Valorlux salziger Geburtstagskuchen

Valorlux, die Gesellschaft zur Sammlung und zum Recycling von Verpackungsabfall, feiert ihren 25. Geburtstag. Warum die Selbstbeweihräucherung nervt und der Slogan der neuen Kampagne „Be the Change“ falsche Prioritäten setzt.

Copyright: Anna Shvets/Pexels

Wann haben Sie zum letzten Mal einen Eco-Sac, eine Valorlux-Tüte und eine Plastikflasche Wasser mit zu einem Waldspaziergang oder zum Picknick auf einer Liegewiese mitgenommen? Hoffentlich noch nie. Beim Anblick des neuen Imagevideos von Valorlux kräuseln sich die Zehennägel umweltbewusster Menschen: Eine Personengruppe läuft mit wiederverwertbarer Einkaufstüte und Plastikflasche durch den Wald, wo sie alsdann auf einer Wiese ein Picknick genießt.

Dass der „Blaue Sack“, der Eco-Sac, der Superbag und die Plastikflasche im Wald im Imagevideo von Valorlux auftauchen, ist unangebrachte Selbstbeweihräucherung. Sinnvoller wäre ein Spot gewesen, in dem die Darsteller*innen ganz auf Verpackungen verzichten, zum Beispiel in dem sie Leitungswasser aus einer wiederverwertbaren Flasche trinken oder ihre Äpfel ohne Netz im Rucksack transportieren. Die Zurschaustellung der eigenen Produktpalette erfüllt zwar ihren Sinn – falls noch jemand nicht vom Eco-Sac gehört haben sollte, dann spätestens jetzt – ist aber zu Zeiten, in denen Europa und der Welt der Plastikmüll über den Kopf wächst, ziemlich fehl am Platz. Auch, weil Umweltministerin Carole Dieschbourg erst kürzlich ihre „Null Offall“-Strategie präsentierte, in der unter anderem die Einführung eines Pfandsystems für Einwegflaschen angedacht ist. Die woxx berichtete in dem Zusammenhang über den Kampf der EU gegen das weltweite Plastikproblem.

Zwischendurch werden im Imagevideo die Verdienste von Valorlux eingeblendet. Der erste Akt der Gesellschaft war der „Blaue Sack“ zur Sammlung von recyclebarem Plastikmüll. Letztes Jahr wurden auf diese Weise 9.500 Tonnen Verpackungsmüll eingesammelt. 2004 entwickelte Valorlux zusammen mit der Confédération luxembourgeoise du commerce (clc), der Administration de l’environnement und Großhandelsvertrieben den Eco-Sac – das Vorzeigeprojekt Luxemburgs in Sachen Plastikmüllvermeidung. Seither wurden 1,1 Milliarden Einwegtüten eingespart. Wie viele Eco-Sacs allerdings zweckentfremdet – zum Beispiel als trendiges Picknick-Körbchen – oder unbenutzt in vollen Küchenschränken und Kofferräumen gehortet werden, ist unklar. Doch zurück zu den Meilensteinen in 25 Jahren Valorlux: Die Einführung des Superbag, einem Säckchen aus Nylon, das in den Gemüse- und Obstabteilungen der Supermärkte ausliegt, im Jahr 2019.

Es steht außer Frage, dass die Einführung dieser wiederverwendbaren Einkauftaschen toll und wichtig ist, genauso wie das Recycling. Dass zwischen der Entstehung des Eco-Sac und des Superbag jedoch fünfzehn Jahre liegen, ist eher ein Armutszeugnis als ein Grund sich selbst zu feiern. Die Gemüse- und Obstsäckchen waren längst überfällig. Das Vorgehen Gemüse und Obst mit harter Schale per Aufdruck zu markieren, sodass Verpackungen gar nicht erst anfallen, hätte in der Zwischenzeit ebenfalls Einzug in die Supermärkte finden können. Davon abgesehen schieben die genannten Maßnahmen alle Verantwortung auf die Konsument*innen und tangieren die Händler*innen sowie die Hersteller*innen nicht.

Mit ihrer neuen Kampagne „Be the Change“ will Valorlux jedoch alle Akteur*innen ansprechen. „Be the Change“ bedeutet für die Gesellschaft „bei der Sortierung, Sammlung und Wiederverwertung von Verpackungsabfällen innovativ zu sein; die Förderung einer Änderung des Verhaltens aller, sowohl der Verpackungshersteller als auch der Verbraucher, zugunsten des Umweltschutzes und sich den Herausforderungen und künftigen Aufgaben zugunsten der Kreislaufwirtschaft und der nachhaltigen Entwicklung zu stellen.“ Das klingt nicht nur vage, sondern es fehlt auch an einem expliziten Appell an die Bevölkerung, Verpackungsmüll zu vermeiden, wo wir wieder bei den sich kräuselnden Zehennägeln der umweltbewussten Menschen sind.

„Be the Change“ sollte bedeuten, dass mehr Menschen zum Einkauf in Unverpackt-Läden motiviert werden, die auch möglichst arm an Verpackungen beliefert werden. „Be the Change“ sollte bedeuten, dass Hersteller*innen stärker zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie unnötige Plastikverpackungen benutzen. „Be the Change“ sollte bedeuten, dass bei Picknicks am besten ganz auf die Mitnahme von Einwegverpackungen verzichtet wird und so erst gar kein Müll entsteht. „Be the Change“ sollte bedeuten, dass jemand Dampf im Kessel macht anstatt sechzehn Jahre an den Lorbeeren für die Einführung des Eco-Sacs zu zehren.


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