Keine Angst vor Airbnb?

In den Antworten auf zwei parlamentarische Anfragen sieht Wirtschaftsminister Étienne Schneider in Airbnb keine Gefahr für die luxemburgische Tourismusbranche. Die Realität auf dem Wohnungsmarkt ließ er dabei außer Acht.

Mit der App ins Ferienparadies – oder noch tiefer in die Wohnungsmarktkrise? (Foto: Tero Vesalainen/pixabay)

Gleich zwei CSV-Abgeordnete stellten jeweils eine Frage zu der Plattform, die Buchung und Vermietung von Ferienunterkünften anbietet. Ursprünglich richtete Airbnb sich an Privatleute, die ein Zimmer oder lediglich eine Couch vermieten wollten, weswegen das Unternehmen der sogenannten „Sharing Economy“ zugerechnet wurde. Mittlerweile gibt es jede Menge kommerzielle Anbieter*innen, die ihre Wohnungen dauerhaft vermieten.

Über Airbnb werden auch Unterkünfte in Luxemburg angeboten, weswegen sowohl Claudine Konsbrück (bereits im Juli) als auch Léon Gloden (im September) vom Wirtschaftsminister wissen wollten, welche Auswirkungen das auf die klassische Hotelbranche hat und welche gesetzlichen Bestimmungen die Anbieter*innen einhalten müssten.

Alternativer“ Tourismus …

2017 sollen laut Schneider 70.000 Übernachtungen mittels Airbnb getätigt worden sein, denen beinahe drei Millionen Übernachtungen in Hotels, auf Campingplätzen, usw. gegenüberstehen. Kein Grund zur Besorgnis also, denn Airbnb und die „Sharing Economy“ zögen eine neue Klientel an, die „alternative“ Übernachtungsmöglichkeiten und „andere Reiseerfahrungen“ suche. Die Situation in Luxemburg sei also nicht mit Städten wie Paris, Amsterdam oder Barcelona zu vergleichen, in denen die Nachfrage nach touristischen Unterkünften sowieso enorm hoch sei.

Die Anbieter*innen solcher „alternativer“ Übernachtungsmöglichkeiten müssen sich an die Bedingungen mit Mietgesetz, wie sie zum Beispiel für möblierte Zimmer gelten, halten. Außerdem müssen sie Meldescheine für Reisende ausfüllen und ihre Einkünfte melden.

Morgens gemeinsam frühstücken – das ist wohl eher Couchsurfing-Romantik als Airbnb-Realität. (Foto: freestocks-photos/pixabay)

Schneider zitiert in seiner Antwort auch eine Studie der Europäischen Kommission, laut derer Kund*innen der „Sharing Economy“ 2,1 mal länger bleiben würden als Hotelkund*innen. Außerdem würden sich die Tourist*innen besser im Stadtgebiet verteilen, weil die Unterkünfte sich oft nicht in den Zentren befänden. Aber auch die luxemburgische Regierung untersucht die sozioökonomischen Auswirkungen der „Sharing Economy“, im ersten Trimester 2019 soll diesbezüglich eine Studie vorgestellt werden. Dabei sollen auch die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt berücksichtigt werden.

und Gefahr für den Wohnungsmarkt

Den haben sowohl Konsbrück und Gloden als auch Schneider in Fragen und Antworten ausgespart, obwohl die Frage, wie weit die ohnehin schon astronomischen Preise durch Airbnb noch zusätzlich steigen, durchaus politischen Zündstoff enthält. Während sich Schneider in seinen Antworten durchgehend auf die „Sharing Economy“ bezieht, zeigt eine Recherche auf Airbnb schnell, dass jene Anbieter*innen, die lediglich ein Gästezimmer vermieten, in der Unterzahl sind. Über 150 Wohnungen in Luxemburg-Stadt und den Randgemeinden werden komplett vermietet, dazu kommen über 200 Einzelzimmer. Bei Letzteren überwiegen die Anzeigen, die klar machen, dass man sich nicht in ein Gästezimmer einmietet, sondern in einer Wohnung oder einem Haus einfach mehrere Zimmer über Airbnb angeboten werden und man sich Badezimmer und Küche mit anderen Tourist*innen teilt. Die Bewertungen der Gäste, die öffentlich einsehbar sind, bestätigen dies ebenfalls.

Um Airbnb und „alternative“ Übernachtungsmöglichkeiten hat sich auch in Luxemburg eine regelrechte Industrie entwickelt. Der Dienst „mybnb“ bietet Eigentümer*innen an, ihre Wohnung auf Airbnb zu vermieten und sich um alles zu kümmern: Fotos, Anzeige, Reinigung, Schlüsselvergabe, usw. Hinter Mybnb steckt die Immobilienagentur Altea, die mit ihrem Dienst furnished.lu laut eigenen Angaben über 700 möblierte Zimmer anbietet. Die Grenzen zwischen Tourismus, Kurzzeit-Wohnungen für Angestellte von EU-Institutionen und Finanzplatz sowie dem Wohnungsmarkt scheinen zunehmend zu verschwimmen.


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