Weibliche Genitalverstümmlung: In Luxemburg verboten, anderswo nicht

Das European Institute for Gender Equality veröffentlicht zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung Zahlen zur Situation in Luxemburg: Die Risikogruppe wird größer.

Foto: Josie Stephens/ Pexels

2019 lebten 822 Frauen (0-18 Jahre) in Luxemburg, in deren Herkunftsland die weibliche Genitalverstümmlung noch vollzogen wird. Der Großteil der Familien stammt aus Eritrea, weitere von der Elfenbeinküste, aus Ägypten, Äthiopien, Guinea, Guinea-Bissau und aus dem Irak. Das European Institute for Gender Equality (EIGE) schätzt, dass 12 bis 17 Prozent dieser Frauen riskieren, Opfer der gesundheitsgefährdenden Praktik zu werden.

Die Risikogruppen lebten 2019 zu 24 Prozent bereits in zweiter Generation in Luxemburg. Das Eige geht davon aus, dass im gleichen Jahr auch 19 Prozent der 121 Asylbewerberinnen (0-18 Jahre) zur Gruppe gehörten. Die Zahl der Frauen, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, ist seit 2011 allgemein gestiegen: Das Eige rechnete 9 Prozent der damals 161 Migrant*innen zu einer Risikogruppe.

Im Zuge der Datenerhebungen hat das Eige 2019 Frauen und Männer, die aus Eritrea, Guniea-Bissau, Guinea und Senegal nach Luxemburg gezogen sind, zum Thema befragt. Die Teilnehmer*innen gaben an, die Wichtigkeit der weiblichen Genitalverstümmlung nehme kontinuierlich ab. Das sei auf die zunehmenden Verbote zurückzuführen. Sie gehen davon aus, dass die Genitalverstümmlung nur noch in ruralen und abgelegen Gebieten prakitziert wird – in Eritrea fast ausschließlich von den Müttern und Großmüttern.

Nach einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung aus dem Jahr 2018, ist die Genitalverstümmlung in 24 der 29 afrikanischen Ländern verboten, in denen Frauen traditionell beschnitten werden. In Liberia, Somalia, Sierra Leone, Mali und dem Sudan gebe es keine Regelungen. Die Frauenrechtsgruppe „Terres des femmes“ spricht von 31 Ländern, in denen die Beschneidung Tradition ist. In 25 Ländern soll sie verboten sein. Die Organisation schreibt, dass die Gesetze jedoch nicht immer umgesetzt werden.

Die Umfrageteilnehmer*innen aus Luxemburg sind immerhin überzeugt, dass Migrant*innen in Europa nicht beschnitten werden. Allerdings erwähnten sie, ähnlich wie „Terres des femmes“, dass sich das Risiko, eine Genitalverstümmlung zu erleiden, beim Aufenthalt in ihrem Herkunftsland erhöhe. Die Befragten gaben außerdem an, dass ihnen Anlaufstellen für Betroffene in Luxemburg unbekannt seien.

Genitalverstümmlung ist hierzulande seit 2008 verboten. Wer trotzdem eine Beschneidung vornimmt, sie ermöglicht oder anpreist, drohen drei bis fünf Jahre Haft sowie Geldstrafen zwischen 500 und 1.000 Euro. Das Eige verweist in dem Zusammenhang auf Zahlen des Justizministeriums: Es gab diesbezüglich noch keine Anklagen in Luxemburg. Wie aussagekräftig diese Information ist, sei dahingestellt. Es ist davon auszuegehen, dass sich die Betroffenen aufgrund ihrer familiären Situation, ihres jungen Alters, aus Schamgefühlen oder wegen Sprachbarrieren nicht an die Autoritäten wenden.

Das Risiko der Genitalverstümmlung gilt in Luxemburg seit 2015 als Grund, Asyl zu bekommen. Darüber hinaus sind öffentliche Autoritäten, Ärzt*innen und Beamt*innen verpflichtet, Fälle von Genitalverstümmelungen zu melden. Diese Reglung gilt nicht spezifisch für die Beschneidung, sondern allgemein für die Feststellung physischen Missbrauchs.

Das Eige gibt Luxemburg in seinem Bericht Empfehlungen mit auf den Weg: Das Institut fordert mehr spezifische Anlaufstellen für Betroffene und eine bessere Einbindung des Themas in den Nationalen Aktionsplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern, den die Regierung letzten Sommer vorgestellt hat. Die woxx hat den Aktionsplan in einem längeren Beitrag ebenfalls kritisch kommentiert. Das Eige hebt abschließend Luxemburgs Sensibilisierungskampagnen  sowie den Leitfaden zu Sexualerziehung des Cesas hervor: Dort taucht das Thema weibliche Genitalverstümmlung auf und wird an Schulklassen vermittelt. Weitere Informationen zum Thema gibt es auch auf der Website der Unicef, die im Vorfeld zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmlung über die Situation berichtete.


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