Gothic Rock
: Die unbarmherzigen 
Schwestern

Obwohl sie nach einem Leonard Cohen Song benannt sind, haben die „Sisters of Mercy“ wenig mit sanften Klängen gemein. Sie bringen eher die 1980er wieder zum Leben, als fette Synthesizer auf düstere Gitarren trafen und so den Goth Rock hervorbrachten.

Ein Mann und sein Drum-Computer retten … zumindest den Abend.

Erbarmen haben „The Sisters of Mercy“ nicht mit ihren Fans. Denn auch noch nach 30 Jahren fordert das musikalische Erzeugnis der britischen Post Punk Szene bei seinen Liveauftritten Jung, aber vor allem Alt, einiges ab. Das Durchhaltevermögen und die Treue der Fans hängen nicht zuletzt auch damit zusammen, dass der eigen- und einzigartige Sound der „Sisters“ die Musikwelt nachhaltig beeinflusst hat. mehr lesen / lire plus

Gruppenausstellung: Halbwegs unpolitische 
Zweckentfremdung


Die ehemalige Banque de Luxembourg ist seit einiger Zeit Zielort einer Kunstinvasion. Unter der Ägide von Rafael Springer stellen mehrere KünstlerInnen gleichzeitig in den Büroflächen aus.

Trotz ihrer stattlichen Fläche (immerhin 3.000 Quadratmeter) und des guten baulichen Zustands erinnert die ehemalige Banque de Luxembourg im Bahnhofsviertel mit ihrem düsteren Intérieur an sogenannte „Lost Places“. Nun werden die Räumlichkeiten mithilfe von Kunst neu belebt. Wer jedoch einen tieferen Sinn oder gar eine politische Botschaft hinter der künstlerischen Besetzung des Gebäudes vermutet, liegt falsch. „Ich war es satt, an Orten auszustellen, die nicht sauber sind“, lautet die Erklärung des freischaffenden Malers und Bildhauers Rafael Springer, der eher zufällig, durch Gespräche mit den richtigen Kontakten, auf diese großflächigen Ausstellungsräume stieß. mehr lesen / lire plus

Kollektivausstellung
: Dreifaltigkeit

Kunst hoch drei: Im KM9 finden drei grundverschiedene KünstlerInnen eine gemeinsame, nonverbale Kommunikationsebene. Die dargebotene Bildsprache verspricht ein spezielles Erlebnis.

Ein arrangierter „flotter Dreier“. Eine Frau, zwei Männer. In einer Kunstgalerie. Bei diesem Plot fühlt man sich ein wenig an Gina in Woody Allens „Everything You Always Wanted to Know About Sex“ erinnert, die erst an diesem Ort der bildenden Kunst Lust auf Sex bekommt. Es könnte um eine leidenschaftliche Zusammenkunft gehen, und tatsächlich entsteht sie auch. Aber anders, als vielleicht angenommen.

„Threesome“. Einer der laut GQ-Magazin am häufigsten eingegebenen Suchbegriffe auf der Pornoseite „Pornhub“. Eigentlich steht der Begriff für den insgeheim gehegten Wunsch vieler Menschen, wenigstens einmal in ihrem Leben zu dritt zu kopulieren. mehr lesen / lire plus

Annes Weltreise (Webexclusive):
 „Make Hummus not walls“

Meine Großmutter hat eine Gehbehinderung; sie wird Betlehem also wohl nie besuchen, geschweige denn dort umherspazieren können. Ich hatte ihr daher versprochen, an ihrer statt hinzufahren und Fotos zu machen.

(Fotos: Anne Schaaf)

Über den Checkpoint „300“ sollte ich in eine andere Welt gelangen. In Betlehem angekommen, machte ich als verwöhnte Europäerin zum ersten Mal die Erfahrung, wie beklemmend es ist, wenn man durch enge, vergitterte Flure schreiten muss, um eine (oder vielleicht mehrere?) Grenzen zu überschreiten. Es gilt dabei hinzuzufügen, dass BesucherInnen aus der Fremde es weitaus leichter haben, das palästinensische Gebiet zu betreten, als jene PalästinenserInnen, die, wenn auch nur für kurze Zeit, auf die andere Seite wollen. mehr lesen / lire plus

Annes Weltreise (6/6):
 Israel: Zwischen den Welten


 Einen Monat hat Anne Schaaf im Nahen Osten verbracht und bewegte sich dabei in verschiedenen Sphären und Mikrokosmen. Manchmal lagen an ein und demselben Ort Welten zwischen den verschiedenen Interpretationen dessen, was gerade passierte. Im letzten Teil des Berichts von ihrer Weltreise versucht sie, das Erlebte greifbar zu machen.

Eines der größten Ereignisse, die Tel Aviv jedes Jahr zu bieten hat: Die „Pride Parade“, auf der Israels LGBTI-Community gefeiert wird. (Foto: Anne Schaaf)

Wer nach Israel reist, merkt schnell, dass es sich bei diesem Ort keineswegs nur um ein politisches Staatsgebiet handelt. Da innerhalb des betreffenden Areals längst nicht nur Juden aus aller Welt leben, wird die jüdische Tradition ebenso mit moderneren Fassungen ihrer selbst konfrontiert, wie auch mit anderen Kulturen. mehr lesen / lire plus

Festival: Durchgeplanter 
Ausnahmezustand


Unsere freie Mitarbeiterin Anne Schaaf ist Teil des Teams, das derzeit die letzten Vorbereitungen für das Food for Your Senses-Festival trifft. Alles läuft auf Hochtouren, denn am 4. August ist es so weit. Ein kurzer Lagebericht.

Das Food for Your Senses-Festival steht schon seit vielen Jahren für ein abwechslungsreiches Programm, das gleich mehrere Sinne stimuliert. Nicht nur das eklektische Line-Up verspricht spannende Neuentdeckungen, sondern im „Container Village“ warten gleich mehrere Ausstellungen auf interessierte BesucherInnen. Unter dem Thema „Fusion“ haben junge Kunst-Aficionados monatelang mit anerkannten luxemburgischen KünstlerInnen zusammengearbeitet und präsentieren nun am ersten Augustwochenende ihre gemeinsamen Werke. Nebst der Stimulation für Hör- und Sehorgane, kommen dieses Jahr aber noch weitere „Spielwiesen“ hinzu. mehr lesen / lire plus

Multimedia Art: Die Kunst am 
Ende des Universums

Im Rahmen der multimedialen Ausstellung Eders im städtischen Mudam reizt der deutsche Künstler die Mehrdeutigkeit des Begriffs „psychic“ aus und droht damit die BesucherInnen in den Wahnsinn zu treiben.

(©Remi Villaggi)

Martin Eder gilt als „Meister des schlechten Geschmacks“ und ist für eine ganz eigene subversive Art des Kitschs bekannt. Im Namen der Kunst vergreift er sich gerne an Kätzchen, Hasen, Pudeln und regelmäßig auch an jungen Mädchen – nur zur Motivfindung, versteht sich. Nun hat der bekennende Atheist sich einem Thema gewidmet, das, wenn ihm auch Kitsch nicht fremd ist, doch einiges mehr an Sprengkraft impliziert. Der gebürtige Augsburger lässt nämlich einen Konfettiregen aus Elementen von religiöser Symbolik, Esoterik und Paranormalem auf die BesucherInnen niedergehen. mehr lesen / lire plus

Annes Weltreise (5/6)
: Armenien. 
Kein Sommermärchen


Anne Schaaf hat Armenien mit einem Rucksack voller Puzzlestücke verlassen. Diesen schüttet sie nun aus und fügt die unterschiedlichen Eindrücke in mühevoller Kleinstarbeit zusammen, damit sich ein Gesamtbild von ihrer Reisestation im Kaukasus ergibt.


Die Erinnerung an bessere Zeiten: Für viele junge Armenier ist sie ein Trümmerfeld. Fotos: Anne Schaaf)

Die Töne, die in meinen Überlegungen zu Armenien mitschwingen, sind so unverwechselbar wie das Land selbst. Der Soundtrack zum Film in meinem Kopf wurde von System of a Down komponiert. Einer aus Armenien stammenden, aber in den USA lebenden Band, die meine Jugend geprägt hat. Mich hat schon immer beeindruckt, dass Serj Tankians Stimme trotz des Geschosshagels aus musikalischen Maschinengewehren stets unversehrt bleibt und das Gesamtgebilde in seiner subversiven Machart wie eine extrem energische, nicht abklingen wollende Kampfansage klingt. mehr lesen / lire plus

Annes Weltreise (4/6): Liebe in Zeiten von Pest und Cholera


Unsere Reisejournalistin Anne Schaaf hat inzwischen Südostasien verlassen und ist nun im Kaukasus angekommen. In ihrem Artikel zieht sie eine kurze Zwischenbilanz in Bezug auf das Reisen und seine – oftmals unliebsamen – Nebenwirkungen.

„Only towards a hopeless Armenia“ – Wandzeichnung in einer Metrostation der Hauptstadt Yerewan. (Foto: Anne Schaaf)

Ich bin seit 129 Tagen unterwegs. In dieser Zeit habe ich sechs Länder bereist und an mindestens 50 verschiedenen Orten meinen Rucksack aus- und wieder eingepackt. Gewichtstechnisch hat er permanent unter einer Art Jojo-Effekt gelitten, da ich Dinge verschenkt habe, aber regelmäßig auch wieder neue Erinnerungsstücke hinzukamen. Darunter befinden sich nur wenige gekaufte Gegenstände, und dies mit gutem Grund. mehr lesen / lire plus

Annes Weltreise (3/6): Stell dir vor, es gibt 
eine Hauptstadt und 
keiner geht hin

Anne Schaaf hat den März in Myanmar verbracht, jenem Staat, der seit seiner Öffnung im Jahr 2011 nicht nur verstärkt Reisende, sondern auch Investoren anzieht. Reiseportale und Agenturen locken mit Bildern von traumhaft schönen Landschaften, unberührten Heiligtümern und scheinbar wunschlos glücklichen Menschen. Unsere Reiseautorin hat versucht, sich der überzogenen Romantisierung des Landes zu widersetzen.

Eine von François Bauschs Inspirationen für die A3? 
Leere Autobahnen und Pagoden prägen Myanmar. (Foto: Anne Schaaf)

Schon als Kind mochte ich Hütten und mysteriöse, verlassene Orte. So war schnell klar, dass ich Naypyidaw, Myanmars vielbeschriebene Geisterstadt, die seit 2005 als neue Hauptstadt fungiert, unbedingt erkunden musste. mehr lesen / lire plus

Annes Weltreise (2/6): Good Evening Vietnam


Anne Schaaf hat mittlerweile Südostasien erreicht und denkt nach einer einmonatigen Reise vom Süden in den Norden Vietnams über Souvenirs, die Zukunft und die Enden der Welt nach.

Mobiler Kleiderladen in Hanoi. (Fotos: Anne Schaaf)

Hier sitz ich nun also im 6. Stock auf dem Balkon eines schmutzigen Hostels in Hanoi, lausche der Kakophonie von nicht nur gefühlten Millionen von Auto- und Zweiradhupen und muss meine Sitzposition alle drei Minuten ändern, weil ich von blauen Flecken übersät bin und eine prächtige Schürfwunde mein Knie ziert. Ein Einheimischer meinte kürzlich zu mir, diesen Körperschmuck bezeichne man in Vietnam als „Touristentattoo“. Ich habe also quasi Tagebuch auf meiner Haut geführt. mehr lesen / lire plus

Serie Annes „Weltreise“ (1/6): Kalte Pizza und verbrannte Pobacken


Pobacken und mehr – in Australien feiert man etwas anders.

2017 steht ganz im Zeichen von Kauderwelsch, durchgelatschten Birkenstock-Sandalen und unverständlichen Flugzeugdurchsagen, die so klingen, als würden mehrere „Sinnlos im Weltall“-Folgen gleichzeitig abgespielt. Anfang Januar hat Anne Schaaf deshalb bewusst die europäischen Gefilde verlassen, 
und nun stehen sechs Länder innerhalb von sechs Monaten auf 
der „bucket-list“.

Die ersten 32 Tage, die ich hauptsächlich in Südaustralien verbrachte, sind um, und während ich mich von physischem Gepäck trennen konnte, habe ich jetzt neue emotionale Päckchen zu tragen. Von deren Inhalt und Gewicht möchte ich erzählen. Wer sein eigenes Land verlässt, verlässt auch häufig eine Position in einem sozialen Gefüge. mehr lesen / lire plus