Willis Tipps
: September 2018

Brillantes indisches Debut

Anandi Bhattacharya ist eine erst 22-jährige indische Sängerin, die gerade ein bemerkenswertes Debutalbum herausgebracht hat. Über ihren Vater, den renommierten Slidegitarristen Debashish Bhattacharya, ist sie mit traditioneller indischer Musik wohlvertraut, zählt aber auch Ella Fitzgerald und Joni Mitchell zu ihren Einflüssen. Infolgedessen hat sie kein puristisches Album produziert, sondern ein Werk, das im Indischen fußt und sich doch stellenweise in andere Sphären wie den Flamenco hineinbewegt. Joys Abound belegt, dass sie den indischen Scat-Gesang, der die komplizierten Rhythmen der Tabla-Trommel imitiert, perfekt beherrscht und ihren Vortrag feindosiert mit Jazz zu würzen versteht. Diese Platte, bei der auch ihr Vater mitgewirkt hat, lässt die Hörer und Hörerinnen an der überschäumenden Freude teilhaben, die sie beim Einspielen im Studio hatte. mehr lesen / lire plus

MeYouZik: Hinter der Fassade von Weltoffenheit verbirgt sich die Provinz

Am 14. und 15.8 August fand in Luxembourg wieder das Weltmusik-Festival MeYouZik mit einem Programm statt, das erstklassige Bands nach Luxembourg holte. In einem Radius von mindestens 100 Kilometern gibt es kein Weltmusik-Festival dieses Formats.

(© LCTO)

Etliche dieser Gruppen haben in der Weltmusikszene einen hohen Bekanntheitsgrad und finden auf Festivals und Konzerten in der ganzen Welt viele Hunderte oder gar Tausende Zuschauer.Auf dem Knuedler konnte man bei allen Konzerten die Anzahl der Besucher leicht durch Zählen ermitteln. Es waren lächerlich wenig. Auch an den anderen Veranstaltungsorten blieb die Besucherzahl überschaubar. Wie ist das möglich? Am Programm hat es nicht gelegen und auch das Wetter war optimal. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: August 2018

Hypnotische Maghreb-Grooves

Ammar 808 ist ein Sextett, das aus Marokko, Algerien und Tunesien kommt und zeigt, wie man Roots und Moderne knackig verbinden kann. Der kreative Kopf der Gruppe ist Sofyann Ben Youssef, der vorher schon mit Bargou 08 Aufmerksamkeit erregte. Sein Rezept besteht darin, überlieferten nordafrikanischen Gesang mit traditionellen Instrumenten durch dichte, treibende Arrangements aufzuheizen und einen massiven Bass-Beat unterzulegen, der dem Synthesizer-Urgestein TR-808 entlockt wird. Während der algerische Raï in seiner Blütezeit zu seichtem Pop neigte, bleibt es auf Maghreb United authentisch kratzig, geht aber doch in die Beine und erzeugt ein zwanghaftes, rhythmisches Kopfnicken beim Zuhörer. Anschließend fragt man sich, warum nicht schon vorher jemand darauf gekommen ist. mehr lesen / lire plus

MeYouZik 2018 – In zwei Tagen um die Welt

Auch die diesjährige Ausgabe des MeYouZik-Festivals kann sich sehen – und hören – lassen. Auch wenn die Organisatoren die hartgesottenen Fans etwas auf die Folter spannten.

Elektronik, Rap, Soul und noch vieles mehr bringen die Musiker*innen von Gato Preto aus Mosambik auf die Bühne. (Foto: © www.gatopretomusic.com)

In diesem Jahr veranstaltet das LCTO das Weltmusik-Festival MeYouZik an zwei Tagen in der Woche. Am 14. und 15. August (Mariä Himmelfahrt) kann man auf Bühnen am Knuedler, der Place d’Armes, der Place de la Constitution und in der Rue du St. Esprit wieder globale Klänge genießen. Umrahmt von Ständen verschiedener NGOs nehmen diesmal 25 Bands aus 5 Kontinenten teil und decken ein breites Spektrum musikalischer Stile von Klezmer über Latin-Rock bis zu Afro-Funk ab. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps
: Juli 2018

Eine ivorische Diva

Die Elfenbeinküste und die Stadt Abidjan waren lange das Mekka für afrikanische Kunst und Musik, bis Militärputsch und Bürgerkrieg dem ein trauriges Ende setzten. Um so schöner ist es, wieder etwas von Dobet Gnahoré zu hören, die 1999 von dort fliehen musste. Sie hat nach ihrem Debut 2004 jetzt mit Miziki ihre fünfte Platte herausgebracht, die alles, was man von modernen Produktionen klanglich erwarten kann, enthält und unüberhörbar ivorisch ist. Gnahoré singt auf Französisch und auf Bété – einer der 70 Sprachen in der Côte d’Ivoire – Balladen und muntere Up-Tempo-Nummern, die auch mal richtig rockig werden. Bis auf ein Stück stammen alle Kompositionen von Gnahoré. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps
: Juni 2018

Palästinensisches Vermächtnis

Die bedeutendste palästinensische Sängerin der letzten Jahrzehnte war Rim Banna aus Nazareth, die zunächst vergessene Kinderlieder ausgrub und sich dann zu einem Sprachrohr des Kampfes für die palästinensische Selbstbestimmung entwickelte. Im März dieses Jahres hat die 51-Jährige, die vor einigen Jahren an Krebs erkrankte, den langen Kampf gegen die Krankheit verloren. Krankheit und Therapie schädigten ihre Stimmbänder; dennoch konnte sie vorher noch 15 Lieder aufnehmen, die Persönliches und Politisches miteinander verbinden und nun posthum veröffentlicht worden sind. Der norwegische Pianist Bugge Wesseltoft und das tunesische Elektronik-Kollektiv „Checkpoint 303“ haben für die instrumentelle Begleitung gesorgt und dabei auch Scans von Rim Bannas Körper, die während ihrer Therapie angefertigt wurden, in elektronische Klänge transformiert. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps
: Mai 2018

(Be-)stechendes zypriotisches Trio

Dieses Trio ist musikalisch und in seinen Texten frech und unangepasst. Folgerichtig nennt es sein drittes Album Angathin (Stachel). Monsieur Doumani kommt aus Zypern und setzt Tzouras-Laute, akustische Gitarre und Posaune ein. Vor allem letztere bereichert die Musik mit einer ungewöhnlichen Klangfarbe und auch rhythmisch spannenden Elementen. Die Kompositionen der Gruppe basieren auf der Tradition Zyperns, in der sich Elemente aus Griechenland und Kleinasien besonders intensiv vermischt haben. Rhythmisch sind die 13 Lieder überwiegend flott, fast rockig und geprägt von einer rebellischen Attitüde. Die engagierten Texte verarbeiten Themen wie Umweltzerstörung, Ungerechtigkeit, Rassismus und Korruption und sind erfreulicherweise in englischer Übersetzung im Booklet enthalten. mehr lesen / lire plus

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: April 2018

Afrobeat – 2 × Kuti

Der von Fela Kuti und Tony Allen in den 1960er-Jahren aus der Vermischung von nigerianischen Elementen, Jazz und Funk geschaffenene Afrobeat erfreut sich weltweit bei Musikern großer Beliebtheit. Viele Epigonen schaffen es allerdings nicht, den hochkomplexen Rhythmusteppich zu erzeugen, der diesen Stil so unwiderstehlich macht. Felas Söhne Femi Kuti und Seun Kuti und ihre Bands beherrschen diesen schweißtreibenden Groove jedoch perfekt. Auf den aktuellen Alben der beiden sind auch die Bläsersätze messerscharf und die Texte politisch bissig, zugespitzt, mal zornig, mal kämpferisch optimistisch. Beide Platten sind verschieden, aber gleichwertig. Bei Femi klingt es wegen seiner Stimmlage und des allgegenwärtigen Keyboards gelassener, Seun ist aggressiver. mehr lesen / lire plus

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: März 2018

Haiti wiederentdeckt

Die kanadische Singer/Songwriterin/Gitarristin Mélissa Laveaux lebt gegenwärtig in Paris und hat jetzt ihr viertes Album veröffentlicht. Bei einer Reise nach Haiti, der Heimat ihrer Eltern, entdeckt sie nicht nur die dortige, stark vom Voodoo beeinflusste Musik wieder, die sie bereits von ihren Eltern kannte, sondern beschäftigt sich auch mit den bitteren Kapiteln der Vergangenheit des Landes, wie der US-amerikanischen Besetzung von 1915 bis 1934. Nach ihrer Rückkehr beginnt sie ihre Erfahrungen musikalisch zu verarbeiten und nimmt elf haitianische Lieder und eine Eigenkomposition auf, bei denen es um Unterdrückung und Widerstand geht. Die französischen Produzenten haben die Aufnahmen etwas stark poliert, dennoch: Laveauxs leicht heisere, hauchige Stimme zieht Hörer direkt in ihren Bann, und ihr ausgeprägtes Gespür für eingängige Arrangements macht Radyo Siwèl zu einem sehr empfehlenswerten Album: tolle, widerständige Lieder aus einem vielfach gebeutelten Land. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Februar 2018

Zwischen Mali, Blues und Louisiana

Bereits 1963, in Mali, hatte er seine ersten Hits, in denen die traditionelle malische Musik auf afro-kubanische Einflüsse und Blues traf. Seit 1989 ist Boubacar Traoré auch international bekannt und hat, nunmehr 75 Jahre alt, gerade ein weiteres Album produziert. Er singt und spielt auf seiner Gitarre immer noch seinen vom Blues beeinflussten Mali-Stil und hat dabei, wie schon mehrere Male zuvor, den französischen Mundharmonikameister Vincent Bucher an seiner Seite. Dounia Tabolo ist eine besondere Platte, weil der Sänger sich hier bei zahlreichen Stücken auch von Musiker*innen aus dem US-amerikanischen Louisiana begleiten lässt. Der Geiger Cedric Watson fügt Cajun hinzu, und die Cellistin Leyla McCalla ihre Kombination aus Cajun und haitianischer Musik. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps
: Januar 2018

Arabische Verstörungen


Tania Saleh ist Street-Art-Künstlerin, dichtet, komponiert und singt. Sie kommt aus Beirut, erlebte erst den Zerfall des Libanon und dann die Zerschlagung der Freiheitsbewegungen des Arabischen Frühlings. Ihr fünftes Album, Intersection (= Kreuzung, Schnittpunkt) versucht die bedrückenden Erfahrungen aufzuarbeiten und die Richtung für ein friedliches Zusammenleben in der arabischen Welt zu erkunden. Tania Saleh hat zusammen mit dem Tunesier Khalil Judran und dem Norweger Erik Hillestad ein Album produziert, das sich zwischen arabischer Dichtung, an der Tradition orientierter Melodik, klassischer arabischer Instrumentierung und Elektronik bewegt und Verstörung, Schmerz aber auch Hoffnung artikuliert. Dazu gibt es ein Booklet mit Kalligraphien und Graffiti von Tania und allen Texten. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Dezember 2017

Drei afrikanische Saitenzauberer

Wenn sich drei Musiker, die anerkannte Meister ihres Fachs sind, zusammentun, darf man Großes erwarten, und tatsächlich überzeugt das Album Anarouz in jeder Hinsicht. Aufgenommen wurde es vom Trio 3MA, das schon vor neun Jahren mit einer Platte brillierte. Der Name der Band hat damit zu tun, dass die Mitglieder aus Madagaskar (Rajery, Valiha), Marokko (Driss El Maloumi, Oud) und Mali (Ballaké Sissoko, Kora) kommen und die unterschiedlichen Musiktraditionen dieser Länder auf subtile Art miteinander verbinden. Das funktioniert nicht nur deshalb so hervorragend, weil die drei Solisten ihr Handwerk perfekt beherrschen, sondern auch, weil sich die Klangfarben der Saiteninstrumente bestens ergänzen. mehr lesen / lire plus

Konzerttipp
: Die Universalität des Gesangs

Im Rahmen des Jubiläumsprogramms des Folk-Clupp ergründet die multikulturelle Gruppe Voxtra die Schnittstellen globaler Vokaltraditionen.

Nach zahllosen Konzerten mit kleinen, großen und auch legendären KünstlerInnen präsentiert der Luxemburger Folk-Clupp im Rahmen des 40. Jubiläumsjahres am morgigen 2. Dezember eine ganz besondere Gruppe. Als die Gründer dieser Luxemburger Institution 1977 begannen, lagen sie mit ihrer Praxis, Musik aus Irland, Schottland und natürlich Luxemburg auf die Bühne zu bringen, durchaus im Trend. Eine Pionierleistung gelang ihnen aber, als sie kurze Zeit später die damals noch recht engen Grenzen der Folkszene sprengten und mit offenen Ohren und einem ausgeprägten Sinn für das Besondere auch Klänge vom Balkan, aus Amerika, Afrika und Asien ins Land holten. mehr lesen / lire plus

Womex 2017: Die Herzkammer globaler Musik

Die seit 1994 jährlich in verschiedenen Ländern Europas stattfindende weltgrößte Messe für Weltmusik, Womex, schlug Ende Oktober ihre Zelte im polnischen Katowice auf.

Hip Hop und Rumba in einer wilden Mischung: La Dame Blanche aus Kuba. (© Yannis Psathas)

Das diesjährige Treffen von KünstlerInnen, Agenturen, VeranstalterInnen, Plattenfirmen, JournalistInnen und RadiomacherInnen konnte die Rekordzahl von 2600 TeilnehmerInnen aus über 90 Ländern verbuchen und präsentierte mit rund 60 Konzerten einen breiten Querschnitt der aktuellen globalen Musikszene. Er reichte von ganz jungen Bands bis zu alten Legenden in allen möglichen Stilen, von traditionell Akustischem über elektrisch Verstärktes bis zu vom Hip Hop beeinflusster Elektronik. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps
: November 2017

Mali mit Streichquartett

Das „Kronos Quartet“, ein renommiertes US-amerikanisches Streichquartett, ist nicht nur für seine Einspielungen zeitgenössischer „ernster“ Musik berühmt, sondern auch für seine Kooperationen mit Musikern aus dem Bereich der Weltmusik. Wenn es daher ein Ensemble wie das Trio Da Kali, das zuvor lediglich eine EP veröffentlicht hat, auf ihrem Debutalbum begleitet, muss dieses eine ganz besondere Formation sein. Zum Trio Da Kali gehört Hawa Kassé Mady Diabaté, die zweifellos eine der besten Vokalistinnen Malis ist und deren Vater schon eine westafrikanische Sängerlegende war. Aus Guinea stammt der Ballaphon-Meister Fodé Lassana Diabaté, der schon viele große Namen Westafrikas begleitet hat und hier alles zeigt, was auf dem dem Instrument möglich ist. mehr lesen / lire plus