Srel-Prozess: Farce, Putsch oder einfach nur Amateure?

Der Srel-Prozess gegen den ehemaligen Agenten André Kemmer und seine Vorgesetzten Fränk Schneider und Marco Mille ging diese Woche zu Ende. Übrig bleibt viel Futter für Verschwörungstheoretiker*innen.

Alte Wanzen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (©Appaloosa)

Sein Name ist Jean-Claude und er weiß von nichts. Wie zu erwarten, konnte sich der Zeuge Jean-Claude Juncker nicht daran erinnern, die Lauschattacke auf Loris Mariotto genehmigt zu haben. Jenem etwas zwielichtigen Geschäftsmann, der seinem Freund und Geheimagenten André Kemmer in einem Hollericher Club verklickert hatte, er habe eine Aufnahme mit einem Gespräch zwischen Premier Juncker und dem Großherzog auf einer verschlüsselten CD – die beiden hätten unter anderem über die „Bommeleeër“-Affäre und die Verbindungen mit dem großherzoglichen Hof diskutiert. Daraufhin wollte der Geheimdienst Mariotto beschatten und holte sich angeblich eine direkte Zusage von Juncker. Dumm nur, dass dieser dessen nicht mehr sicher sein will – sodass er damit wohl wissentlich wieder eine Grauzone für Spekulationen eröffnet hat. Aber Transparenz gehörte nie zu den Stärken des Landesvaters ade.

Es bleiben in der Tat viele Fragen offen: Wer und für wen arbeitete Loris Mariotto? Der Wanzenspezialist, der nachweislich auch Großherzogs auf seiner Kund*innenliste hatte, war den Sicherheitskräften schon in seiner Jugend aufgefallen und soll laut den Verteidigern der Srel-Leute ein „Offizier“ fremder Geheimdienste sein, oder zumindest mit diesen in Kontakt stehen. Für seine Anwält*innen ist er natürlich nur ein armes Bauernopfer, dem hier aufs übelste mitgespielt wurde.

So wurde im Laufe des Prozesses das ganze Psychodrama der Jahre 2012 und 2013 das schließlich zum Sturz der CSV führte, wieder aufgerollt. Mit der alten Verschwörungstheorie, Xavier Bettel und François Bausch, beide Mitglieder der Geheimdienstkontrollkommission hätten schon 2009 von der „Uhrengeschichte“ gewusst – nachdem Marco Mille das Vertrauen in Juncker verloren hatte, zeichnete dieser bekanntlich ein Gespräch mit ihm auf, das 2012 über das Lëtzebuerger Land publik wurde –, hätten aber nach der Veröffentlichung ganz überrascht getan. Dies soll, nach André Kemmer, der in einer Facebook-Gruppe namens „Initiativ Orange“ seine Standpunkte feilbietet und dort auch mal gegen die Presse austeilt, der Beweis sein, dass die Grünen und Liberalen einen Putsch gegen Juncker durchgeführt hätten.

Dabei sollte man bedenken, dass Mitglieder*innen der Geheimdienstkommission unter Strafandrohung nicht ausplaudern dürfen, was ihnen dort zugetragen wird. Sodass es eigentlich verständlich ist, dass beide nicht 2009 vor die Presse traten. Haben die Grünen und die Liberalen von ihrem Wissen profitiert um der CSV-Herrschaft ein Ende zu setzen? Schon möglich, aber das ist numal das raue Geschäft der Politik – auch die Konservativen gingen nie zimperlich mit ihren Gegner*innen um.

Dabei hat dieser Prozess noch so einige Fragen aufgeworfen, denen nicht nachgegangen wurde. Neben der Rolle des Loris Mariotto, ist es der großherzogliche Hof der wieder mal ins Zwielicht rückt. Wieso hat es niemanden interessiert, dass Nassaus sich selbst Überwachungsmaterial für Telefone zugelegt haben? Wann wird die Justiz endlich die Monarchie auch mal in die Mangel nehmen? Von den damaligen Vorwürfen gegen die Srel-Agenten, wie zum Beispiel, dass Fränk Schneider im Geheimdienst selbst eine Firma gegründet haben soll, war in diesem Prozess auch nichts zu hören. So bleiben nur wieder Grauzonen und ein*e Jede*r kann seine Versionen der Geschichte weiterspinnen – an seinem Tresen.

 


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