Schon gestreamt? „Breaking Boundaries – Die Wissenschaft hinter ‚Unser Planet’“

Die Klimakrise  ist schon längst Realität: Fast alle Ökosysteme steuern unmittelbar auf den roten Bereich zu oder befinden sich bereits darin. Ob und wie wir die schweren Folgen der Klimakrise abwenden können erklären die Forscher Johan Rockström und David Attenborough auf Netflix in der Doku „Breaking Boundaries – Die Wissenschaft hinter ‚Unser Planet’“.

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Klimawandel, Verschmutzung der Flüsse, Versauerung der Meere und das Artensterben sind bloß einige Beispiele dafür, dass die Menschen eine große Gefahr für die Erde darstellen. Die Netflix Doku „Breaking Boundaries – Die Wissenschaft hinter ‚Unser Planet’“ schlüsselt die einzelnen Bereiche auf und erklärt, wie ernst die Lage  ist. Das gleichnamige Buch erschien im Mai 2021 auf Englisch im „Penguin Book“ Verlag. „Breaking Boundaries“ baut auf der sechsteiligen Netflix-Dokumentationsserie „Unser Planet“ auf.

Alle Erklärungen basieren auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fakten. Um Antworten zu finden wurde das Ökosystem der Erde in neun Systeme* untergliedert, in denen im Laufe der 73-minütigen Dokumentation die „planetaren Belastungsgrenzen“ anschaulich definiert werden – die „breaking boundaries“, die bereits im Titel der Doku Erwähnung finden.

Die geologische Zeitperiode, die in den vergangenen 11.000 Jahren herrschte, nennt sich Holozän. Diese ermöglichte durch ein sehr konstantes Klima, dass Leben auf der Erde entstehen konnte. Laut den Wissenschaftlern ist diese Periode nun vorbei. Die aktuelle geologische Periode, in der wir uns befinden, wird laut Rockström und anderen Wissenschaftler*innen Anthropozän genannt, da in ihr die Menschen die größte Gewalt auf der Erde auf das Klima ausüben.

Mit starken Bildern wie auch Hintergrundmusik vermittelt die Doku den nötigen Ernst mit dem das Thema betrachtet werden sollte. Zeitgleich offenbart sie aber auch, dass die Menschen, die für die rasante Verschlechterung aller Systeme Verantwortung tragen, in der Lage sind die Krise aufzuhalten. Das bewies die Menschheit bei der Entdeckung des Ozonlochs: Als das Problem in den 1980er-Jahren bekannt wurde agierten Politik, Wirtschaft und Bevölkerung gemeinsam, um eine Verschlimmerung aufzuhalten – mit Erfolg. Beim Ozonloch befinden wir uns mittlerweile wieder im grünen Bereich.

Das Ziel ist es auch in den übrigen acht Systemen wieder in den grünen Bereich zu gelangen. Doch dafür muss ein Umdenken in der Gesellschaft und Politik passieren. Die Klimakrise muss endlich mit der nötigen Ernsthaftigkeit betrachtet werden, denn es geht um unsere Lebensgrundlage. Ohne diese sind alle Arten in Gefahr. Somit geht es direkt um die Sicherheit der Menschen, was die Klimakrise eigentlich zu einem Fall für den UN-Sicherheitsrat mache, so die Argumentation von Rockström in der Doku. All das muss möglichst schnell passieren, bevor der sogenannte „Kipppunkt“ erreicht ist, ab dem die Folgen nicht mehr rückgängig zu machen sind. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend. In diesen muss alles daran gesetzt werden den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. Durch die Reduzierung von Kohlenstoffdioxid könnten alle neun Systeme auf einmal erheblich entlastet werden.

„Breaking Boundaries“ ist keine Doku, die man nebenbei laufen lassen kann. Obwohl die Zusammenhänge auch für Lai*innen gut verständlich sind, erfordert es dennoch Konzentration, um alles wirklich zu begreifen. Doch die Aufmerksamkeit wird belohnt: Wer aufpasst, der oder die wird „die Erde mit anderen Augen sehen“, wie es zu Beginn der Doku heißt. Unter vielen anderen Naturdokus sticht diese besonders heraus, indem sie sich nicht nur auf aussagekräftiges Bild- und Tonmaterial begrenzt. Sie vermittelt auch eine sehr wichtige Botschaft: Noch gibt es eine Chance die Erde zu retten.

Diese können wir ergreifen, wenn alle etwas tun. Um das bereits vorhandene CO2 in der Luft zu binden, müssen Bäume gepflanzt werden – und zwar so viele wie möglich. Doch einer der wichtigsten Faktoren für die Rettung des Klimas ist unsere Ernährung. Eine umweltschonende Ernährung – weniger Fleisch und stärkehaltige Produkte – ist entscheidend.  Außerdem müssen fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt werden, damit nicht noch mehr Kohlendioxid produziert wird. Es müssen mehr lineare Wirtschaftssysteme in Kreislaufwirtschaften umfunktioniert werden, um so die immense Produktion von Müll – vor allem im technischen Bereich – aufzuhalten. Mit diesen beiden Punkten werden zwar Konzerne und Firmen indirekt angesprochen, jedoch erfolgt in der Doku kein wirklicher Appell an diese.

Stattdessen richtet sich der Erzähler David Attenborough in seinem Fazit an Privatpersonen, was schade ist, denn letztendlich kommt es nicht nur auf den Willen jedes einzelnen Menschen an. Natürlich ist das Engagement jedes Einzelnen gefragt und auch das Handeln der Weltpolitik wird entscheidend sein, da sie die Kompetenzen besitzt etwas auf gesetzlicher Ebene zu verändern. Letzten Endes spielen aber die Großkonzerne eine der wichtigsten Rollen, da sie die Änderungen im großen Stil umsetzen müssen.

*9 Systeme: Klimawandel – gelber Bereich; Neue Substanzen und modifizierte Lebensformen – nicht bestimmt; Ozonloch – grüner Bereich; Aerosole in der Atmosphäre – nicht bestimmt; Versauerung der Meere – grüner Bereich; Biochemie in den Flüssen – roter Bereich; Süßwassernutzung – grüner Bereich; Landnutzungswandel – gelber Bereich; Artenvielfalt in der Biosphäre – roter Bereich


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