LITERATUR
KULTURTIPPLITERATUR

„Real Life“

Brandon Taylors Debütroman „Real Life“ wurde nach seiner Veröffentlichung 2020 von den Literaturkritiker*innen gefeiert. 2021 erschien die deutsche Übersetzung im Piper Verlag. Über die einseitige Darstellung der Frauenfiguren diskutieren die wenigsten Expert*innen. Wer über ein Doktorat nachdenkt, sollte Brandon Taylors „Real Life“ lieber...

LITERATUR

Roman über Algerien: Bruch der Generationen

In ihrem neuen Roman „Dezemberkids“ macht Kaouther Adimi drei rebellische Kinder zu zentralen Figuren des Widerstands gegen das algerische „Mumien“-Regime. Eine Brache in der Cité du 11-Décembre von Dely Brahim, einer Banlieue im Westen Algiers. Eine Handvoll Kinder und Jugendliche spielen im strömenden Regen auf dem Gelände Fußball, als zwei...

KULTUR AM ALLGEMENGENKULTURTIPPLITERATUR

Ocean Vuong: Wie schön ist Amerika?

Ocean Vuong wurde in Fachkreisen für seinen Debütroman „On Earth We’re Briefly Gorgeous“ gefeiert. Zwischen der gesellschaftlichen sowie politischen Anlayse der USA in den 2000er-Jahren, der Aufarbeitung des Vietnamkriegs und einer schwulen Liebensgeschichte wirkt aber einiges forciert. Ocean Vuongs Ich-Erzähler Little Dog schreibt an seine...

LITERATUR

NS-Funktionär auf der Flucht: „I was a very happy Nazi”

„Die Rattenlinie“ – so wurde die Fluchtroute ehemaliger Nationalsozialisten genannt, die sich nach 1945 über den Vatikan in Richtung Südamerika absetzten. Auch der NS-Gouverneur Otto Wächter machte sich auf diesen Weg. Philippe Sands begibt sich in seinem neuen Buch auf dessen Spuren. Ihm gelingt nicht nur das Porträt eines flüchtigen...

KULTURTIPPLITERATUR

Schwuler Rebell in der Polnischen Volksrepublik

Tomasz Jedrowskis Debütroman „Swimming in the dark“ versetzt die Leser*innen in die Polnische Volksrepublik der 1980er-Jahre. Ein Roman über Politik und Gefühle, der auf die Liebesgeschichte hätte verzichten können. „I’m in the corner, watching you kiss her“, singt Callum Scott in seiner Cover-Version von Dancing On my Own. „I’m not the guy...

KULTUR AM ALLGEMENGENKULTURTIPPLITERATUR

Eselsohren und Salatköpfe

Eigentlich ist er derjenige, der Neuerscheinungen rezensiert: der luxemburgische Literaturkritiker Jérôme Jaminet. Im März hat er sein Buch „Ein Wort in Esels Ohr. Aufzeichnungen“ veröffentlicht. Das Cover resümiert den Inhalt. „Don't judge a book by its cover“, lautet eine oft zitierte Redewendung. Das gilt allerdings nicht für „Ein Wort in...

LITERATUR

Über das Altern: In der Schattenwelt


Dem Thema Demenz widmet sich der niederländische Autor J. J. Voskuil in seinem Roman „Die Mutter von Nicolien”. Dabei geht er geradezu dokumentarisch vor und skizziert über einen Zeitraum von 30 Jahren das langsame Abdriften einer älteren Dame in ihre eigene Schattenwelt. Die Schwiegermutter von Maarten Koning wird langsam vergesslich. Es...

LITERATUR

Literarische Elite?: Grummelnde Gedanken

Der französische Autor Charles Dantzig fühlt sich in vielen literarischen Gattungen zu Hause: Er verfasst Romane, Gedichte und Essays, schreibt aber auch fürs Feuilleton. Eine nun bei Steidl auf Deutsch erschienene Sammlung solcher Texte ist allerdings nicht unbedingt gut gealtert. Die Biografie und der berufliche Werdegang des 1961 als...

LITERATUR

Ungelebtes Leben: „Ich bin ein einsames Nichts”

In seinem Roman „Annie Dunne” beschreibt der irische Autor Sebastian Barry einen Sommer im Leben der Bäuerin Annie Dunne. Sie führt ein beschwerliches, aber auch beschauliches Leben – bis sich dunkle Schatten darüber legen. „Nie geküsst, nie liebkost, nie vom Begehren eines Jungen in Verlegenheit gebracht!“ Obwohl Sebastian Barrys Roman ihren...

LITERATUR

Spannender Debütroman: Fragmentarische Annäherung

Zwei kleine Mädchen verschwinden auf der russischen Halbinsel Kamtschatka, aber anstatt eines Krimis macht die amerikanische Autorin Julia Phillips aus diesem Stoff ein sehr präzise geschildertes Kaleidoskop verschiedener Frauenschicksale. Der Anfang von Julia Phillips‘ Roman könnte aus einem Thriller stammen: Die beiden Schwestern Sofija und...

LITERATUR

Prix Servais: Mit Nähzeug zum Literaturpreis

Wenn Nähen zur Poesie wird, hält Ulrike Bail den Stift in der Hand: Die Lyrikerin wurde heute für ihr Werk „wie viele faden tief“ mit dem Prix Servais ausgezeichnet. „Der Servaispreis wurde seit 1992 sechs Schriftstellerinnen verliehen, zweien davon in den letzten drei Jahren“, merkte die Lyrikerin Ulrike Bail letztes Jahr im Doppelinterview...

LITERATUR

Über sexuelle Begegnungen: Reine Liebe

Mit seinem Debütroman „What Belongs to You” gelang dem amerikanischen Autor Garth Greenwell vor fünf Jahren ein Überraschungserfolg. Seine Kurzgeschichten-Sammlung „Cleanness” erfüllt die hohen Erwartungen. Es gehört Mut dazu, wenn ein Autor in seinem lang erwarteten zweiten Werk keine neue Geschichte erzählt, sondern Texte vorstellt, die auf...