Frauenweihe: Gretchenfrage an die Regierung

von | 06.11.2019

In Deutschland streiken die Katholik*innen, in Luxemburg hakt nur Marc Goergen nach: VerstĂ¶ĂŸt der Ausschluss der Frauen von der Priesterweihe gegen die Verfassung? Die Antwort der luxemburgischen Regierung ist ernĂŒchternd.

CC BY JONAS BENGTSSON 2.0

Priesterinnen in der katholischen Kirche? Nicht mit dem luxemburgischen Weihbischof und Generalvikar Leo Wagner. Nicht jetzt und wenn ĂŒberhaupt, dann nur theologisch begrĂŒndet und nicht im Zeichen der Gleichberechtigung zwischen Frauen und MĂ€nnern. Der Abgeordnete Marc Goergen (Piraten) findet diese Aussagen besorgniserregend: In seinen Augen verstoßen sie gegen die fundamentalen Prinzipien der luxemburgischen Verfassung – nĂ€mlich der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, die dem Kirchenglauben stillschweigend untergeordnet wĂŒrde. Große Institutionen, in diesem Fall die Kirche, wĂŒrden laut Goergen so gegen den politischen Willen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stĂ€rken, arbeiten.

„Battle“ der Grundrechte

Taina Bofferding (Ministerin fĂŒr die Gleichstellung von Frauen und MĂ€nnern) und Xavier Bettel (in seiner Funktion als Kultusminister) drehen in ihrer Antwort auf Goergens parlamentarische Anfrage kurzerhand den Spieß um und verweisen auf den Artikel 19 der Verfassung: „La liberté des cultes, celle de leur exercice public, ainsi que la liberté de manifester ses opinions religieuses, sont garanties, sauf la répression des délits commis à l’occasion de l’usage de ces libertés.“ Auch das sei ein Grundrecht, genauso wie das Recht auf Religionsfreiheit, das in der europĂ€ischen Menschenrechtskonvention verankert ist. Die Minister*innen sprechen von einem Konflikt der Grundrechte, in dem die Regierung ein „vernĂŒnftiges“ Gleichgewicht herstellen mĂŒsse. In ihrem gemeinsamen Schreiben folgt ein historischer Exkurs zu den Traditionen der katholischen Kirche: vom Zölibat der Priester bis zum Verbot der Priesterweihe fĂŒr Frauen. Das seien Merkmale des katholischen Glaubens. In dem Sinne kĂ€me ein staatlicher Eingriff einer Verletzung der Religionsfreiheit gleich. Die Regierung (dieselbe Regierung, die das Vermummungsverbot durchwinkte) unterstĂŒtze damit nicht die katholische Kirche, sondern verteidige das Recht auf Religionsfreiheit. Im ĂŒbertragenen Sinne: Wem es nicht passt, soll sich einem anderen Glauben anschließen. Pauschal wĂŒrden die Konventionen jedenfalls nicht gegen das Grundrecht verstoßen. Die Antwort ist ein „Passe partout“: Bloß niemandem auf die FĂŒĂŸe treten, schon gar nicht der Kirche.

„Meanwhile“ in Deutschland

In anderen LĂ€ndern geht es derweil kritischer zu, so beispielsweise in Deutschland, wo sich glĂ€ubige Katholik*innen zur Zeit fĂŒr Frauenrechte im Katholizismus stark machen. Die Bewegung „Maria 2.0“ mischt die Kirchengemeinde mit Protestaktionen und kirchenkritischen Veranstaltungen auf. Im Mai 2019 traten die Aktivist*innen eine Woche lang in den Kirchenstreik. Wie viele Menschen teilnahmen ist ungewiss, doch die Initiator*innen erhielten eigenen Aussagen nach RĂŒckmeldungen von 1.000 Gruppen. Ihnen geht es um mehr als nur um die Frauenweihe. „Aufgrund der bekannten und unbekannten massenweisen sexuellen Gewalt durch Amtsinhaber der katholischen Kirche sehen wir uns zum Handeln aufgefordert“, schreibt die Organisation auf ihrer Website. „Wir glauben, dass die Struktur, die Missbrauch begĂŒnstigt und vertuscht auch die ist, die Frauen von Amt und Weihe und damit von grundsĂ€tzlichen Entscheidungen und Kontrollmöglichkeiten in der Kirche ausschließt.“ Zum Sondergipfel zur sexualisierten Gewalt in der Kirche im Februar, verfasste die Organisation einen offenen Brief an Papst Franziskus, der online von 34.739 (Stand: 6. November 2019) Menschen unterzeichnet wurde.

Papst Franziskus sagte kĂŒrzlich, zum Diakonat der Frauen wĂŒrde es in der katholischen Kirche in absehbarer Zeit keine Entscheidung geben. Die Kommission sei zu keinen gemeinsamen Schlussfolgerungen gekommen und die Situation mĂŒsse genauer erforscht werden. Vor 25. Jahren hatte Papst Johannes Paul II die Debatte fĂŒr beendet erklĂ€rt, indem er das Diakonat fĂŒr Frauen ausschloss und die Verantwortung, Leitung und Macht in der Kirche sowie ihre Kopplung an die Weihe hinterfragte.

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