Luxembourg Overshoot (2): Klagen mit Zagen!

Nach der Zusammenfassung der Fußabdruckstudie in einem ersten Beitrag gehen wir auf die vom CSDD aufgeführten Lösungsansätze ein.

CSDD – Nohaltegkeetsrot

„Die grob aufgeführten Lösungsansätze sind während des angedachten Prozesses mit den Stakeholdern zu diskutieren zu ergänzen, zu vertiefen und zu verschärfen“, heißt es in der Vorstellung der Fußabdruckstudie durch den Nachhaltigkeitsrat (Conseil supérieur pour un développement durable, CSDD). „Sie sind keinesfalls zu diesem Zeitpunkt als Vorschläge oder gar Forderungen zu verstehen“ – ein Disclaimer, der uns nicht von einem kritischen Blick abhalten soll.

Dass zum Beispiel der Rückgriff auf Wasserstoff als Treibstoff bei drei von neun „Ansätzen“ im Bereich der Energiewirtschaft im Vordergrund steht, fällt jedenfalls auf. Es handelt sich um eine sehr technologiefixierte Antwort auf das CO2-Problem, die vor allem in Wirtschaftskreisen populär ist. Insbesondere die fossilen Energiekonzerne setzen auf den Wasserstoff, weil er zu ihren zentralisierten wirtschaftlichen Strukturen passt, und weil er aus Erdgas gewonnen werden kann. Andererseits ist unklar, wie schnell CO2-neutraler Wasserstoff wirklich genutzt werden kann – kaum schnell genug, um die Energiewende zu schaffen, die in den nächsten zehn Jahren gelingen muss. (Mehr zur „Ökologie“ des Wasserstoffs in der woxx 1566: „Hydrogen: Stoff der Träume“.)

Kreislauf oder Kringel?

Dass die Kreislaufwirtschaft in fast allen Bereichen als Lösungsansatz genannt wird, kommt nicht unerwartet. In Wirtschaftskreisen wird sie oft fürs Greenwashing benutzt, indem man ein paar Prozessabläufe auf Wiederverwertung von Nebenprodukten trimmt, und sich dann gleich als „zirkularen Betrieb“ bezeichnet – obwohl es sich nicht um einen Kreislauf, sondern nur um ein paar Kringel handelt (siehe online-woxx: „Les petites boucles“). Lobenswerterweise erwähnt der CSDD immerhin die Cradle-to-cradle-Produkte, bei denen ernsthaft versucht wird, die eingesetzten Stoffe von der Wiege (Produkterzeugung) über die Nutzung zurück zur Wiege zu bringen.

„Es entsteht ein hoher Energieverbrauch / Infrastrukturbedarf / Landschaftsverbrauch und Zeitverlust durch den alltäglichen Transport zwischen Wohn- und Arbeitsort, speziell für Grenzpendler“ schreibt der CSDD. Das ist zu pauschal, denn auch viele in Luxemburg wohnende Personen nehmen angesichts der Lage auf dem Immobilienmarkt lange Anfahrten in Kauf. Für beide Gruppen kann die Telearbeit hier Abhilfe schaffen, leider erwähnt der CSDD aber nicht, dass dies viele soziale Fragen aufwirft.

Gerechte Großregion

Als Lösungsansatz wird insbesondere „Gesetzlicher Ausbau und soziale Absicherung des “home-officing” (auch über die Grenzen hinweg)“ propagiert. Dabei geht es um den Unwillen der Nachbarländer, auf Lohnsteuern von Menschen zu verzichten, die nur noch virtuell in Luxemburg arbeiten würden. Der Nahhaltigkeitsrat scheint den von der Regierung konsequent durchgezogenen Steueregoismus nicht zu hinterfragen. Doch es kann kein nachhaltiges Luxemburg ohne ein nachhaltiges Konzept für eine faire Zusammenarbeit in der Großregion geben.

Luxemburgs Fußabdruck, verglichen mit dem der Nachbarländer. (clickbar, CSDD)

Am bedenklichsten ist allerdings der Umgang mit dem Tanktourismus-Problem. Unter „Direkter Energieverbrauch“ wird erklärt, wie man den Tanktourismus aus dem Fußabdruck Luxemburgs herausrechnet –in diesem Falle durchaus gerechtfertigt. Als Lösungsansatz für den Spritverbrauch durch die Einwohner*innen nennt der CSDD nur „Remote Kommunikation und gezielte Mobilität“.

Heiliger Tanktourismus

Beim „Verbrauch grauer Energie“ scheint die Fantasie weiter zu reichen: Um den Konsum von mit hohem Energieaufwand im Ausland hergestellten Produkten zu reduzieren, soll ein „True-Cost-Accounting auf Konsumgüter“ angewendet werden. Was natürlich nur dann eine „Lösung“ ist, wenn diese „wahren Kosten“ nicht nur berechnet, sondern sich auch mittels Umwelttaxen im Verkaufspreis wiederspiegeln. Eine Herangehensweise, die natürlich auch auf den getankten Treibstoff anwenden ließe, umso mehr als hier die versteckten Kosten bereits berechnet wurden (woxx 1400 : „Tanktourismus-Studie: Späte Einsicht“).

Der CSDD verzichtet darauf, eine konsequente Anhebung des Spritpreises anzudenken – er nimmt hier wohl Rücksicht auf die Interessen der Automobil- und Tankwirtschaft. Außerdem spielen die Einnahmen aus dem Tanktourismus eine wichtige Rolle im Staatshaushalt. Die Rücksichtnahme mag verständlich sein, sie negiert jedoch das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Alle woxx-Beiträge zum Fußabdruck 2020.


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