Syrien
: Das Kontingent

Einige Dutzend Syrer haben in Luxemburg Schutz vor dem Krieg in ihrer Heimat gefunden – über ein Sonderprogramm der Vereinten Nationen. Andere kamen auf eigene Faust. Alle verbindet die Erfahrung einer abenteuerlichen Flucht auf Leben und Tod. Und ein schwieriger Neubeginn.

Omar, Saja, Mohamed, Rahf, Ibrahim und Mahmoud Jnede leben seit kurzem mit ihren Eltern im Süden des Landes. (Foto: Anje Kirsch
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Omar, Saja, Mohamed, Rahf, Ibrahim und Mahmoud Jnede leben seit kurzem mit ihren Eltern im Süden des Landes. (Foto: Anje Kirsch
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Ein prächtiger Hahn läuft eilig durch den Garten. Mahmoud greift zu. Er bekommt ihn zu fassen und trägt das ausgewachsene Federvieh zurück in den Hühnerstall. Der Elfjährige schaut zu seinem ein Jahr älteren Bruder Mohamed und seiner kleinen Schwester Rahf hinüber. mehr lesen / lire plus

AMERICAN DREAM: Zeit des Erwachens

Der Journalist George Packer hat mit „Die Abwicklung“ ein beeindruckendes und mitreißendes Kaleidoskop der amerikanischen Gesellschaft geschrieben. Es ist ein Portrait des Niedergangs.

Als George Packers Buch „Die Abwicklung. Eine innere Geschichte des neuen Amerika“ vor einigen Monaten auf Deutsch erschien, war Skepsis angebracht. Ein Buch über die Identitätskrise und den Niedergang der Vereinigten Staaten anhand einiger Portraits zu schildern – ein gewagtes Unterfangen. Eine Ansammlung von Biopics, dazu auch noch von berühmten Persönlichkeiten wie Ex-General und Ex-Außenminister Colin Powell, dem Rapper Jay-Z und der Fernseh-ikone Oprah Winfrey, also vom Einzelnen auf das Gesamte zu schließen, konnte kaum gelingen. Der Hype um das mit dem National Book Award ausgezeichnete Buch war verdächtig groß, das Versprechen gewaltig. mehr lesen / lire plus

EXPEDITION: Reise zu den Nicht-Orten

Julio Cortázar und Carol Dunlop beschreiben in „Die Autonauten auf der Kosmobahn“ eine Forschungsreise zu französischen Autobahnraststätten. Das rätselhafte Buch ist für beide eine Reise im Angesicht des Todes.

Die Autobahn bestimmt nicht allein unsere Wahrnehmung von Mobilität. Lange Zeit war sie zudem eine Metapher für Freiheit. Heute steht sie, in der Erscheinungsform des Staus, vor allem für unbewältigte Verkehrsprobleme. Im Film ist sie häufig Schauplatz von Road Movies. Im literarischen Schaffen von Julio Cortázar kommt sie erstmals in der Erzählung „Südliche Autobahn“ vor, die 1966 in der Sammlung „Das Feuer aller Feuer“ erschien.

Darin schildert der Schriftsteller die Erlebnisse einer Gruppe von Menschen, die während eines Monate dauernden Staus vor Paris in ihren Fahrzeugen eingeschlossen sind. mehr lesen / lire plus

TRAUMA HOLOCAUST: Der Schmerz der Generationen

Wie die Shoah auf mehreren Generationen einer Einwandererfamilie lastet, beschreibt der Brasilianer Michel Laub in seinem eindrucksvollen Roman „Tagebuch eines Sturzes“.

Hat einen Roman mit autobiographischen Zügen geschrieben: Der brasilianische Journalist und Schriftsteller Michel Laub.

João passt nicht dazu. Das bekommt er von Anfang an zu spüren. Seine Mitschüler an der jüdischen Schule von Porto Alegre quälen ihn. Sie werfen sein Pausenbrot auf den Boden oder spucken darauf. Oder sie graben ihn im Sandkasten ein. Doch am schlimmsten ist das, was an seinem 13. Geburtstag passiert. In guter alter Bar-Mizwa-Tradition werfen sie João 13 Mal in die Luft. Zwölf Mal fangen sie ihn auf, beim 13. mehr lesen / lire plus

BRASILIEN: Die bleiernen Jahre

Während sich Brasilien auf die Fußball-WM vorbereitet, jährt sich am 31. März zum 50. Mal der Militärputsch. Im Gegensatz zu den Nachbarländern herrschte lange Zeit kollektives Schweigen über die Menschenrechtsverbrechen der Diktatur. Die Täter blieben bisher straffrei.

Gegen Krise, Korruption und Polizeibrutalität: Zur Fußball-WM muss die brasilianische Regierung mit ähnlich massiven Protesten rechnen wie bereits anlässlich des Confederation Cups im Juni 2013.

Die Familie von Luiz Almeida Araújo nutzt ein verlängertes Wochenende für einen Ausflug mit dem Auto. Auf der Landstraße von São Paulo nach Mogi Mirim hält sie kurz, um ein Foto zu schießen. Die Mutter, die Tochter und der Sohn stehen Arm in Arm vor dem parkenden Wagen. mehr lesen / lire plus

LITERARISCHE INSTALLATIONEN: Ein Riese, viele Fragmente

Brasiliens Literatur spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung des Landes wider. Besonders schonungslos zeigen dies Luiz Ruffato mit seinem Zyklus „Vorläufige Hölle“, von dem der erste Band nun auf Deutsch erschienen ist, und Chico Buarque in „Vergossene Milch“. Beide stammen aus unterschiedlichen Schichten, stehen aber in derselben literarischen Tradition.

Der alte Micheletto ist ein grausamer Despot, der es zu bescheidenem Wohlstand gebracht hat. In der Nähe des Dorfes Rodeiro im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais betreibt er ein kleines Anwesen. Dort drangsaliert er seine Familie. Drei seiner fünf Söhne sterben früh. Seine älteste Tochter brennt mit einem fahrenden Händler durch. Micheletto findet sie und schleift sie an einem Strick hinter seinem Pferd her. mehr lesen / lire plus

TERRITORIEN DES WIDERSTANDS: Aufstand der Peripherie

In seinem Buch „Territorien des Widerstands“ vertritt Raúl Zibechi die These, dass die Elendsviertel der lateinamerikanischen Großstädte Orte des Widerstands und der Gegenmacht seien. Dafür gibt es bis jetzt aber lediglich ein paar Ansätze.

Orte der Selbstzerstörung, wie der Soziologe Mike Davis sagt, oder „der neue entscheidende geopolitische Schauplatz“, wie Raúl Zibechi analysiert? Die Elendsviertel und urbanen Peripherien Lateinamerikas.

Als Raúl Zibechi das Buch „Territorien des Widerstandes. Eine politische Kartografie der urbanen Peripherien Lateinamerikas“ 2008 in Buenos Aires im spanischen Original veröffentlichte, war der „Cacerolazo“, der so genannte Aufstand der Kochtöpfe in der argentinischen Hauptstadt von 2001, längst Geschichte. Viele weitere Aufstände und Protestbewegungen weltweit standen noch bevor: Ob auf der Puerta del Sol in Madrid, im Zuccotti-Park in New York oder im Gezi-Park in Istanbul – an vielen Orten entstanden neue Formen des Aufbegehrens gegen den globalen Kapitalismus und für mehr soziale Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. mehr lesen / lire plus

ZWISCHEN DEN KULTUREN: Das unerbittliche Auge

Moacyr Scliar gilt als einer der wichtigsten Autoren Brasiliens des 20. Jahrhunderts. Bücher wie „Die Götter der Raquel“ handeln von den Identitätskonflikten der jüdischen Einwanderer.

Seinen Charme hat Bom Fim zum Teil bewahrt. Das einstige jüdische Viertel von Porto Alegre ist eine relativ ruhige Oase inmitten der Millionenstadt im Süden Brasiliens geblieben. Und die Synagoge in der Rua Barros Cassal wirkt wie eine Trutzburg. Bom Fim, das „gute Ende“, war die Heimat von Moacyr Scliar, dem neben Clarice Lispector bekanntesten jüdischen Schriftsteller Brasiliens.

Während Lispector (1925-1977) das Judentum in ihrem Werk nur indirekt behandelte, setzte sich der 1937 in Porto Alegre geborene Scliar, Sohn bessarabischer Einwanderer, intensiv mit der jüdischen Religion und Kultur auseinander. mehr lesen / lire plus

ERINNERUNG: Zu Staub werden

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Gewaltherrschaft der Roten Khmer beschäftig sich Kambodscha noch immer nur zögerlich mit seiner blutigen Vergangenheit. Nur wenige Täter wurden vor Gericht gestellt und verurteilt. In dem Buch „Auslöschung“ interviewt der Filmregisseur Rithy Panh einen der Massenmörder.

Die Opfer der Roten Khmer sollten nicht nur ermordet, sondern sämtliche Spuren ihres Daseins ausgelöscht werden: Registraturfotos aus dem Tuol Sleng Gefängnis, das unter dem Kürzel „S21“ schreckliche Berühmtheit erlangte.

„Viele Kinder wissen heute nur, dass ihre Großeltern unter den Roten Khmer gestorben sind, aber sie wissen nicht warum. Wenn sie das wissen, kann es vielleicht einen inneren Frieden geben – für sie und ihre Eltern.“ Einen inneren Frieden hat es für den, der diese Worte geschrieben hat, lange nicht gegeben. mehr lesen / lire plus

AUFARBEITUNG DER VERGANGENHEIT: Lähmendes Erbe

Wieder einmal setzt sich Antonio Lobo Antunes mit der Geschichte Portugals und den Folgen der Salazar-Diktatur auseinander. Daraus wird ein obsessiver Sprachrausch.

Wurde im Jahr 2007 in einer Sendung des portugiesischen Fernsehens zum bedeutendsten Portugiesen aller Zeiten gewählt: der 1970 verstorbene Diktator Salazar.

Die Geschichte beginnt mit dem Ende. Der Großvater wird zu Grabe getragen. Jahrzehnte lang hat er auf dem Landgut am Südufer des Tejo gegenüber von Lissabon geherrscht – als Tyrann, gefühlsarm und rücksichtslos. Der Patriarch unterdrückte seine Frau, verachtete seinen Sohn ebenso wie seine Enkel und verging sich am Dienstpersonal. Das Gut führte er zusammen mit seinem gefürchteten und nicht weniger skrupellosen Verwalter und mit der Unterstützung eines Priesters. mehr lesen / lire plus

AUFBRUCH DER ERINNERUNG: Francos langer Atem

In Spanien herrschte über die Folgen des Bürgerkriegs und über die Verbrechen der Diktatur lange Zeit ein „Pakt des Schweigens“. Der Österreicher Georg Pichler hat ein eindrucksvolles Buch darüber geschrieben, wie es dazu kam und wie das Schweigen gebrochen wurde.

Die nicht aufgearbeitete Vergangenheit des Franco-Regimes prägt die Gegenwart der spanischen Gesellschaft zutiefst: Spanische Franquisten bei der Offiziersausbildung in Avila, wo auch Nazi-Offiziere der „Legion Condor“ unterrichteten.

Das Dorf Joarilla de las Matas in der Provinz León kennt kaum jemand. Es liegt abseits der Haupt- und Nebenstraßen. In das kastilische Nest mit nicht einmal 400 Einwohnern sind die Freiwilligen der „Associación para la recuperación de la memoria histórica“ (ARMH) gekommen, der Vereinigung für die Wiedererlangung der historischen Erinnerung, um nach Leichen zu graben. mehr lesen / lire plus

BRASILIEN: Brot und Spiele

Um die Metropole am Zuckerhut auf die Fußball-WM und Olympischen Spiele vorzubereiten, werden die Favelas von Rio de Janeiro mit einem Riesenaufgebot an Sicherheitskräften „befriedet“. Hauptsächlich jedoch werden die Probleme in andere Stadtgebiete verlagert.

The Games must go on: 170 Millionen Euro sollen vor der WM im nächsten Jahr in die Armenviertel Rios investiert werden – nicht einmal halb so viel Geld, wie in die Sanierung eines einzelnen Fußballstadions.

Anderson dos Santos steht vor der Tür des winzigen Hauses, in dem er zusammen mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern auf einer Fläche von etwa 25 Quadratmetern wohnt. Seinen Vater kennt er nicht. mehr lesen / lire plus

ÜBERLEBENDE DES HOLOCAUST: Flucht war die einzige Möglichkeit

Auch in Argentinien waren Juden zur Zeit des „Dritten Reiches“ unerwünscht. Einige gelangten dennoch ins Land. In „Die versteckten Kinder“ erzählt Diana Wang von jüdischen Kindern, die dem Holocaust entkamen und dort Zuflucht fanden.

Kati ist privilegiert. „Und zwar deshalb, weil meine Cousinen und Cousins bereits 1938 nach Argentinien gingen, so dass ich nicht nur Einzelkind, sondern von da an auch die einzig verbliebene Enkelin war.“ Kati wird 1933 in Budapest geboren. Wie viele ungarische Juden in den Dreißigerjahren lassen sie ihre Eltern taufen. Die Familie legt den Nachnamen Hartenstein ab und nennt sich Hantos. Obwohl sie nicht reich ist, wird Kati verwöhnt. mehr lesen / lire plus

KRIMINALITÄT DER GESELLSCHAFT: „Wirf dich hin und stell dich tot“

Der Sammelband „NarcoZones“ bietet eine vielschichtige Analyse des Drogenhandels in Lateinamerika. Ein Autorenkollektiv beschreibt, wie es zur Hegemonie der Gewalt kam.

Die Schnauze gestrichen voll:
Demonstration in Mexiko gegen den Drogenkrieg.

Paco ist überall. In den Armenvierteln von Buenos Aires raucht angeblich die Hälfte der Jugendlichen die Kokain-Basispaste, in Europa und Nordamerika ist der Stoff als Crack bekannt. In Südamerika ist er vor allem in Argentinien, Brasilien und Uruguay verbreitet. Paco ist billig, es ist mit Kerosin, Putzmittel oder gemahlenen Glassplittern gestreckt. Der Rausch dauert nur kurz, doch die Folgen sind umso härter: Depressionen und Krämpfe, Organ- und Gehirnschäden sowie ein zerstörtes Nervensystem. 

Wer über Drogen und Lateinamerika spricht, meint in den meisten Fällen nicht die Süchtigen, sondern den internationalen Kokainhandel und die Rauschgiftmafia, die ganze Staaten durchsetzt haben. mehr lesen / lire plus

ABSTEIGER: Großmacht in der Dämmerung

Paul Auster zeichnet in seinem neuen Roman „Sunset Park“ ein düsteres Bild von den USA – mit einem Körnchen Hoffnung und einem neuen Schreibstil.

War einst der wichtigste Frachthafen von New York City: Das Viertel Sunset Park in Brooklyn.

„Im Land der letzten Dinge“ heißt ein Roman, den Paul Auster vor einem Vierteljahrhundert geschrieben hat. Um die letzten Dinge kümmert sich auch Miles Heller, eine der Personen in seinem neuesten Roman. Der 28-jährige College-Abbrecher Miles arbeitet in Miami für eine Firma, die auf Entrümpelungen spezialisiert ist. Das Geschäft boomt nach dem Immobiliendesaster, das im Jahr 2008 am Anfang der Finanz- und Wirtschaftskrise stand, bevor diese nach der Lehman-Brothers-Pleite vielen Amerikanern den Job, das Geld, die Existenz raubte. mehr lesen / lire plus

KOLONIALISMUS UND DIE FOLGEN: Sturzfahrt in die Hölle

Das Buch „Kongo. Eine Geschichte“ des Belgiers David Van Reybrouck hat neue Maßstäbe in der Geschichtsschreibung über Afrika gesetzt. Es ist zudem nicht nur umfangreich informativ, sondern spannend und auf hohem Niveau geschrieben.

Symbol des afrikanischen Antikolonialismus:
Patrice Lumumba, der erste frei gewählte Premierminister des Kongo.

„Nkasi saß auf der Bettkante und hatte den Kopf gesenkt. Mit seinen alten Fingern versuchte er sein offen stehendes Hemd zuzuknöpfen. Er war gerade erst aufgewacht.“ David Van Reybrouck beschreibt seine erste Begegnung mit Etienne „Papa“ Nkasi minutiös bis ins kleinste Detail. Bei seinem Anblick habe der 128 Jahre alte Kongolese „Mundele“ gemurmelt, was „Weißer“ bedeute. mehr lesen / lire plus

FLUCH DER HEIMAT: Holzhacken mit Gefühl

In seinem Romandebüt zerlegt der Schauspieler Josef Bierbichler sprachgewaltig die Geschichte einer Familie und rechnet dabei mit bayerischem Heimatkitsch ab.

Kein dickmausiger Flachbrunzer: Der Autor und Schauspieler Josef Bierbichler.

Holzhacken hilft beim Abreagieren. Es ist ein meditativer Gewaltakt. Und es befreit den Kopf. Josef Bierbichler kann das gut. Er macht es ohne Mühe. So wie vor ein paar Jahren in „Holzschlachten. Ein Stück Arbeit“, als er auf der Bühne einen früheren KZ-Arzt spielte, der wie ein Besessener einen Baumstamm nach dem anderen zerhackt und dabei ohne Reue über die Naziverbrechen spricht.

Josef Bierbichler ist einer der größten deutschsprachigen Schauspieler, sowohl im Theater als auch auf der Leinwand und im Fernsehen, weil er unvergleichlich ist in seiner derb grobschlächtig wirkenden bajuwarischen und doch so feinfühligen Art. mehr lesen / lire plus

KRITIK & SOZIALE BEWEGUNG: Mühen des Alltags

Der New Yorker Starintellektuelle Mark Greif bietet in seiner Essay-Sammlung „Bluescreen“ wenig Analyse und viele popessayistische Assoziationen zu Alltagsphänomenen. Immerhin überzeugt der Sympathisant von „Occupy Wallstreet“ als Chronist der Bewegung.

Hat zu allem eine Meinung: Der Essayist Marc Greif.

Der Tahrir-Platz von Kairo war das Zentrum des Umsturzes in Ägypten, die Puerta del Sol in Madrid wurde zum Treffpunkt der spanischen „Indignados“, und im New Yorker Zuccotti-Park nahm „Occupy-Wallstreet“ ihren Anfang als internationale Bewegung. Der Protest gegen die Banken und das Finanzsystem fand einen vorläufigen Höhepunkt in einem weltweiten Aktionstag Mitte Oktober. Doch begonnen hatte er mit der Besetzung des Parks in Manhattan einen Monat zuvor. mehr lesen / lire plus

GEWALTFORSCHUNG: Arithmetik der Barbarei

Der Evolutionspsychologe Steven Pinker versucht mit fragwürdigen Quellen und Zahlenspielen zu belegen, wie die Gewalt im Verlauf der Menschheitsgeschichte abgenommen habe. Dass mit dem Wandel der Gesellschaftsformen auch die Gewalt in anderen Formen auftritt, kommt ihm indes nicht in den Sinn.

„…warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“: SS-Offiziere im Vernichtungslager Auschwitz beim gemeinsamen Umtrunk. (Zitat: Theodor W. Adorno und Max Horkheimer)

Zu den gängigen Statistiken steht die These, die Steven Pinker in seinem neuen Buch „Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit“ gezogen hat, merkwürdig quer: Dass die Welt friedlicher und die Menschen weniger gewalttätig geworden sind. mehr lesen / lire plus

DAS DRITTE REICH: Das Böse im Hotel?

Ein weiteres Stück großer Literatur von Roberto Bolaño ist der Roman „Das Dritte Reich“. Das nun publizierte Frühwerk des Chilenen handelt von der Schuld und dem Bösen.?

Wer geglaubt hat, die Stimme von Roberto Bolaño sei mit dessen Tod verstummt, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Der Ruhm des chilenischen Schriftstellers, der 2003 im Alter von 50 Jahren an einer Leberkrankheit starb, hat sich seither vermehrt – vor allem mit seinem posthum publizierten und vor zwei Jahren auf Deutsch erschienen Meisterwerk „2666“. Der mehr als tausend Seiten lange Mammut-Roman wurde zu Recht euphorisch gefeiert (woxx 1038/1039).?

Bolaño wurde häufig als Nachfolger des Argentiniers Julio Cortázar bezeichnet und „2666“ – unter anderem wegen der vielschichtigen Komposition mehrerer Erzählebenen – mit dessen Roman „Rayuela“. mehr lesen / lire plus