EU-Wahlplakate: ADR übt Verteidigung und Angriff

von | 02.05.2019

Die ersten EU-Wahlkampf-Rivalitäten abseits der politischen Bühne sind in vollem Gange: Die ADR verteidigt sich gegen Rassismusvorwürfe und stichelt gegen die CSV. Grund sind in beiden Fällen die Wahlplakate.

In einem Kommentar verwies der „Directeur de l’information“ von RTL, Guy Weber, kürzlich auf die kuriose Kombination von DP- und ADR-Wahlplakaten. Auf dem einen ist Monica Semedo (DP) zu sehen, eine junge Luxemburgerin, deren Familiengeschichte in den Cap Vert zurückführt. Unter dem Porträt der DP-Kandidatin dann das Wahlplakat der ADR: „Keng illegal Immigratioun.“ Weber wirft in seinem Artikel die Frage auf, ob es sich um Zufall oder Inszenierung handelt. „Ist es wirklich nur ein unglücklicher Faux-pas?“, schreibt er in seinem Beitrag. Er selbst fällt kein Urteil.

Die Meinungen in der Kommentarspalte gehen weit auseinander. Während die einen der ADR die Instrumentalisierung von Semedos Porträt zur Darstellung illegaler Immigration unterstellen, schreien die anderen „Rassismus“. Nur, weil Semedo schwarz sei, würden viele Menschen die Aussage „Keng illegal Immigratioun“ mit ihrer Familiengeschichte in Verbindung bringen. Semedo sei jedoch Luxemburgerin. Eine Assoziation zwischen ihrer Person und dem ADR-Slogan herzustellen wäre problematischer als die Positionierung der Plakate: Sie würde eine rassistische Haltung entlarven. Dabei ist die Konnotation der Plakatkombi durchaus nachvollziehbar. Selten bis nie bezieht sich die gesellschaftliche und politische Debatte über illegale Immigration auf Weiße Menschen. Die Kritik richtet sich an die Bekräftigung dieser fremdenfeindlichen Sichtweise und nicht etwa auf die Verfälschung von Semedos Biographie.

Die ADR selbst verteidigt sich in einer Pressemitteilung. Die Partei weist jegliche „Spekulationen“ zurück. Sie spricht von „iwwerraschende Kombinatioune“, die ein reines Zufallsprodukt seien. Immerhin wüsste man nicht, wer zuerst am Zug war: die DP oder die ADR. Inzwischen wurde das ADR-Plakat ausgetauscht und die Wahlhelfer*innen angeleitet, eine entsprechende Kombination nach Möglichkeit zu vermeiden. Unproblematisch findet die Partei das Pappkarton-Zusammentreffen demnach selber nicht.

In ihrem Schreiben bedauert die ADR zudem, dass ihre Plakate vielerorts zerstört oder beschädigt werden und lenkt vom eigentlichen Thema ab. Die Partei verdächtigt nicht (nur) die Zivilgesellschaft, sondern zeigt auch mit dem Finger auf andere Parteien. Die ADR-Kandidatin Sylvie Mischel beschuldigte die CSV rezent in den sozialen Medien, ihr Plakat absichtlich unter das der ADR geklemmt zu haben, sodass dieses zerdrückt wurde und zerriss. „Fir dMenschen an Europa schreift dCSV a bréngt et mol net fäerdeg dMenschen zu Lëtzebuerg ze respektéieren!“, heißt es dazu in ihrem Facebook-Post. „Dat doten ass leider keen Eenzelfall – kee Fair-Play an ënnert aller Klarinette.“ Einem Medienbericht zufolge wehrte sich die CSV, die sich über die Beschädigung eigener Plakate beklagt, gegen die Unterstellungen. Unfälle und Witterungsschäden seien unvermeidbar.

Paradox: In der Semedo-Diskussion brachte die ADR den Zufall und die Ungewissheit über den Zeitpunkt der Anbringung der Plakate ins Spiel. Hier nicht. Wer von den Medien Objektivität und Neutralität einfordert und ihnen wegen der kritischen Hinterfragung von Wahlplakaten mit dem Verlust des gesellschaftlichen Vertrauens droht, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Anderen Parteien ohne Beweise Vandalismus und mangelndes Fair-Play anzudichten, ist kein guter Anfang.

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