Kontroverse um brasilianischen Film: Und Jesus darf doch schwul sein!

von | 10.01.2020

Petition, Brandanschlag, Gerichtsverfahren: Die Satire „A Primeira Tentação de Cristo“ sorgte in Brasilien für Konflikte. Darin ist Jesus schwul und Gott ein Schwerenöter.

Bildquelle: IMdB

Jesus bringt zu seinem dreißigsten Geburtstag Orlando, eine schillernde Bekanntschaft aus der Wüste, mit nachhause. Dort werden sie unter anderem von Maria, Josef und „Onkel Vittorio“ – Gott – mit einer Geburtstagsparty überrascht. So beginnt die umstrittene Netflix-Satire der brasilianischen Produktionsfirma und Comedy-Gruppe Porta dos Fundos. Jesus ist schwul und zunächst unwillig seine Mission als Sohn Gottes anzunehmen; Gott ist ein schmieriger Lustmolch; Josef ein unfähiger Schreiner: Die Figuren und der Plot der kurzweiligen Satire „A Primeira Tentação de Cristo“, auf deutsch „Die erste Versuchung Christi“, erzürnte im Dezember 2019 breite Teile der brasilianischen Bevölkerung.

Der Film wurde als Affront gegen das Christentum gesehen. Nach einer Klage der katholischen Vereinigung Centro Dom Bosco erließ ein Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den Film. Das Oberste Gericht Brasiliens annullierte das Urteil gestern, wie mehrere Medien berichten. „Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Satire die Macht hat, die Werte des christlichen Glaubens zu untergraben, die mehr als 2.000 Jahre alt und in der Überzeugung der Mehrheit der Brasilianer verwurzelt sind“, soll der Gerichtspräsident José Antonio Dias Toffoli die Entscheidung begründet haben.

Dem Urteil ging Mitte Dezember eine Petition für das Verbot des Films voraus, die nach Medienberichten von 1,3 Millionen Menschen unterzeichnet wurde. Eduardo Bolsonaro, Sohn des Präsidenten Jair Bolsonaro, zeigte sich in einem Twitter-Beitrag solidarisch mit den Unterzeichner*innen der Petition. An Heiligabend hatte das rechtsextreme „Nationalistische Volksaufstandskommando der großen brasilianischen Integralistenfamilie“ das Firmengebäude der Filmemacher*innen mit Molotowcocktails angegriffen. Es gab keine Verletzte. Porta dos Fundos reagierte via Facebook auf den Angriff. Der Post endete mit Zuversicht: „For the time being, we advance what we will follow in front, more united, stronger, more inspired and confident that the country will survive this hatred storm and the love will prevail together with the expression freedom.“

Anm.d.R.: Die Stellungsnahme von Porta dos Fundos wurde vom Portugiesischen ins Englische übersetzt. Der Kurzfilm ist auf Netflix auf portugiesisch mit deutschen, französischen und englischen Untertiteln verfügbar.

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