MARIENTHAL: Distanz wahren

Das Asylantenheim in Marienthal symbolisiert die Luxemburger Flüchtlingspolitik: seine Bewohner werden auf Distanz gehalten.

Richtig gemütlich soll es im Asylantenheim nicht werden.

Marienthal ? es klingt verträumt, nach christlicher Einkehr und religiöser Verbrämtheit. Ein malerisches Tal im Südwesten von Luxemburg, inmitten einsamer Nadel- und Laubwälder. Das Kloster Marienthal, dessen Blütezeit unter der Grafentochter und Ordensschwester Yolanda von Vianden im 13. Jahrhundert war, gab dieser stillen Einbuchtung ihren Namen. Mit Marienthal verbindet man heute insbesondere den Codex Mariendalensis, der das erste literarische Dokument im moselfränkischen Dialekt der Luxemburger Gegend darstellt. Weniger bekannt ist dagegen das Asylantenheim von Marienthal.

Nachdem die Asylbewerber noch bis vor kurzem mehr schlecht als recht in den alten Gemäuern der Klosteranlage untergebracht waren, wird das Areal nun als Freizeitzentrum für Jugendliche – betreut vom „Service National de la Jeunesse“ – ausgebaut. mehr lesen / lire plus

UNION EUROPÉENNE: De l’impasse au
cul-de-sac

Nomination d’un médiateur et d’une organisatrice aux postes clés de l’Union, ce n’est pas cela qui relancera le projet européen. Un projet en crise non seulement sur la question de la forme mais aussi sur celle du contenu.

Cadeau de Tine Van Rompuy à son frère : un échantillon de la « taxe des millionnaires ».

Depuis une dizaine d’années, les adeptes de l’Union européenne sont à la recherche d’un nouvel élan. Après l’élargissement vers l’Est, le projet d’une constitution européenne devait à la fois répondre aux défis institutionnels et renforcer l’intégration des politiques des pays membres. Référendums négatifs, adoption d’un nouveau texte considérablement dilué, tentative réussie de circonvenir les opinions publiques – la lamentable histoire du traité de Lisbonne est connue. mehr lesen / lire plus

JEAN-CLAUDE SCHLIM: Nackte Jünglinge und kranke Körper

Mit „House of Boys“ hat Jean-Claude Schlim ein berührendes Schwulenmärchen geschaffen, bei dem man am Schluss nicht weiß, was es genau mitteilen will. Trotzdem unterhält der Film und bricht gleichzeitig mit mehreren Tabus.

Schicksalsschlag Aids.
Layke Anderson in „House of Boys“

Frank`s Eltern glauben, er sei „nicht normal“ und in der Schule wird er regelmäßig von homophoben Hohlköpfen angepöbelt. Es ist offensichtlich: das biedere Luxemburg ist kein Ort für den Achtzehnjährigen. Eines Nachts packt Frank seine Sachen, belädt seinen Käfer und fährt mit Freunden nach Amsterdam, wo er sich in das schwule Nachtleben stürzt. Dröhnende Musik, Drogen und viele Liebhaber lassen Frank vergessen, dass seine Freunde eigentlich weiter nach Saint Tropez fahren wollen. mehr lesen / lire plus

THE PRODIGY: Tanzender Teufel -stolpernde Bässe

Mit „The Fat of the Land“ hat
The Prodigy Mitte der 90er Raver und Rocker auf dem Dancefloor vereint. Jetzt tourt die Band um Liam Howlett mit dem aktuellen Album „Invaders Must Die“.

Auf das Äußere kommt es an – dagegen lassen die Texte von The Prodigy schon etwas zu wünschen übrig.

The Prodigy ist ein Wunderkind – zumindest, wenn es aus dem Englischen ins Deutschsprachige übersetzt wird. Und Wunderkinder sind zum Beispiel solche, die im Alter von fünf Jahren die Gravitationstheorie plausibel widerlegen oder aber bereits mit vier Jahren den Klavierlehrer an seine Grenzen bringen. Liam Howlett scheint ein solches Wunderkind jedoch nicht zu sein. mehr lesen / lire plus

FOTOGRAFIE: Vor der Linse

Menschen am Strand: Einer raucht, ein anderer liest oder betrachtet das Meer, ein dritter taucht in die Wellen ein, Kinder spielen mit einem Ball, eine Gruppe unterhält sich. Auf den riesigen, gestochen scharfen Strandbildern des 1944 in Como geborenen Fotografen Massimo Vitali entdeckt das Auge immer wieder neue Details. Vitali nimmt seine Landsleute ins Visier und drückt auf den Auslöser wenn er hinreichend komplexe Situationen vorfindet, ein visuelles Rauschen entsteht – ein Abbild der Freizeit- und Konsumgesellschaft. Auch wenn ihm die einzelne Person wichtig ist, so zählt dennoch letztlich vor allem der Kontext, in dem gerade etwas passiert.

Die Herangehensweise von Vitali ist denn auch nur eine unter vielen – wie die zurzeit vom Centre National de l’Audiovisuel (CNA) organisierte Ausstellung dokumentiert. mehr lesen / lire plus

KPL: Beton

Vor 20 Jahren fiel die Mauer- kurz darauf wanderte der „real existierende Sozialismus“ auf die Mülldeponie der Geschichte. Die Woxx begibt sich auf die Suche nach den Verlierern des „kurzen“ 20. Jahrhunderts. Eine Reise durch die ideologische Antike und durch toten Jargon.

Auf Beton gebissen:
so unschön
kann Sozialismus sein.

Am Donnerstag, dem 9. November 1989, wurde im hauptstädtischen Theater „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms aufgeführt. Das Mitglied des Zentralkomitees der KPL, Serge Urbany, war aber an jenem Abend zu Hause geblieben. Er verfolgte den Mauerfall in der Direktübertragung des westdeutschen Fernsehens. „Gefühlsmäßig war ich auf der Seite derer, die rüberkamen“, meint Serge Urbany heute, 20 Jahre später. mehr lesen / lire plus