WHO: Entpathologisierung von trans Menschen

Die Überarbeitung des ICD-Katalogs der Weltgesundheitsorganisation klassifiziert trans Menschen nun nicht mehr als psychisch gestört.

(Foto: cc-by-sa Ted Eytan)

Die ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, auf Deutsch: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) ist das wichtigste Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen und wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegeben. Nun wurde die neuste Version, ICD-11, veröffentlicht, ab 2020 soll sie in Kraft treten.

Darin werden trans Menschen nun nicht mehr als psychisch gestört definiert, alle trans-bezogenen Kategorien wurden aus dem Kapitel über psychische und Verhaltensauffälligkeiten gestrichen. Zwei neue Diagnosen wurden im Kapitel über sexuelle Gesundheit eingeführt: Geschlechtsinkongruenz bei Erwachsenen und Jugendlichen sowie Geschlechtsinkongruenz bei Kindern. Inkongruenz bedeutet „Nichtzusammenpassen“ und beschreibt demnach, dass das Geschlecht von trans Menschen nicht mit jenem übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde.

Intersex & Transgender Luxembourg a.s.b.l. „begrüßt die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation, Geschlechtsinkongruenz nicht mehr als psychiatrische oder anderweitige Krankheit zu betrachten.“ Die Organisation lobt in diesem Kontext Justizminister Felix Braz und hofft, dass dessen Gesetzesentwurf zu einer Vereinfachung der Änderung des Vornamens und Geschlechtseintrages noch in dieser Legislaturperiode abgestimmt wird.

Wie der Zugang zu Hormonen und sogenannten „geschlechtsangleichenden“ Operationen in Zukunft geregelt werden soll, ist allerdings nicht klar. Die Entscheidung der WHO gibt jedenfalls Hoffnung, dass diese Prozeduren nun einfacher werden. Bisher sind diese eher „die Hölle“, wie die Aktivistin Lia Hanten De Oliveira im woxx-Interview beschrieb.

Während die WHO als Entpathologisierung von trans Menschen gelobt wird, gibt es auch Kritik an der ICD-11. Intergeschlechtliche Menschen werden nämlich immer noch als „krank“ eingestuft. Das bietet Grundlage für Genitalverstümmelungen, die ohne medizinische Indikation an intergeschlechtlichen Kindern durchgeführt werden. OII Europe, die Dachorganisation europäischer Intersex-Organisationen, bemängelt dies: „Wir sind sprachlos, dass die WHO weder die Meinung internationaler Menschenrechtsorganisationen, noch ihre eigene Aussagen berücksichtigt hat.“, so Miriam van der Have, Co-Chair von OII Europe. In zwei Publikationen der WHO sei zu lesen gewesen, dass Operationen an intergeschlechtlichen Kindern lediglich dazu dienten, diese der „Norm“ anzupassen.

Begriffserklärung: Trans Personen haben ein anderes Geschlecht als dasjenige, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Inter Personen passen chromosomal, hormonell oder anderweitig körperlich nicht in das gesellschaftliche Bild von männlichen und weiblichen Körpern.


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