Italien
: Wellen nach rechts

In Italien nähert sich die vom Partito Democratico geführte Regierung in der Migrations- und Flüchtlingspolitik der rechten Konkurrenz an. Auf der EU-Innenministerkonferenz in Tallin wurde ein „Verhaltenskodex“ verabschiedet, der NGOs die Seenotrettung von Flüchtlingen erschweren soll.

Rettungsschiffe von NGOs sollen Flüchtlingen vor der libyschen Küste künftig nur noch ausnahmsweise zur Hilfe kommen können: Diese Geflüchteten wurden Anfang Juli von einem Schiff der schwedischen Küstenwache an Bord genommen und nach Catania in Italien gebracht; neun der insgesamt 650 aufgefundenen Personen waren da schon tot. (Foto: EPA/Orietta Scardino)

Unter Berufung auf den „gesunden Menschenverstand“ postete Matteo Renzi am Freitag vergangener Woche in den sozialen Medien des Partito Democratico (PD) die neue Parteilinie in der Migrationspolitik: „Ich möchte, dass wir uns von einer Art Schuldgefühl befreien. mehr lesen / lire plus

Freud und der Faschismus: Mit ergebenem Gruß


Der Titel reißerisch, die Ausführung anekdotisch: Ein Band über die vermeintliche Beziehung zwischen „Freud und Mussolini“ hält nicht, was er dem Anschein nach verspricht. Die Darstellung des katholisch-faschistischen Schulterschlusses gegen die italienische Psychoanalyse macht die Lektüre dennoch lesenswert.

Roberto Zapperis schmale Studie „Freud und Mussolini“ provoziert mit der Andeutung, es habe eine Verbindung zwischen dem Begründer der Psychoanalyse und dem italienischen Diktator gegeben. Motiviert wird der Titel durch eine Widmung Freuds an Mussolini, deren Entstehung nach Einschätzung des Autors nie hinreichend erklärt wurde. Zapperi gesteht, selbst regelrecht geschockt gewesen zu sein, als er den Text erstmals zu lesen bekam: „Benito Mussolini mit dem ergebenen Gruß eines alten Mannes der im Machthaber den Kultur-Heros erkennt. mehr lesen / lire plus

Italien
: Wer hat Angst vorm starken Mann


Die italienische Verfassung soll grunderneuert werden, wenn es nach dem Willen von Matteo Renzi geht. Das Referendum zur Reform wird über die politische Zukunft des Ministerpräsidenten entscheiden – und über die Aushöhlung der italienischen Demokratie.

Als „Verschrotter“ der alten Eliten ist er angetreten, nun jedoch will er vor allem die Verfassung ihres konsensualen Gehalts berauben: der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi. (Foto: Wikimedia)

Als „Verschrotter“ der alten Eliten ist er angetreten, nun jedoch will er vor allem die Verfassung ihres konsensualen Gehalts berauben: der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi. (Foto: Wikimedia)

Die letzten Umfragen prognostizierten den Gegnern des italienischen Verfassungsreferendums einen Vorsprung von mehreren Prozentpunkten. Doch Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Volksentscheid von Beginn an zu einem Plebiszit über seine Regierung stilisierte, gibt sich zuversichtlich, schließlich sei in diesem Jahr noch jede Wahlprognose falsch gewesen, warum sollte das ausgerechnet am 4. mehr lesen / lire plus

Italien
: Kassenschlager Frauenmord

Die Kooperation „BeFree“ begleitet Frauen, die Gewalt und Diskriminierung erfahren haben oder Opfer von Menschenhandel geworden sind. In Rom hat die woxx die Anti-Gewalt-Einrichtung „Donatella Colasanti und Rosaria Lopez“ besucht und mit „BeFree“-Mitarbeiterin Francesca De Masi über ihre Arbeit gesprochen.

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„Keine Zeit mehr, um zuzuschauen und still zu bleiben“: Seit Jahren machen AktivistInnen auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam, doch das Problem ist kulturell tief verwurzelt, sagt Francesca De Masi von „BeFree“. (Foto: Internet)

woxx: Die Anti-Gewalt-Einrichtung „Donatella Colasanti und Rosaria Lopez“, in der wir sind, befindet sich auf einem frei zugänglichen Gelände. Ist es nicht gefährlich, dass Gäste unkontrolliert in das Gebäude gelangen können?
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Italien
: Rettungsfond für Renzi


Das Beben, das der Entscheid zum Brexit ausgelöst hat, erfasst Italien besonders heftig. Es droht nicht nur die weitere Stärkung der Rechten, auch die italienische Bankenkrise hat sich im Auf und Ab der europäischen Aktienkurse verschärft.

Wo geht’s hier zum Renzit? 
Italiens Premierminister steht innenpolitisch unter Druck. Damit der nicht noch größer wird, muss Matteo Renzi sich auch gegen die Europapolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel behaupten. (Foto: Palazzo Chigi)

Wo geht’s hier zum Renzit? 
Italiens Premierminister steht innenpolitisch unter Druck. Damit der nicht noch größer wird, muss Matteo Renzi sich auch gegen die Europapolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel behaupten. (Foto: Palazzo Chigi)

In Bologna musste die Universitätsleitung aufgeregte Studierende beruhigen, die nach dem britischen Nein zur Europäischen Union um ihr Erasmus-Stipendium fürchteten. Die pragmatische Antwort lautete, die laufenden Programme seien nicht in Gefahr, schließlich würden sich die Austrittsverhandlungen über Jahre hinziehen. mehr lesen / lire plus

Italien
: Der Spuk der neuen Zeit


Neuer Bürgermeister von Neapel, neuer Hoffnungsträger der Linken? Der ehemalige Anti-Mafia-Staatsanwalt Luigi de Magistris soll nach dem Willen Vieler eine „linke Volksbewegung“ zusammenbringen. (Foto: Internet)

Neuer Bürgermeister von Neapel, neuer Hoffnungsträger der Linken? Der ehemalige Anti-Mafia-Staatsanwalt Luigi de Magistris soll nach dem Willen Vieler eine „linke Volksbewegung“ zusammenbringen. (Foto: Internet)

Mit Ressentiments und markigen Sprüchen hat der rechtsorientierte „Movimento 5 Stelle“ bei den Kommunalwahlen in Rom und Turin triumphiert. Lokalen Charakter sollte der Urnengang haben, doch nun ist er unversehens zu einem Testlauf für die anstehende Verfassungsreform avanciert.

Für den „Movimento 5 Stelle“ (M5S) war es eine Nacht der Superlative. Schon die ersten Hochrechnungen zur zweiten Runde der Kommunalwahlen vom Sontag ließen keinen Zweifel am Triumph seiner Kandidatinnen. Virginia Raggi war der Sieg zwar prognostiziert worden, doch übertraf ihr Ergebnis alle Erwartungen. mehr lesen / lire plus

Italien
: Komplizenschaft durch Gleichgültigkeit

In Italien wird nach dem brutalen Mord an Sara di Pietrantonio durch ihren ehemaligen Freund erneut über Feminizid diskutiert. Doch Programme gegen Gewalt an Frauen werden vernachlässigt und einigen Schutzeinrichtungen droht gar die Schließung.

„Sara non sarà“ (Sara wird nicht dabei sein): Mit paarweise angeordneten roten Schuhen wurde Anfang Juni in Rom und anderswo des Mordes an Sara di Pietrantonio und anderer Frauen durch ihre (Ex-)Partner gedacht. (Foto: Internet)

„Sara non sarà“ (Sara wird nicht dabei sein): Mit paarweise angeordneten roten Schuhen wurde Anfang Juni in Rom und anderswo des Mordes an Sara di Pietrantonio und anderer Frauen durch ihre (Ex-)Partner gedacht. (Foto: Internet)

Sonntagfrüh um vier Uhr herrscht wenig Verkehr auf der Via della Magliana. Monotone Wohnviertel säumen die kaum beleuchtete Ausfallstraße durch die staubig-schmutzige östliche Peripherie Roms. Aufgrund der Videoüberwachung anliegender Gebäude lässt sich jedoch erkennen, wie viele Autos am letzten Maiwochenende noch unterwegs waren und mit ihren Scheinwerferlichtern möglicherweise eine junge Frau erfassten, die um ihr Leben kämpfte. mehr lesen / lire plus

Emanzipation
: Der Staat als Feministin?

Die Programme nicht weniger europäischer Regierungen scheinen nicht zuletzt von feministischen Forderungen geprägt. Ein neues Buch wirft einen kritischen Blick auf diesen vermeintlichen Erfolg.

1372PolBuch1Gesetzlich garantierte Kitaplätze, 
verpflichtende Frauenquote in Aufsichtsräten, familienfreundliche Arbeitszeiten: Die familienpolitische Agenda so mancher europäischen Gesellschaft liest sich wie eine abgearbeitete feministische To-do-Liste. Die in Deutschland lebenden Autorinnen Lilly Lent und Andrea Trumann, die sich nach eigener Darstellung seit ihren Kindertagen über die Zwänge ärgern, die die Zuschreibungen von Weiblichkeit und Männlichkeit insbesondere im Hinblick auf die Reproduktionstätigkeiten mit sich bringen, nehmen verwundert zur Kenntnis, dass nicht nur in der Bundesrepublik „der Staat die Feministin spielt“.

Doch welche weibliche Unabhängigkeit und Autonomie wird hier gefördert? mehr lesen / lire plus

PränatalDiagnostik
: Das Kind wollen, 
das man wollen soll


Mit der vorgeburtlichen Untersuchung von Föten werden durchaus fragwürdige gesellschaftliche Normen reproduziert. Die Publizistin und woxx-Autorin Kirsten Achtelik hat ein Buch geschrieben, das queer-feministische Kritik an selektiven Schwangerschaftsabbrüchen und Entscheidungsfreiheit der Frau zu vereinbaren sucht.

Kinder nur nach Maß? In der Praxis erfolgt auf den normabweichenden Befund in der sogenannten Vorsorgeuntersuchung immer häufiger die Selektion. (Foto: Internet)

Kinder nur nach Maß? In der Praxis erfolgt auf den normabweichenden Befund in der sogenannten Vorsorgeuntersuchung immer häufiger die Selektion. (Foto: Internet)

Als das Europäische Parlament im Juni einem Strategiepapier zustimmte, wonach in allen EU-Mitgliedsländern Möglichkeiten für eine „sichere und legale Abtreibung und Verhütung“ einzurichten seien, empörten sich fundamentalistische Abtreibungsgegnerinnen und „Lebensschützer“ auf der Internetplattform „Katholisches.info“ vor allem über die christdemokratischen Abgeordneten, die den Vorstoß nicht blockiert hatten. mehr lesen / lire plus

Streitbarer Außenseiter
: Kurt Hiller, der Logokrat


Schon im deutschen Kaiserreich war er ein mutiger Vorkämpfer gegen die Diskriminierung der Homosexuellen: Der Linkssozialist und Radikalpazifist Kurt Hiller. Nun erinnert eine wissenschaftliche Biographie an den in Vergessenheit geratenen Publizisten.

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Eckte mit seiner radikalen Fortschrittlichkeit auch im „neuen“ Deutschland weiter an: der Intellektuelle Kurt Hiller. (Foto: Internet)

„Es gleich zu sagen: ein besonderer Freund der Schriftengattung Selbstbiographie bin ich nicht.“ Mit diesem Satz eröffnete Kurt Hiller 1969 den ersten Teil seiner zweibändigen Autobiographie. Dass er sich trotz aller Vorbehalte dennoch entschloss, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, war dem Willen geschuldet, „hier endlich Deutschland zu unterbreiten: meine Erlebnisse in Hitler’s Hafthöllen“.

Auf die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit in Deutschland konnte Hiller damals nicht mehr hoffen. mehr lesen / lire plus

DER WEG ZU BERLUSCONI: Verschäumte Gesellschaft

Die deutsche Übersetzung kommt spät, aber nicht zu spät: Obwohl Sandro Veronesis Roman „Die Berührten“ in Italien bereits 1990 erschien, vermag er wie kaum ein anderes Werk der italienischen Gegenwartsliteratur die heutige gesellschaftliche Misere des Landes verständlich zu machen.

Ermète, genant Mète, kommt Ende der Achtzigerjahre nach Rom und lebt auf Kosten seiner Stiefmutter in einer mondänen Wohnung in der Altstadt. Der junge Mann ist hochgebildet, aber ohne Brotberuf. Er pflegt einen introvertierten Stil, passend zu seiner geheimnisvollen Beschäftigung: der Graphologie. Auf seinen Streifzügen durch die Nachtlokale sammelt der zeitgenössische Nachfolger des antiken Alchimisten Hermes, dessen esoterische Lehren zu den Hauptwerken des abendländischen Okkultismus zählen, Handschriftenproben, in denen er das neue Zeichen seiner Zeit erkannt zu haben glaubt: die Verschäumtheit. mehr lesen / lire plus

FAMILIENBANDE: Wille zur Versöhnung

Opa war ein Nazi: Eine Enkelgeneration in Deutschland bekundet mit TV-Serien wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, dass diese Feststellung überaus schillernde Seiten hat. Auch Per Leos Roman „Flut und Boden“ dokumentiert, wie kokett die neueste Wendung des deutschen Geschichts- und Selbstbewusstseins mit dem Erbe der Volksgemeinschaft spielt.

Im Frühjahr war Per Leos Debütroman „Flut und Boden“ für den Leipziger Buchpreis nominiert, obwohl das Werk mit einem von der Kritik längst als „Running Gag“ verspotteten Topos der deutschen Gegenwartsliteratur beginnt: Beim Ausräumen der Familienvilla findet der Enkel im Bücherregal des verstorbenen Großvaters einen Stapel nationalsozialistischer Weltanschauungsliteratur. Doch was Leo aus dieser „Standardsituation“ mache, lobte Ijoma Mangold, Literaturchef der Wochenzeitung „Die Zeit“, sei „klug, temperamentvoll und vor allem: erkenntnisstiftend“. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Vor den Toren Roms

In Randvierteln Roms gehen rassistische „Bürgerausschüsse“ gegen Flüchtlinge vor. Die rechtsextreme Partei Lega Nord feiert derweil einen großen Erfolg bei den Regionalwahlen in Mittelitalien.

Randale ist sein Metier:
Mario Borghezio (Bildmitte), Europaabgeordneter der Lega Nord, tummelt sich beim rassistischen Mob der italienischen „Bürgerproteste“ ebenso wie bei Tumulten im europäischen Parlament, wenn es etwa, wie unser Bild von Anfang Februar zeigt, gegen den Euro geht. (Foto: Flickr)

„Hier können sie nicht bleiben! Wir wollen keine Flüchtlinge aus Tor Sapienza!“ Eine Woche, nachdem sie in ihrer Unterkunft angegriffen wurden und unter Polizeischutz verlegt werden mussten, geht in Rom die Hetzjagd auf 25 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge weiter. mehr lesen / lire plus

FÜRSORGE: Ziemlich beste Freunde

Können Freundschaften die Familie und professionelle Dienstleister ersetzen, wenn dauerhaft Hilfe anderer benötigt wird? Das Fazit einer Studie des Soziologen Janosch Tobin fällt ernüchternd aus.

Gesellschaftliche Prägung macht hier nicht halt: Auch Freundschaften basieren häufig unbewusst auf dem Äquivalenzprinzip.

Auf den literarischen Bestsellerlisten finden sich immer häufiger Bücher, in denen Krankengeschichten und Pflegeerfahrungen erzählt werden. Zumeist schreiben die Autorinnen und Autoren über verwandtschaftliche Nahbeziehungen, den demenzkranken Vater oder die früh verstorbene Tochter. Allein in postum veröffentlichten autobiographischen Aufzeichnungen wird zunehmend auch die Bedeutung der Unterstützung durch Freundinnen und Freunde hervorgehoben. Die Darstellung freundschaftlicher Fürsorge bleibt vor allem den Film- und Fernsehproduktionen vorbehalten, als ließe sich diese Wunschvorstellung nur in der Traumwelt des Kinos verwirklichen. mehr lesen / lire plus

JUBILÄUM: Wo Italien anfängt

Zum 50. Geburtstag schenkt sich der Wagenbach-Verlag eine Reihe von Erstlingswerken junger Autoren. Das Debüt der italienischen Schriftstellerin Paola Soriga knüpft thematisch an die Klassiker der italienischen Nachkriegsliteratur an.

Einst Brutstätte von Widerstand und Dissidenz: das Arbeiterviertel Centocelle, als es noch die Stadtgrenze von Rom markierte.
(Foto: Internet)

Unerschrocken war Ida an jenem hellen Maimorgen losgegangen, als ihr Don Pietro aus seinem Beichtstuhl heraus zuflüsterte, sie solle in die Druckerei laufen, eine Nachricht liege bereit. Es war nicht ihr erster Kurierdienst, sie kannte die Laufwege des antifaschistischen Netzwerks aus der römischen Peripherie in die Innenstadt. Sie kannte auch den Jungen, der plötzlich an ihr vorbeigerannt kam und ihr eine Warnung zugeraunt hatte. mehr lesen / lire plus