Mehr Elektroautos in Luxemburg, aber immer noch kein Boom

von | 22.09.2020

Langsam aber sicher scheinen Elektroautos den Markt zu erobern. Die Neuanmeldungen 2020 lagen nach den ersten acht Monaten schon über dem Stand vom Vorjahr.

Lange hat die luxemburgische Regierung gezögert, ein quantitatives Ziel für die Elektrisierung des heimischen Fuhrparks festzulegen: In der Mobilitätsstategie „Modu 2.0“ (siehe „Neue Mobilitätsstrategie: Unambitionierte Herkulesaufgabe“ aus woxx 1478) sucht man vergebens danach und auch im Koalitionsabkommen findet sich keine Zielsetzung zur Elektromobilität. Erst mit dem Energie- und Klimaplan (siehe „Endgültige Fassung des Klimaplans: Kosmetische Änderungen“) wurde ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 soll rund die Hälfte, genauer 49 Prozent des Fahrzeugsbestandes elektrisch unterwegs sein. Eine detaillierte Roadmap, wie das in knapp einem Jahrzehnt passieren soll, will die Regierung laut dem Klimaplan noch nachreichen.

Das ist allerdings Zukunftsmusik: Bei den PKWs der Kategorie „M1“ (PKWs mit weniger als neun Sitzen) sind nur 0,7 Prozent vollelektrisch, 1,88 Prozent sind klassische Hybridautos, 0,8 Prozent sind Plug-in-Hybride. 96,62 Prozent der M1-PKWs in Luxemburg haben einen Verbrennungsmotor. Das geht aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage Marc Goergens (Piratepartei) dazu, wie viel Autos mit welcher Motorisierung herumfahren, hervor. Im Zuge der Covid-19-Krise hat die Regierung das Programm „Clever fueren“ überarbeitet und die Zuschüsse für Elektroautos von 5.000 auf 8.000 Euro erhöht. Der Kauf eines Hybridautos wird vermutlich nur noch bis 2021 mit 2.500 Euro bezuschusst.

Haben die Maßnahmen – zu den Subventionen gesellen sich ja noch Investitionen in Ladekapazitäten – gefruchtet? Goergen stellte gleich zwei weitere parlamentarische Fragen zu dem Thema: Eine zu reinen Elektroautos, eine zu Hybridautos. Aus den Antworten der Minister*innen Claude Turmes und Carole Dieschbourg (beide Déi Gréng), die am 21. September veröffentlicht wurden, geht nicht viel hervor. Die Prämie ist nämlich noch viel zu neu – der höhere Betrag wurde noch gar nicht ausgezahlt, da das Auto mindestens 7 Monate auf den*die Antragsteller*in registriert sein muss. Das hätte Goergen zwar wissen können, aber selbst für eine Internetpartei müssen parlamentarische Fragen wohl manchmal als Google-Ersatz dienen.

Was aus den Zahlen jedoch hervorgeht: Hybridautos sind nicht viel beliebter als Elektroautos. 2019 wurden 913 Hybridautos neu zugelassen, die Elektroautos lagen 986 leicht vorne. Bisher ist der Trend 2020 umgekehrt: Mit 1252 zu 1167 Neuzulassungen haben die Hybridautos die Nase leicht vorne. Bei beiden Motorisierungstypen lässt sich ein deutlicher Einbruch im März und April 2020 beobachten: Auf dem bisherigen Höhepunkt der Covid-19-Pandemie kauften nur wenige Menschen ein Auto.

Eine interessante Feststellung ist auch, dass deutlich weniger Anträge für Zuschüsse bewilligt als Fahrzeuge registriert werden. Wie viel davon an der siebenmonatigen Wartefrist liegt, ist schwer zu beziffern. Der Verdacht, dass die Zuschüsse wenig bewirken und vor allem Menschen zugute kommen, die sich ohnehin ein teures Elektroauto leisten können, muss erst noch aus der Welt geräumt werden.

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