Im Rahmen des Klimadag wurde ĂŒber politische MaĂnahmen in Luxemburg diskutiert. Obwohl insbesondere die kĂŒnftigen Regierungsparteien die Veranstaltung boykottierten, fehlte es nicht an interessanten VorschlĂ€gen.

„Springt ĂŒber euren Schatten (Lobbys) und handelt endlich!“
BĂŒrger-Botschaft an die Regierung im Rahmen des Klimadag.
Zuerst erlĂ€utert ein Experte die Dringlichkeit der Klimaproblematik, dann diskutieren Vertreter*innen von NGOs und politischen Parteien ĂŒber die Konsequenzen fĂŒr Luxemburg. So hatten es sich die Organisator*innen des Klimadag am 13. November vorgestellt â wohl auch in der Hoffnung, Einfluss auf die laufenden Koalitionsverhandlungen zu nehmen.
Einerseits könnte man unterstellen, die Gambia-Parteien wollten gerade das vermeiden. Andererseits wurde gemunkelt, beim Programmpunkt Klimaschutz gebe es bereits eine Einigung. Jedenfalls waren DP, LSAP und DĂ©i GrĂ©ng bei der Podiumsdiskussion nach der Konferenz ĂŒber den Klima-Sonderbericht (siehe Comprendre lâenjeu de 1,5 degrĂ©) nicht dabei. Die Organisator*innen, KlimabĂŒndnis und Votum Klima, mussten mitteilen, alle in der Chamber vertretenen Parteien seien eingeladen worden, doch nur zwei hĂ€tten zugesagt: CSV und DĂ©i LĂ©nk.
Déi Lénk und die Freiwilligkeit
âMan sagt, zu solchen Veranstaltungen kommen immer die, die sich eigentlich der Probleme bewusst sindâ, klagte Myriam Cecchetti von DĂ©i LĂ©nk gleich zu Beginn der Diskussion. Damit klopfte sie sich selber und dem ebenfalls anwesenden, ökologisch engagierten CSV-Politiker Marco Schank auf die Schulter. Und lieĂ die anderen Parteien schlecht aussehen, insbesondere die GrĂŒnen, bei denen sie bis vor den Gemeindewahlen Mitglied gewesen war. âEs ist erschreckend, dass die kĂŒnftigen Regierungsparteien nicht prĂ€sent sindâ, so Cecchetti, die daran erinnerte, dass das Thema Umweltschutz fĂŒr die WĂ€hler*innen eine wichtige Rolle gespielt hatte. Schank bedauerte ebenfalls das Fernbleiben der Mehrheitsparteien und qualifizierte es als ârelativ respektlos gegenĂŒber der Arbeit im KlimabĂŒndnisâ â also gegenĂŒber dem weitgehend ehrenamtlichen Engagement zahlreicher MandatĂ€r*innnen und BĂŒrger*innen auf Gemeindeebene.
Der ehemalige CSV-Umweltminister unterstrich die Wichtigkeit, âalle ins Bootâ zu bekommen, wenn man ârichtig sportlicheâ Ziele wie null CO2-Netto-Emissionen bis 2050 erreichen will. Auch die Vertreterin von DĂ©i LĂ©nk stufte GesprĂ€che mit allen Akteur*innen als wichtig ein, bezweifelte aber, dass man allein auf freiwilliger Basis die notwendigen VerĂ€nderungen erreichen könne: âViele Privatleute tun ihr Möglichstes, doch das reicht nicht, es mĂŒssen auch Entscheidungen auf höheren Ebenen getroffen werden.â
CSV fĂŒr CO2-Steuer
Die Moderatoren der Diskussion, Pol Polfer und Dietmar Mirkes, sprachen auch das Thema Rechenschaftspflicht fĂŒr Unternehmen in Sachen Klima und Menschenrechte an. Die Votum-Klima-Vertreterin VĂ©ronique Faber vom âCercle des ONG de dĂ©veloppementâ redete Klartext: âMehr als 40 Jahre freiwillige Selbstverpflichtungen haben nicht funktioniert, also brauchen wir bindende Auflagen fĂŒr die Unternehmen.â Sie wies insbesondere auf Investitionsfonds hin, die Land aufkaufen, das dann fĂŒr die Produktion von Agrofuels statt fĂŒr die ErnĂ€hrung genutzt wird â âsogar unsere Regierung hat Geld dort angelegtâ, so Faber.
Interessant waren auch die Aussagen zum Thema Tanktourismus: Myriam Cecchetti sprach sich fĂŒr eine europĂ€ische Harmonisierung der Spritpreise aus und drĂŒckte die Hoffnung aus, den motorisierten GĂŒter- und Personenverkehr unter anderem auf die Schiene zu verlagern. Marco Schank erklĂ€rte, eine CO2-Steuer sei fĂŒr seine Partei akzeptabel, schlieĂlich gebe es ja auch Abgaben fĂŒr den HaushaltsmĂŒll. Er erinnerte daran, dass er nach der Veröffentlichung der Tanktourismus-Studie bei der vorhergehenden Regierung nachgefragt hatte, welche Konsequenzen sie ziehen werde. Er sei vertröstet worden, aber: âIch kann mir nicht vorstellen, dass dazu nichts im Koalitionsabkommen stehen wird.â
Schanks wichtigste Forderung an die neue Regierung war die EinfĂŒhrung eines Nachhaltigkeitschecks fĂŒr alle politischen Entscheidungen â die bereits 2013 im Regierungsprogramm vorgesehen war. Die zweite Votum-Klima-Vertreterin, Martina Holbach (Greenpeace), ging weiter: âDer Klimaschutz muss als die PrioritĂ€t erkannt werden, die er ist.â Sie forderte deshalb seine Verankerung in der Verfassung und die Ausarbeitung eines umfassenden Klimaschutzgesetzes.

