BEAMTENSTATUT: Weichenstellung

Im Kampf gegen die Rentabilitätslogik halten die EisenbahnerInnen an ihrem Statut fest. Das ist gerechtfertigt, bringt aber nicht automatisch sozialen Fortschritt.

In den vergangenen Wochen wurde viel über die CFL-Strategie diskutiert. Bei der Bilanzpressekonferenz der Eisenbahn-Direktion und bei der Militantenkonferenz der Gewerkschaften wurden Argumente aufgetischt, die seit Monaten bekannt sind. Keine Überlebenschance ohne Sparmaßnahmen, so die einen, keine Reformen ohne die Belegschaft einzubeziehen, so die anderen. Dabei geht es vor allem darum, Einfluss zu nehmen auf das Koalitionsabkommen, das derzeit zwischen CSV und LSAP ausgehandelt wird.

Inhaltlich also nichts Neues, wäre da nicht eine kleine Bemerkung, die der Präsident des CFL-Verwaltungsrats, Jeannot Waringo, bei der Bilanzpressekonferenz fallen ließ. mehr lesen / lire plus

KOALITIONSVERHANDLUNGEN: Roter Punkt im schwarzen Feld

Das Stück vom Koalitionskuchen, das sich die LSAP abschneidet, wird nicht sehr groß ausfallen. Und es könnte vergiftet sein.

LSAP-Wahlkampf: 99 Luftballons, 100-Punkte-Programm. Wie viele werden die Koalitionsverhandlungen überleben?
(Foto: Christian Mosar)

Jean Asselborn ist wegen seiner direkten und freundlichen Art in der Partei allgemein beliebt. Doch es gibt auch Mitglieder, die den LSAP-Parteipräsidenten nicht mögen. Die erzählen derzeit hämisch, ihr Spitzenkandidat lerne fleißig Englisch im Hinblick auf den ihm zustehenden Posten als Außenminister. Man malt sich dabei die verzweifelten Bemühungen des Gemeinde- und Parteipolitikers aus, sich im Schnellverfahren das Handwerkszeug des echten Jet-Set-Politikers anzueignen. Und sein enttäuschtes Gesicht, wenn Jean-Claude zu ihm sagen wird: „Jhang, du hast das doch nicht ernst gemeint?“

Dass Jean Asselborn nicht der geborene Außenpolitiker ist, wusste man spätestens, als er vor 16 Monaten Erklärungen stammelte, warum seine Partei gegen den Irak-Krieg ist. mehr lesen / lire plus

THEATER: Ein Cineast auf Spurensuche

Hundert Jahre Luxemburger Geschichte auf tänzerische Art und Weise erzählt: In Paul Kieffers „Dancing“ ist der eigentliche Hauptdarsteller ein Ballsaal.

„Ich bringe viel vom Film ins Theater mit ein“: Der Regisseur Paul Kieffer nutzt Traumbilder und Rückblenden für seine Arbeiten auf der Bühne

Die Zeit drängt. Bevor die Gäste kommen, müssen noch die Aschenbecher auf die Tische. Der Kellner folgt den Anweisungen seiner strengen Wirtin. Im Stile eines Quasimodo humpelt Thierry van Werveke von Tisch zu Tisch. Dann kommen die Damen: Eine nach der anderen betritt den Ballsaal. Wie Models auf dem Laufsteg stellen sie sich vor das imaginäre Publikum im Proberaum des Grand Théâtre: eine voluminöse Blondine im fortgeschrittenen Alter, eine zierliche Rothaarige, die vor Nervosität an ihrem schwarzen Kleidchen zupft, ein verhuschter Engel mit Rüschenkleid, eine Schickimicki-Lady mit Sonnenbrille und Hut, die die Blicke sämtlicher Männer auf sich zieht. mehr lesen / lire plus

FRANCOIS FRAVAT: Si j’existe c’est d’être fan

Avec son premier long métrage, le réalisateur François Favrat brosse le portrait d’une relation équivoque entre admiration et amitié.

Une femme au bords de la crise de nerfs: Claire (Karin Viard) frôle la dépression, lorsque sa rencontre avec une actrice célèbre bouleverse son existence.

Le mirage de la célébrité est un sujet déjà maintes fois traité. Nombreux sont ceux qui rêvent de côtoyer les stars, de pénétrer dans leur intimité. Chaque semaine, les magazines people, que tout le monde rejette publiquement, cartonnent dans les librairies. Le monde des vedettes plaît et fait rêver.

Cette fascination, Claire (Karin Viard) la connaît bien. mehr lesen / lire plus

PIXAR-PRODUCTIONS: Shrek 2

Im Utopolis

MIt Nemo kann der ungehobelte Oger nicht ganz mithalten. „Shrek 2“ ist bei weitem nicht so clever wie die Pixar-Produktionen: Der Film setzt zu sehr auf die amüsante, aber auf die Dauer vorhersehbare Verballhornung bekannter Märchenklischees, und die hauchdünne Story schrammt manchmal haarscharf am Kitsch vorbei. Trotzdem dürfte niemand den Kinosaal enttäuscht verlassen. Antonio Banderas alias der gestiefelte Auftragskiller-Kater entschädigt für manches Klischee und auch der Soundtrack bietet angenehme Überraschungen. mehr lesen / lire plus

PAUL LE FLEM: Au-delà des idées reçues

Timpani, 2004, 21 €.

En marge des courants et du temps Paul Le Flem (1881-1984), fidèle à sa Bretagne natale, fait revivre dans sa musique les mélodies celtiques sur les bases de la musique polyphonique. Ces oeuvres, peu jouées, soit par préjugé soit par ignorance, se démarquent du snobisme frivole qui papillonne en toute saison dans le cercle immuable des idées reçues et du discours mondain. Son Quintette pour piano et cordes ainsi que la Sonate pour violon et piano témoignent de son attachement aux formes réduites. Le Quatuor Louvigny a le grand mérite de nous faire découvrir cette musique d’une originalité désarmante. mehr lesen / lire plus

WILCO: Zwischen Genius und Tinnitus

„A ghost is born“, Nonesuch Records, 2004.

„Less than you think“ heißt einer der Songs auf der neuen Wilco CD A ghost is born, und am Ende des Tracks ist ein zehnminütiges Fiepen zu hören. Ein Kunde auf Amazon erklärte, dass sich bei näherem Hinhören tatsächlich wahre Schönheit aus dem Geräusch entwickele. Etwas Reines, Ursprüngliches, so makellos wie das ganz in weiß gehaltene Plattencover. Maik Brüggemayer schwärmte im Rolling Stone diese Songs seien unbewohnte Räume, die man erst noch einrichten müsste. Auf das großartige Album „Yankee Foxtrott Hotel“ aus dem Jahre 2002 lässt Wilcos Mastermind Jeff Tweedy mit A ghost is born ein fahriges, schemenhaftes Opus mit Experimental-Musik folgen, auf dem nur vereinzelte Titel wirklich überzeugen können. mehr lesen / lire plus

I-TUNES: i-Frust

www.apple.com/itunes

Wie bitte, i-Tunes hat sich in Luxemburg niedergelassen? Dieser tolle Online-Shop, bei dem man ganz legal Musik herunterladen kann … für 99 Cent das Stück, immerhin. Zur Neugier kommen die Erfahrungen aus der benutzerfreundlichen Apple-Computer-Welt hinzu. Also mal schnell i-Tunes ausprobieren. Der erste Versuch schlägt fehl: Die Adresse itunes.lu gibt’s nicht. Fündig wird man unter www.apple.com/itunes: „Kaufen Sie Musik legal per Mausklick“, heißt es dort. Doch so viel man auch klickt, auf dem Bildschirm erscheinen nur Erklärungen, was i-Tunes alles zu bieten hat. Ach ja, dieser Knopf „Laden Sie i-Tunes“. Man muss erst eine spezielle Software installieren. Die ist 19,7 Megabyte schwer und läuft nur unter Windows XP und System X – also auf keinem der woxx-eigenen Macs. mehr lesen / lire plus

www.buddyhead.com: Knigge für Rockfans

Gibt es etwas Schöneres als einen ordentlichen Verriss? Auf www. buddyhead.com gibt’s derer viele, meist illustriert mit dem entsprechenden Gesichtsausdruck des ewig gestrigen Axl Rose. Nur wenige Platten finden Gnade in den Ohren der Macher, dabei stecken sie selbst bis zum Hals im Business, immerhin veröffentlichen sie als Plattenfirma Acts wie The Icarus Line. Aber die sind natürlich cool, also gibt’s keine Interessenkonflikte. Auf der Seite finden sich nicht nur gnadenlose CD-Besprechungen, sondern auch viel Hämisches über Metall-Fans zum Beispiel. Die Hitlisten mit den besten und schlechtesten Veröffentlichungen der vergangenen Jahre sind äußerst aufschlussreich. Am Interessantesten sind aber zweifellos die Benimmregeln für Bandmitglieder und ZuschauerInnen bei Rockkonzerten. mehr lesen / lire plus

CLAUDINE MUNO: Coole Frigo

Op der lay, 2003. Isbn 2-87967-106-x

Wou huet et dat alles hier, déi Strutz vu knapps 25 Joer? Wat d’Schrëftstellerin (a woxx-Redactrice) Claudine Muno an hirem Roman „frigo“ alles zerwéiert, léisst op eng erstaunlech Liewenswäisheet schléissen. Entweder, si huet schnell a vill gelieft, oder si ass extrem douéiert fir d’Lëtzebuerger Klengfamill an all hire Facetten ze beschreiwen. En Hang zum absurden Humor vermëscht sech an dësem Roman mat enger gewësser Tristess, awer och mat vill Poesie. Wann d’Muno d'“Zallamangee“ lies d’Gebëss vun der verstuerwener Groussmamm lieweg gi léisst, dann erënneren déi Passage scho bal u Boris Vian. Virun allem awer ass si eng Meeschtesch vun der Sprooch: Dat kënnt esou säfteg-defteg dohier, dass een direkt spiert: Déi Fra huet keng Angscht virun der Sprooch, déi mécht och kee Gedeessems domat, déi ass einfach an hirem Element. mehr lesen / lire plus

RAOUL ZELIK: Kotzen in der Fremde

„Bastard – die Geschichte der Journalistin Lee“, Assimilation A, 15 Euro, ISBN 3-935936-25-7

Die „Süddeutsche Zeitung“ sagt ihm schon eine Karriere als „Manu Chao der deutschen Popliteratur“ voraus – ein blöder Vergleich. Denn Manu Chao singt fröhlich-engagierte Texte. Die Sprache, die Raoul Zelik in seinem jüngsten Roman Bastard verwendet, ist hingegen grimmig, manchmal vielleicht etwas zu bemüht sarkastisch. Heutzutage ist es eben schick, radikal und respektlos zu schreiben, und mit vielen Anglizismen. Engagiert aber ist seine Geschichte. Carla Lee ist eine Studentin unserer Zeit. 27 Jahre jung, in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihr Vater ein koreanischer Gewerkschaftsführer. Als „Assimilationskanakin“ oder „Schlitzauge“ im Deutschland nach Solingen und Hoyerswerda, als Bulimie-Kranke im eigenen Körper – Fremdsein ist Lees großes Thema. mehr lesen / lire plus