kindheitsfreund*innen wieder. Er kann sich an das meiste jedoch nicht erinnern.

Sieben Jahre lang hat Lawrence King begleitet. Immer wieder gab es Drehpausen, weil King den Kontakt abgebrochen hatte oder sich einfach nicht mehr meldete. Im Nachhinein berichtet er von Beziehungen, die in die Brüche gingen, von Depressionen und sogar von Suizidversuchen. Mithilfe des Regisseurs, der im gesamten Film präsent ist, findet er seinen Vater wieder – und erfährt, dass dieser ein Pädophiler ist, der unter anderem die wiedergefunden Kindheitsfreundinnen sexuell missbraucht hat.

Im Laufe der Dreharbeiten bekommt Lawrence immer wieder Hinweise darauf, dass auch King eine dunkle Seite hat, die nur die wenigsten Menschen zu Gesicht bekommen. King ist nicht nur der sanfte Mann, der in seiner Freizeit Menschen helfen will, indem er Geister aus ihren Häusern vertreibt. Seine Schwester und Mitglieder der Geisterjäger*innen-Truppe machen auf diesen Umstand aufmerksam. Der Regisseur ist unsicher, wie er mit dieser Information umgehen soll – diese Schwierigkeiten werden vor der Kamera diskutiert, sodass die Entscheidungen, die Lawrence getroffen hat, für die Zuschauer*innen nachvollziehbar sind.

Ghosthunter“ arbeitet teilweise mit sehr geschickt inszenierten Bildern, etwa wenn King bei seiner Arbeit als Nachtwächter gezeigt wird. Meistens folgt die Kamera jedoch einfach nur King bei der Suche nach seiner Vergangenheit – und später auch nach seiner Zukunft. Die absurde Ausgangssituation des Geisterjägers entwickelt sich zum ausführlichen Porträt eines Menschen, der von sehr realen „Geistern“ gejagt wird und nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Darin liegt die Stärke der Dokumentation, denn sie wirft wichtige Frage über den Umgang mit Familiengeschichte und den eigenen Taten auf.

Ghosthunter“ läuft im Rahmen des Luxembourg City Film Festival am 11. März um 16 Uhr 30 in der Cinémathèque und am 13. März um 21 Uhr im Ciné Utopia im englischsprachigen Original.

 


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