KRIMINALITÄT: Filmreif inszeniert

Die angebliche Unsicherheit im Luxemburger Bahnhofsviertel ist zum Medienthema avanciert. Dabei wird in populistischer Manier der Bogen zur Asyldebatte geschlagen.

Eine leere Whiskey-Flasche liegt auf der regennassen Straße. Im Hintergrund ist der Luxemburger Bahnhof zu erkennen – und ein Mann mit dunkler Hautfarbe. Mit diesem kunstvoll komponierten Foto beginnt diese Woche die Zeitschrift Revue ihre Reportage über Missstände im hauptstädtischen Bahnhofsviertel. Ein paar Seiten weiter schaut eine Polizistin einem Afrikaner in den Mund. Der dazu gehörende Text handelt von „schwarzafrikanischen Asylantragstellern“, in deren Hand sich angeblich der Heroin- und Kokainhandel im Bahnhofsviertel befindet, sowie von Junkies, die auf Raubzug gehen und Leute anpöbeln. mehr lesen / lire plus

THEATER: „Es hat gejuckt zu spielen“

Marc-Sascha Migge spielt die unterschiedlichsten Rollen an verschiedenen Luxemburger Bühnen. Das Theater lässt den jungen Schauspieler nicht mehr los.

Ausprobieren als Devise: Bald wird Marc-Sascha Migge unter anderem in dem Stück „Héi ass et schéin“ von Jean-Paul Maes und in Martin McDonaghs „Der Kissenmann“ zu sehen sein.

Leidenschaft, Sehnsucht und gegenseitige Schuldzuweisung – davon handelt „Miss Sara Sampson“ von Gotthold Ephraim Lessing. Jean-Paul Maes hat das Stück, das vor fast 250 Jahren die TheaterzuschauerInnen zum Weinen brachte und mit dem Lessing die Tradition des bürgerlichen Trauerspiels begründete, entrümpelt und auf die Bühne des Kapuzinertheaters gebracht. Denn dass Liebesbeziehungen entstehen und sich wieder verlieren, kann nicht zeitloser sein. mehr lesen / lire plus

SCHULE: Klassenziel in weiter Ferne

Soziale Ungleichheit, steigende Schülerzahlen, schlechtes
Abschneiden im internationalen Vergleich – die neue Erziehungsministerin Mady Delvaux-Stehres steht unter Zugzwang.

„Es gibt wenig gute Schüler, aber ganz viel schlechte.“ Guy Foetz‘ Urteil über das Niveau des Luxemburger Schulsystems ist vernichtend. Der Vize-Präsident des Syndikats Erziehung und Wissenschaft (SEW) fügte bei der Pressekonferenz der Lehrergewerkschaft am vergangenen Dienstag noch hinzu: „In anderen Ländern ist es eher gelungen, eine wesentlich höhere Zahl an guten Schülern zu haben.“

Wieder gibt es – vier Jahre nach Pisa – eine Studie der „Organization for Economic Cooperation and Development“ (OECD). Dabei hat Luxemburg nur bedingt an dem internationalen Vergleich teilgenommen. mehr lesen / lire plus

WALTER SALLES: Diarios de Motocicleta

Der brasilianische Erfolgsregisseur
Walter Salles verfilmt Che Guevaras „Diarios de Motocicleta“ und stößt dabei an die Grenzen des Road Movies.

Eine Odyssee durch Südamerika: Alberto Granado (Rodrigo de la Serna) und Ernesto Guevara (Gael Garcia Bernal) in der Atacama-Wüste.

Zwei junge Argentinier steigen 1952 in Buenos Aires auf ein altes Motorrad und begeben sich auf eine lange Fahrt. Mehr als ein halbes Jahr lang durchqueren sie Südamerika. Die Reise führt sie zuerst in die unermessliche Weite Patagoniens, dann nach Chile, Peru, Kolumbien und Venezuela. Einer der beiden, Ernesto „Che“ Guevara, wird später Revolutionär in Kuba an der Seite von Fidel Castro und – nach seiner Ermordung durch die bolivianische Armee 1967 – ein Märtyrer der Linken und weltweites Idol der Popkultur. mehr lesen / lire plus

KEN LOACH: Ironie als Schmerzmittel

Ken Loachs „Ae Fond Kiss“ zeigt, wie schwer es für zwei Liebende ist, sich gegen die überkommenen Traditionen durchzusetzen. Und wie leicht es sein kann, statt eines Melodrams eine Tragikomödie zu drehen.

Pakistanischer Romeo trifft irische Julia in Schottland; Atta Yaqub und Eva Birthistle in „Ae Fond Kiss“.

Die Familie als ein Ort proletarischer Identität ist eines der Themen, mit denen sich der britische Regisseur Ken Loach in seinen Filmen oft auseinandergesetzt hat. Sie ist das letzte Rückzugsgebiet seiner Helden, oft aber auch das Schlachtfeld, auf denen Konflikte ausgetragen werden – und nicht zuletzt ist sie das Spiegelbild einer zerrissenen Gesellschaft. mehr lesen / lire plus

SCHULE: Ghetto oder neue Chance

Für die einen sind sie Störenfriede, für die anderen Opfer: Verhaltensauffällige PrimärschülerInnen sollen künftig in einer Classe de Transition soziale Kompetenzen erlernen.

Felix* geht wieder gerne zur Schule. „Er hat keine Angst mehr“, sagt seine Mutter. Zuerst hatte der Junge eine Primärschule in der Hauptstadt besucht. In seiner Klasse sei er immer wieder von Mitschülern gehänselt worden. „Das ging bis zu Prügeln. Dabei hat sich besonders einer als Rädelsführer hervorgetan“, erzählt die Mutter. „Er hat Felix geschlagen und ihm das Leben zur Qual gemacht. Doch nicht nur unseren Jungen hat er terrorisiert. Er hat auch ständig den Unterricht gestört.“ Felix‘ Eltern reagierten, indem sie ihren Sohn von der Schule nahmen und ihn an einer anderen anmeldeten. mehr lesen / lire plus

FLÜCHTLINGE: Lauter Präzedenzfälle

Einheit nur in der Ablehnung: Die italienische Regierung kriminalisiert Flüchtlingshelfer, und die deutsche blockt ab, indem sie auf die Drittstaatenregelung verweist. Derweil schiebt Luxemburg weiter AsylbewerberInnen ab.

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Cap Anamur mehr als zehntausend vietnamesische Flüchtlinge im südchinesischen Meer rettete. Erst kürzlich setzte die Flüchtlingshilfsorganisation ein neues Rettungsschiff ein. Im Juni nahm dieses im Mittelmeer 37 Flüchtlinge aus dem Sudan auf. Die dreiwöchige Odyssee der neuen „Cap Anamur“ endete erst vor wenigen Tagen.

Einen „gefährlichen Präzedenzfall“ hätten die Flüchtlingshelfer damit geschaffen, sagte Italiens Justizminister Roberto Castelli. Schließlich gilt den EU-Staaten die italienische Küste ob ihrer Durchlässigkeit für unerwünschte ImmigrantInnen als heikel, weshalb die Regierung in Rom besonders bemüht ist, die Grenzen ihres Landes dicht zu halten. mehr lesen / lire plus

DOPING: Kleinerer Abstand

Luxemburg passt sich dem weltweiten Anti-Doping-Code an, einem internationalen Regelwerk zur Bekämpfung des Dopings. Derweil gibt es immer wieder neue Mittelchen für Sportler, um schneller, stärker und besser zu werden.

Huch, Dopingkontrolle!

Der Doping-Verdacht fährt mit, wenn Lance Armstrong bei der Tour de France dem gelben Trikot hinterher jagt. Der fünffache Tour-Sieger weist die Vorwürfe des britischen Journalisten David Walsh kategorisch zurück. Dieser behauptet in seinem zwei Wochen vor Tour-Beginn erschienenen Buch „L. A. Confidential“, Armstrong habe gedopt. Als Zeugen hat Walsh unter anderem einen ehemaligen Teamkollegen des Texaners und einen Mannschaftsarzt aufgefahren.

Gedopt werde in jeder Sportart, sagen Experten. Dass der Radsport dabei besonders in Verruf geraten ist, ist vor allem dem Skandal um den Radrennstall Festina bei der Tour de France 1998 zu verdanken. mehr lesen / lire plus

TOBI BAUMANN: Der Wixxer

Im Kino gewesen, gelacht: Kein Wunder, denn Regisseur Tobi Baumann feuert eine Gag-Salve nach der anderen ab. Dass dabei einige Witze voll daneben gehen, könnte man als Streuverlust werten. Aber in der phasenweise durchaus originellen Edgar-Wallace-Parodie sitzt vielleicht nur jeder fünfte Kalauer. Eine halbstündige Comedy- Show – Regisseur Baumann kommt aus diesem Fach – hätte es auch getan. Für eine abendfüllende Kinounterhaltung bietet „Der Wixxer“ hingegen zu viele Rohrkrepierer.

Im Utopolis. mehr lesen / lire plus

THEATER: Ein Cineast auf Spurensuche

Hundert Jahre Luxemburger Geschichte auf tänzerische Art und Weise erzählt: In Paul Kieffers „Dancing“ ist der eigentliche Hauptdarsteller ein Ballsaal.

„Ich bringe viel vom Film ins Theater mit ein“: Der Regisseur Paul Kieffer nutzt Traumbilder und Rückblenden für seine Arbeiten auf der Bühne

Die Zeit drängt. Bevor die Gäste kommen, müssen noch die Aschenbecher auf die Tische. Der Kellner folgt den Anweisungen seiner strengen Wirtin. Im Stile eines Quasimodo humpelt Thierry van Werveke von Tisch zu Tisch. Dann kommen die Damen: Eine nach der anderen betritt den Ballsaal. Wie Models auf dem Laufsteg stellen sie sich vor das imaginäre Publikum im Proberaum des Grand Théâtre: eine voluminöse Blondine im fortgeschrittenen Alter, eine zierliche Rothaarige, die vor Nervosität an ihrem schwarzen Kleidchen zupft, ein verhuschter Engel mit Rüschenkleid, eine Schickimicki-Lady mit Sonnenbrille und Hut, die die Blicke sämtlicher Männer auf sich zieht. mehr lesen / lire plus

COEN-BRÜDER: The Ladykillers

Im Utopolis und im Orion

Was ist nur in die Coen-Brüder gefahren? Die sonst für ihren skurrilen Humor bekannten Filmemacher liefern einen schwachen Abklatsch des fast 50 Jahre alten Alec-Guinness-Klassikers. Dem Streifen fehlt es an Charme, die Witze sind platt, und die Schauspieler bieten – inklusive Tom Hanks, aber außer Irma P. Hall – Genre-Stereotypen. Nach diesem überflüssigen Remake brauchen die Coens dringend eine Frischzellenkur. mehr lesen / lire plus

GEWERKSCHAFTEN: Im eigenen Saft

Die Arcelor- Umstrukturierung zeigt: Den Luxemburger Gewerkschaften bläst der Wind der Globalisierung ins Gesicht. Noch kann der Stellenabbau kompensiert werden – noch.

„Wir haben auf der ganzen Linie gewonnen.“ OGBL-Präsident John Castegnaro zeigte sich bereits nach der Stahl-Tripartite am 10. Juni als Matchwinner. Der von der Arcelor geplante Abbau von 500 Stellen in Luxemburg kann unter anderem damit kompensiert werden, dass die Vorruhestandsregelung auf die Jahrgänge 1948 bis 1951 ausgedehnt wird. „Es wird niemand entlassen“, hatte Premierminister Jean-Claude Juncker bereits im Frühjahr die um ihre Jobs bangende Belegschaft beschwichtigt, nachdem der Stahlkonzern sein Umstrukturierungsprogramm „Lux 2006“ bekannt gemacht hatte. Der Staat kann also den Stellenabbau mit sozialen Maßnahmen abfedern. mehr lesen / lire plus

PACS: Jein zum Ja-Wort

In Frankreich hat ein Bürgermeister zwei Männer getraut. Luxemburg bekommt unterdessen den Pacs. Doch eine Gleichberechtigung für Homosexuelle bedeutet dies noch lange nicht.

Noël Mamère hat es geschafft. Indem er am vergangenen Samstag zwei Männer miteinander verheiratete und damit die erste gleichgeschlechtliche Ehe Frankreichs schloss, hat der Bürgermeister des Gironde-Städtchens Bègles und Präsidentschaftskandidat von 2002 die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gelenkt – und die Homo-Ehe zum Thema im französischen EU-Wahlkampf gemacht. Ob die Ehe auch rechtskräftig ist, steht auf einem anderen Blatt. Bereits im Vorfeld hatte der Staatsanwalt von Bordeaux darauf hingewiesen, dass sie gegen den Code Civil verstoße. Justizminister Dominique Perben warf Mamère sogar Amtsmissbrauch vor. mehr lesen / lire plus

EISENBAHN: Abgehängt

Die internationalen Hochgeschwindigkeitszüge fahren an Luxemburg vorbei. Der hiesigen Eisenbahn droht das Abstellgleis.

Der Ort des Treffens besaß hohen Symbolgehalt: Die beiden Eisenbahnergewerkschaften aus Belgien und Luxemburg wollten sich am Mittwoch in Jemelle auf halbem Wege entgegenkommen, um gegen die Verschleppung des Bahnprojekts Eurocap-Rail zu protestieren. Das Projekt soll die drei Europa-Hauptstädte Straßburg, Luxemburg und Brüssel miteinander verbinden. Auf der Teilstrecke zwischen den beiden letzteren Städten liegt der Bahnhof von Jemelle – fast genau in der Mitte.

Im besten Fall zwei Stunden und 13 Minuten dauert die Fahrt mit dem Zug von Luxemburg nach Brüssel. Für viele Reisende zu lange, denn die Züge zwischen den beiden Städten fahren mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometer. mehr lesen / lire plus

MARLON BRANDO: Retrospektive

Drei Filme aus jeweils einer Schaffensphase des Schauspieltitanen Marlon Brando zu dessen 80. Geburtstag: Die Rolle des Boxers und Gelegenheitsarbeiters Terry Malloy in Elia Kazans atmosphärisch dichtem Meisterwerk „On the Waterfront“ (1954) brachte ihm einen Oscar ein. Als exzentrischer Kopfgeldjäger Lee Clayton in „The Missouri Breaks“ (1975) rettet er einen eher schwachen Film. Der Anti-Apartheid-Film „A Dry White Season“ (1989) markiert Brandos Rückkehr auf die Leinwand nach neunjähriger Abstinenz. In einem 15-minütigen Auftritt brilliert der füllig gewordene Star als Bürgerrechts-Anwalt.

In der Cinémathèque mehr lesen / lire plus