Urlaubsratgeber für besondere Zeiten

von | 07.07.2020

Die Covid-19-Pandemie ist noch nicht vorbei, das sorgt auch bei Urlauber*innen für Unsicherheit. Wo kann man gefahrlos hinfahren? Das „Handbuch für Zeitreisende“ hilft bei der Auswahl des passenden Reiseziels.

Wenn es möglich wäre, Zeitreisen zu unternehmen, wo würden Sie hinreisen? Es ist faszinierend, darüber nachzudenken, welche Epoche man besuchen würde, welche berühmten historischen Persönlichkeiten man möglicherweise treffen könnte oder welche Ereignisse man sich aus nächster Nähe ansehen könnte. Doch es ist alles nicht so einfach, denn in der Vergangenheit lauern hinter jeder Ecke Gefahren – zum Glück gibt es gute Ratgeberliteratur, die darüber aufklärt.

Kathrin Passig und Aleks Scholz halten sich in dem fiktionalen Sachbuch „Handbuch für Zeitreisende – Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer“ nicht lange mit Detailfragen auf: Sie gehen einfach davon aus, dass Zeitreisen recht unkompliziert möglich sind und man durch eine Reise in die Vergangenheit nicht die eigene Gegenwart verändern kann. Die Paradoxe, die in vielen fiktionalen Werken zu Zeitreisen zentral sind – zum Beispiel das Töten eines eigenen Elternteils, bevor man gezeugt oder geboren wurde – verschwinden damit. Übrig bleibt also ein fast sorgenfreies Reisen in die Vergangenheit.

Einfache Reiseziele, die wenig Vorbereitung erfordern, sind beispielsweise diverse Weltausstellungen, bei denen man durch moderne (oder in den Augen der Ansässigen futuristische) Kleidung oder Technik nicht weiter auffällt. Für ein entspanntes Zeitreise-Wochenende empfehlen Passig und Scholz beispielsweise das damals maurische Granada zwischen 1350 und 1450. Ein empfehlenswertes Reiseziel scheint auch die DDR zu sein – keine Sprachprobleme, gute Infrastruktur, aber dennoch in vielerlei Hinsicht sehr fremd. Wer unberührte Natur erleben will, dem empfehlen die Autor*innen eine Reise ins Pleistozän, ein relativ junges Erdzeitalter, das vor 2,5 Millionen Jahren begann. Je nach Affinität für Wintersport kann eine der Eiszeiten gewählt werden, was Ski-Spaß ohne Ende verspricht – einzig das Après-Ski muss man selbst organisieren.

Neben möglichen Reisezielen vermittelt das Handbuch auch jede Menge Praxiswissen, das für Zeitreisende in so gut wie jede Epoche interessant ist. So erfährt man zum Beispiel auch, warum die Idee, man könne mit dem informierten Halbwissen eines Durchschnittsmenschen des 21. Jahrhunderts schnell mal die Dampfmaschine oder Antibiotika erfinden und so den Lauf der Geschichte um einige Jahrhunderte verkürzen, eher Unsinn ist. Auch Informationen zu Kleidung, Währung, Ernährung und Medizin finden sich in dem Ratgeber.

Passig und Scholz haben das Kunststück geschafft, ein Sachbuch mit interessanten historischen Fakten zu schreiben, das sich wie ein lockerer Ratgeber liest. Auch wenn der Rahmen des Zeitreisens fiktiv ist, so sind die historischen Fakten jedoch gut recherchiert. Viele der Orte, die im Ratgeber vorgeschlagen werden, existieren auch heute noch und sind auch in der Gegenwart eine Reise wert. Wer nicht bis zum Ende der Pandemie warten kann, dem*der sei die Lektüre dieses außergewöhnlichen Reiseratgebers ans Herz gelegt.

Kathrin Passig und Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende – Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer, Rowohlt Verlag Berlin.

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