Weltklimarat-Bericht: Letzte Warnung

Der Klimawandel ist bald unaufhaltbar, warnt ein heute veröffentlichter Bericht des IPCC. Wir fassen die Reaktionen des Climate Action Network zusammen.

„Viel zu lange haben die Regierenden ihre kurzfristigen politischen Interessen und die Profitgier der Unternehmen über die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung gestellt“, hält Rachel Cleetus von der „Union of Concerned Scientists“ (Vereinigung besorgter Wissenschaftler, USA) fest. Ihre Kritik ist eine der Stellungnahmen zum heute veröffentlichten Bericht des Weltklimarats (IPCC), die vom Climate Action Network (CAN) zusammengetragen wurden. Es handelt sich um das Endergebnis der Arbeitsgruppe 1, die sich auf die physikalischen Grundlagen der Erderwärmung konzentriert, und zum sechsten Mal seit 1990 eine umfassende Einschätzung abgibt. Der Bericht hält fest, dass der CO2-Anteil der Atmosphäre rapide ansteigt, dass dies die Erwärmung sowie extreme Wetterereignisse verstärkt und dass nur ein schneller Kurswechsel das Schlimmste verhindern kann.

„Nachdem wir Jahrzehnte lang die Alarmglocken geläutet haben (…), ist unsere Organisation mehr als besorgt“, fährt Cleetus fort. „Es bricht uns das Herz zu sehen, wie sich verschlimmernde, krass ungerechte Auswirkungen [des Klimawandels], die man eigentlich hätte vermeiden können, Menschen und kritischen Ökosystemen Schaden zufügen.“ Sie fordert die Politik in den Vereinigten Staaten und weltweit auf, sich „den ernüchternden Bericht vor Augen zu halten und ihre langjährige Vorliebe für kleine Schritte auf der Seite zu lassen“.

Hört die Politik auf die Wissenschaft?

Das Stichwort „letzte Warnung“ taucht in mehreren der insgesamt 24 vom Netzwerk zusammengestellten Zitate von Vertreter*iunnen von Mitgliedsorganisationen auf. „Die wichtigste Aktualisierung der Klimaforschung binnen eines Jahrzehnts (…) könnte die letzte Warnung sein“, mahnt zum Beispiel Simon Bradshaw vom Climate Council of Australia. Bereits jetzt richte der Klimawandel weltweit Verwüstungen an, argumentiert Bradshaw und unterstreicht: „Unsere Entscheidungen von heute machen den Unterschied zwischen einer lebenswerten Zukunft für die jungen Menschen und einer, die unvereinbar mit funktionierenden menschlichen Gesellschaften ist.“

Dass es jetzt auf jede Entscheidung ankommt, ist eine ebenfalls wiederkehrende Überlegung. „Jeder Bruchteil eines Grades [klimabedingten Temperaturanstiegs] zählt für die Menschen, die sich schon jetzt in vorderster Linie gegenüber der Klimakatastrophe wiederfinden“, hebt zum Beispiel Chikondi Chabvuta von CARE Malawi hervor. „Mit jedem Bruchteil eines Grades wird es schwieriger für verwundbare Gruppen, aus dem Kreis von Armut und Ungleichheit auszubrechen, der mit dem Klimawandel einhergeht.“

Gerechtigkeit und Glück mit 1,5 Grad

Mehrere Stellungnahmen gehen logischerweise auch auf die Notwendigkeit ein, dem globalen Süden nicht nur bei der Dekarbonisierung, sondern auch bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Stephan Singer von CAN hält fest: „Dieser Bericht sagt uns auch, dass extreme Wetterereignisse sich wiederholen angesichts des jetzigen Tempos der Erderwärmung. Das bedeutet, dass dringend mehr Unterstützung benötigt wird bei der Anpassung und der Kompensierung von Schäden, insbesondere für verwundbare Gemeinschaften in armen Ländern.“

Dem Fatalismus, in den man angesichts dieser Zitate verfallen könnte, wirkt die hoffnungsvolle Aussage von Steve Trent von der Environmental Justice Foundation entgegen: „Wenn wir den Klimaschutz ehrgeizig angehen, auf der Basis von Umweltgerechtigkeit, werden wir in Zukunft neue Jobs und eine wirtschaftliche Neubelebung sehen, und eine Intensivierung unseres Verhältnisses zur Natur, die uns glücklicher und gesünder machen wird.“

 


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