Rassismus-Vorwürfe gegen Jordan Peele

Weiße Menschen sind im Horrorgenre überrepräsentiert. Die Aussicht, dass sich dies irgendwann ändern könnte, gefällt einigen überhaupt nicht.

© wikipedia.org

„I don’t see myself casting a white dude as the lead in my movie. Not that I don’t like white dudes, but I’ve seen that movie.“ Für diese Aussage musste Komiker, Regisseur und Drehbuchautor Jordan Peele diese Woche reichlich Kritik einstecken. Manche werfen Peele Rassismus vor, andere kündigten an, sich nie wieder einen Film von ihm ansehen zu wollen.

Dabei ging es Peele keineswegs darum, weiße Schauspieler zu benachteiligen, sondern darum, seine gegenwärtige Position zu nutzen, um für ein Gleichgewicht zwischen der medialen Repäsentation weißer und schwarzer Menschen einzutreten. „I get to cast black people in my movies. I feel fortunate to be in this position where I can say to Universal, ‘I want to make a $20 million horror movie with a black family.’ And they say yes“, so Peeles Worte anlässlich eines Besuchs im Upright Citizens Brigade Theatre in Hollywood.

Das Horrorgenre – auf welches Peele in seinen beiden Filmen „Get Out“ (2017) und „Us“ (2019) zurückgriff – ist dafür bekannt, schwarzen Figuren lediglich eine Nebenrolle einzuräumen. Der gegenwärtige Backlash gegen den Regisseur deutet darauf hin, dass sich viele dieses Ungleichgewichts nicht bewusst sind. Und falls doch, wird es möglicherweise als reiner Zufall interpretiert. Immerhin künden Regisseur*innen in der Regel nicht an, die Hauptrollen ihrer Filme ausschließlich mit weißen Schauspieler*innen besetzen zu wollen – sie tun es einfach. Ausgrenzung bleibt jedoch Ausgrenzung, egal ob sie bewusst oder unbewusst stattfindet, benannt wird oder nicht. Regisseure wie Christopher Nolan oder Alexander Payne haben in ihren jeweiligen Filmen noch nie Hauptrollen mit schwarzen Schauspieler*innen besetzt. Die Kritik dafür hält sich in Grenzen. In puncto gleichberechtigter Repräsentation bestehen nach wie vor unterschiedliche Ansprüche an weiße und schwarze Regisseur*innen.

Möglicherweise haben manche die Aussage Peeles auch so interpretiert, dass dieser fortan überhaupt keine weißen Schauspieler*innen mehr casten wolle. Das hat er jedoch nicht gesagt, bezog er sich doch nur auf die Hauptrollen. Und nur auf Männer. Doch selbst wenn dem so wäre, wäre Peele immer noch nicht rassistisch; immerhin ist Rassismus gegenüber weißen Menschen genauso wenig möglich wie Sexismus gegenüber Männern.

Jordan Peeles Vorhaben hat zur Folge, dass einige Rollen weißen Schauspielern künftig von vorne herein nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Genauso, wie dies für schwarze Schauspieler*innen seit jeher in einem sehr viel größeren Ausmaß der Fall ist. Die Bekämpfung struktureller Diskriminierung setzt voraus, dass manche Bevölkerungsgruppen einen Teil ihrer Privilegien aufgeben. Peeles Ankündigung ist ein begrüßenswerter Schritt in diese Richtung.


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