Meischs blamabele Reaktion auf Kritik an Dubai-Kunstwettbewerb

Auf den Artikel der woxx zum Kunstwettbewerb um eine Reise nach Dubai für Schüler*innen folgten kritische Reaktionen der Politik, des Mouvement écologique und dessen Jugendsektion move – und die Minister Claude Meisch und Etienne Schneider schütteten noch reichlich Öl ins Feuer.

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Die woxx berichtete am Montag über den Kunstwettbewerb des Bildungsministerium, bei dem 100 Schüler*innen eine Reise zur Weltausstellung in Dubai absahnen können. Die Reaktionen des Mouvement écologique und seiner Jugendgruppe Move sowie die der Abgeordenten David Wagener (déi Lénk), Djuna Bernard (déi Gréng) und Georges Mischo (CSV) ließen nicht lange auf sich warten. Sie stehen der Kritik der woxx in nichts nach.

„Während die Regierung einen Energie- und Klimaplan erstellt, fördert das Bildungsministerium gerade den Flugverkehr! Welche Botschaft sendet es damit aus?“, fragen der Mouvement écologique und Move in ihrer Stellungnahme. Bildungsminister Claude Meisch (DP) gab gestern in der Chamber auf ähnliche Nachfragen der zuvor erwähnten Abgeordneten eine eher unbefriedigende Antwort. „Völkerverständigung geht nur, wenn man sich gegenseitig besucht“, rechtfertigte er die Reise. „Das geht nicht immer zu Fuß oder mit dem Schlauchboot – manchmal muss man eben auch das Flugzeug nehmen, wie wir das auch sonst gemacht haben.“ Das ist die richtige Einstellung, wenn wir die Klimakrise anpacken wollen. Ironie beiseite: Das Bildungsministerium sendet damit genau die Botschaft, die ihm unterstellt wird – nämlich die, dass es sich nicht um die Betroffenheit der Schüler*innen in puncto Klimakrise zu scheren scheint. Der Mouvement écologique und seine Jugendsektion bedauern in ihrer Stellungnahme zurecht die Haltung des Bildungsministeriums in Sachen Klimapolitik.

In ihrem Schreiben heißt es, es seien noch keine konkreten Schritte auf die Klimastreiks der Jugendlichen gefolgt. Die Schüler*innen seien im Frühjahr im Rahmen der „Climat X Change“-Meetings zu vier Rundtischgesprächen eingeladen worden, um sich mit dem Bildungs- und dem Landwirtschaftsminister sowie mit der Umweltministerin über Ideen für eine bessere Klimaschutzpolitik auszutauschen. Der Bericht der nationalen Schüler*innenkonferenz zu den regionalen Austauschen liege seit Monaten vor. Nach Außen sei jedoch nach wie vor unklar, inwiefern das Ministerium an der Umsetzung der Vorschläge arbeite und welche Maßnahmen ergriffen werden würden. „Im Sinne der politischen Bildung zur Nachhaltigkeit müsste sich das Erziehungsministerium die Frage stellen: Welche Kompetenzen, Inhalte und Fragestellungen müssen flächendeckend Eingang in die Schulprogramme finden?“, fordern Mouvement und Move. „Wie kann der notwendige Freiraum geschaffen werden, um das Thema, wie auch andere gesellschaftliche Fragen (!), verstärkt, z.B. in fächerübergreifenden Projekten mit handlungsorientierten Methoden, zu behandeln?“ Sicherlich nicht indem man 100 Schüler*innen nach Dubai fliegt.

Den Abgeordneten, dem Mouvement écologique, Move und der woxx sind aber nicht nur die Langstreckenflüge ein Dorn im Auge, sondern auch die Frage nach dem kulturellen und sozialen Mehrwert des Gewinns. Warum 100 Schüler*innen in ein Land einladen, in dem Menschenrechte und die Meinungsfreiheit missachtet werden? Meisch ratterte in der Chamber dieselben Begründungen runter, die sein Ministerium auch schon in einer Mitteilung an die woxx anführte. Kulturaustausch, eine kritische Auseinandersetzung mit der problematischen Situation in Dubai, die Tür zur Welt – die Argumente überzeugen leider auch dann nicht, wenn man sie oft genug wiederholt. Schon gar nicht, nachdem Meisch durchblicken ließ, dass es Wirtschaftsminister Etienne Schneider war, der ihn mehrfach und mit Nachdruck darum gebeten hat, möglichst viele junge Menschen nach Dubai zu locken. Schneider selbst reagierte spottend auf den Seitenhieb: „Die Chamber hat mich schon gefragt, ob sie auch mitfliegen darf. Vielleicht wollen ja nicht alle, dann können wir mehr junge Menschen mitnehmen.“ Er lachte auf. Weder Meisch noch Schneider scheinen die Kritik am Kunstwettbewerb ernst zu nehmen. Nation Branding heißt eben auch, die Augen fest vor Fehlentscheidungen zu verschließen: vor Kritik, vor einer nicht profitorientierten Auseinandersetzung mit der Welt und vor ihren wichtigsten Herausforderungen.


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