Mamer under destruction

von | 04.02.2021

Zusammen mit mehreren Denkmalschutzorganisationen ruft Luxembourg under Destruction am Samstag zu einem Protestpiquet in Mamer auf.

Mit der Aktion soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie letzte Zeugnisse der ländlichen und landwirtschaftlichen Vergangenheit, der wegen ihrer geografischen Nähe zur Hauptstadt in den letzten Jahren stark expandierenden Gemeinde, verschwinden sollen. So hat der Bürgermeister im Dezember dem Abriss von drei Bauernhöfen zugestimmt. Der Treffpunkt für das Protestpiquet, das ab 10h30 stattfinden soll, ist auf Nummer 5 der route d’Arlon. Dort befindet sich ein Hof, der 1861 errichtet wurde. Er sticht durch seine mit Stein eingerahmten Fenster und Türen und für sein – für die damalige Zeit typisches – etwas niedrigeres zweite Geschoss hervor, das auch als Attikageschoss bezeichnet wird.

Ein weiterer Abrisskandidat ist der Hof auf Nummer 34 der rue de la Libération, sowie wahrscheinlich das Nebengebäude auf Nummer 32. Das Alter dieses Hofes wird auf mindestens 120 Jahre geschätzt. Es handelt sich um das das Wohnhaus der Familie Hoffmann, die dort im 19. Jahrhundert Kalk produziert hat – eine für die damalige Zeit in der Region um Mamer typische Kleinindustrie. Der dritte Hof liegt auf Nummer 3 der rue de Dippach, der wegen seiner historizistischen Fassade eines der wenigen durch den den plan d’aménagement général (PAG) der Gemeinde Mamer geschützten Gebäude gehört. Hier sollen allerdings die Nebengebäude abgerissen werden, um einem modernen Bau zu weichen.

Eigentlich hatte die staatliche Denkmalschutzverwaltung auch den ersten der drei erwähnten Höfe als schützenswert eingestuft. Der Gemeinde war sogar vorgeschlagen worden, im Rahmen des PAG eine entsprechende Klassierung vorzunehmen. Doch dem wurde von der Gemeinderatsmehrheit nicht zugestimmt. Weil der Hof und das umliegende Gelände inzwischen im Rahmen eines plan d’aménagement particulier freigegeben wurde, um 25 Wohneinheiten Platz zu machen, erklärte sich die Kulturministerin Sam Tanson (Déi Gréng) in einem Schreiben an die Denkmalschützer*innen außer Stande, in diese bereits weit fortgeschrittenen Prozeduren einzugreifen.

Der demografische Druck, dem sich Mamer ausgesetzt sieht – seit 1980 hat sich die Bevölkerung von 5.446 auf 9.912 Einwohner*innen Ende 2019 fast verdoppelt – hat zu einer immer stärker voranschreitenden Zerstörung alter Bausubstanz, insbesondere entlang der route d’Arlon geführt. Obwohl die Gemeinde auf eine fast tausendjährige Geschichte zurückblicken kann, hatte die Denkmalschutzverwaltung in ihren in den letzten Jahren durchgeführten Erhebungen nur mehr 75 Gebäude als schützenswert eingestuft, 68 davon wurden daraufhin auch tatsächlich im PAG unter Schutz gestellt.

Eine Dokumentation über noch bestehende oder bereits verschwundene Bausubstanz in Mamer findet sich hier.

 

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