Deutsche Verbraucher Initiative: Tipps zum nachhaltigen Klamottenkauf

von | 22.01.2019

Nachhaltig durch den Winterschlussverkauf: ein Widerspruch? Nicht unbedingt – man sollte nur auf zwei, drei … vier Dinge achten und auf Alternativen ausweichen.

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Tief, tiefer, am tiefsten: Dieser Tage sinken nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Preise für Klamotten, Schuhe und andere Ware, welche die Läden in Luxemburg zum Überquellen bringen. Noch bis zum 26. Januar sind „Wanter-Solden“. Pünktlich hierzu trudeln die Verkaufstipps der deutschen Verbraucher Initiative ein – und zwar zum umweltbewussten und sozial gerechten Shoppen.

Kleidung, die diese Kriterien erfüllt, soll man an Siegeln wie dem GOTS (Global Organic Textile Standard), OEKO-TEX Made in Green, Naturtextil IVN zertifiziert BEST, blue-sign® product, Fair Wear Foundation oder Fairtrade Cotton erkennen. Wer das faire Einkaufen genau nimmt, darf jedoch nicht allen glauben, die Nachhaltigkeit versprechen, denn der Teufel steckt oft im Detail – was die Verbraucher Initiative in ihrem Schreiben aber nicht erwähnt. Dabei braucht es nur ein paar Klicks auf der von ihr empfohlenen Seite „Siegelklarheit“ des „Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ und der „Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“, um Schwachstellen zu erkennen.

Nicht alles Gold, was glänzt

So sind beispielsweise Produkte mit dem „C&A Biocotton“-Siegel zwar entweder aus Organic Content Standard (OSC) oder GOTS zertifizierter Bio-Baumwolle hergestellt, doch das OSC-Zertifikat sagt, laut Zertifizierungsdienstleister PCU Deutschland, nichts über die verwendeten chemischen Zusatzstoffe aus und „schließt keine Richtlinien zu Umweltmanagement und sozialer Verantwortung im Unternehmen mit ein“. Es beschreibt lediglich den prozentualen Anteil des Bio-Materials im Endprodukt, der zwischen fünf (OCS blended) und 100 Prozent (OCS 100) variieren kann. Außerdem ist „C&A Biocotton“ ein unternehmenseigenes Siegel. Sprich: Der Konzern setzt die Standards und zertifiziert sich selbst. Unabhängig und verlässlich geht anders.

Darüber hinaus sind manche Anmerkungen, die es zum Preisschild gratis dazugibt, irreführend. Ein Beispiel: Der „H&M Conscious Foundation“-Anhänger des schwedischen Modeunternehmens  ist laut Siegelklarheit kein Produktstandard, sondern eine Unternehmensverpflichtung, wie weitere Recherchen auf der Website des Modeunternehmens bestätigen. Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt bis 2020 alle Produkte aus Bio-Baumwolle herzustellen, die entweder bio-zertifiziert, recycelt oder nach den Standards der „Better Cotton Initiative“, deren Anforderungen derzeit geprüft werden, angebaut wurde. Das heißt weder, dass das gekaufte Produkt den Standards bereits nachkommt noch, dass es unter sozial fairen Bedingungen produziert wurde. Hinzu kommt, dass H&M Mitglied der genannten Initiative ist, was wiederum Fragen nach der Unabhängigkeit aufwirft.

Ein weiteres Öko-Siegel, das des Namens wegen Fehlschlüsse zulässt: Oeko-Tex-Standard 100. Öko ist nämlich nicht gleich nachhaltige Herstellung. Das Zertifikat garantiert nur, dass das Produkt schadstofffrei ist. Immerhin etwas, aber vielleicht nicht das, was man hinter dem Begriff vermutet.

Siegel-frei glücklich

Wem der Siegel-Wirrwarr zu anstrengend ist, kann sich den zweiten Tipp der Verbraucher Initiative zu Herzen nehmen: Man sollte sich vor dem Kauf überlegen, was man eigentlich braucht, und billiger Stangenware qualitativ hochwertige sowie nachhaltig hergestellte Kleidung vorziehen. Eine Binsenweisheit, die man sich jedoch vor allem auf der Schnäppchenjagd nochmal ins Bewusstsein rufen sollte. Darüber hinaus rät die Verbraucher Initiative zum Besuch von Second-Hand-Läden, Flohmärkten, Tauschpartys, -börsen oder -märkten. Der Tausch und Kauf gebrauchter Ware soll umweltfreundlicher, günstiger und Ressourcen-schonend sein. Für Kleidung zu besonderen Anlässen, die nach einmal Tragen den Motten im Kleiderschrank zum Fraß vorgeworfen wird, empfiehlt die Verbraucher Initiative auf Leihservices zurückzugreifen. Das soll Geld sparen und Platz schaffen. Ein Tipp fehlt jedoch: Läden zu besuchen, die ausgewählte Fairtrade-Mode kleiner und nachhaltiger Hersteller*innen mit transparenter Produktionskette anbieten.

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