Carole Thoma (Déi Lénk): Klima, Kapital, Klassenkampf

Welche Rolle Nachhaltigkeit spielt und wie man die Menschen mobilisiert, darum geht es im zweiten Teil unseres Interviews mit Carole Thoma über die Sommer-Uni von Déi Lénk (Link zum ersten Teil).

Sommer-Uni von Déi Lénk: Selbstfindungsprozess am Stau, bei Esch-sur-Sûre … weit weg von Esch-sur-Alzette.
(Foto: Nathalie Oberweis)

Interessant an der Sommer-Uni von Déi Lénk war die Öffnung zur Zivilgesellschaft. Was hat das gebracht?

Ich fand das sehr interessant, insbesondere den Austausch mit den Klimaaktivisten. Diese Bewegung rund um Youth for Climate ist relativ neu und es gab noch nicht so viele Kontakte. Es wurde diskutiert, wie wir sie unterstützen können und was ihre Erwartungen an uns sind.

Wer sich fürs Klima einsetzt, will nicht automatisch den Kapitalismus abschaffen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass sich Déi Lénk nur mit dem Thema befasst, um ein weiteres Argument gegen das System zu haben.

Diese Haltung gibt es innerhalb von déi Lénk, aber ich glaube, sie ist minoritär und im Verschwinden begriffen. Wir haben alle das Ziel, irgendwann den Kapitalismus zu überwinden, aber beim Klima geht es darum, jetzt etwas zu erreichen. Was das Fernziel angeht, so müssen wir erst einmal das Kräfteverhältnis verändern und erreichen, dass die Menschen uns zuhören. Da ist es nicht hilfreich, sich einzig und allein auf Kapitalismuskritik zu konzentrieren, auch wenn sie grundsätzlich richtig ist und wir überzeugt sind, dass der Klimakrise innerhalb des Kapitalismus nicht beizukommen ist.

Es waren auch zwei Referent*innen von „Die Linke“ eingeladen. Ist die deutsche Schwesterpartei ein Modell für Déi Lénk?

Was wäre das Modell von „Die Linke“? Es stimmt, dass sie, ähnlich wie wir, als eine Art Sammelbewegung entstanden ist. Aber sie haben andere Erfahrungen gemacht und befinden sich in einer anderen Situation, sie sind an Landesregierungen beteiligt. Andererseits haben wir es besser als sie vermieden, interne Konflikte nach außen zu tragen.

Was ist übrig von der Arbeiterklasse?

Carole Thoma (Quelle: www-dei-lenk.lu)

Eines der zentralen Themen beim Vortrag der Bundestagsabgeordneten Sabine Leidig war die „imperiale Lebensweise“, mit der große Teile der westlichen Bevölkerung in die Ausbeutung von Natur und Mensch durch den Kapitalismus eingebunden sind.

Ja, dieses Problem wird bei Déi Lénk noch wenig thematisiert, ist aber ein wichtiger Ansatzpunkt. Zum Beispiel gegenüber der Haltung der DP bei den Europawahlen: Die argumentierte, es bringe nichts, wenn Luxemburg in erneuerbare Energien investiere, denn das meiste CO2 werde woanders ausgestoßen. Dabei ist doch klar, dass große Teile des insbesondere in Asien ausgestoßenen CO2 auf unseren Konsum zurückgehen.

Der zweite Referent, der ehemalige Europaabgeordnete Jürgen Klute, erläuterte das Verschwinden der traditionellen Arbeiterschaft. Gehört der Begriff Klassenkampf in Frage gestellt?

Über diese Frage werden wir weiterdiskutieren. Vor 50 Jahren waren die Arbeiter klar zu identifizieren, jetzt sind solche Begriffe viel verschwommener. Zu sagen, es gibt keine Klassen mehr, oder es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Oben und Unten, das wäre falsch. Aber es ist schwieriger, zu mobilisieren, auch für die Gewerkschaften.

Was sind die konkreten Probleme?

In der Arbeitswelt spielen Uberisierung und Scheinselbständigkeit eine immer größere Rolle. Oder in den Audit-Firmen: Das Personal besteht aus Angestellten, aber es ist schwierig, zwischen Kapitalisten und Arbeitern zu trennen. Das ist eine große Herausforderung für uns.

Mehr zur Sommer-Uni und zu Carole Thoma im ersten Teil des Interviews.

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