Ohne Quote geht’s nicht!

„Gut, dass sie endlich kommt!“ bejubelt der CID-Femmes das Vorhaben der Gleichstellungsministerin, die Frauenquote umfassend durchzusetzen. Nun habe auch der Regierungsrat dem Vorschlag Mutschs zur Quotierung der Wahllisten (National- und Europawahlen) zugestimmt. Angeblich gegen den Widerstand der DP, der eine solche Reglementierung zuwider sei. „Die Quote bahnt sich ihren Weg – und das ist gut so.“ Es habe sich gezeigt, dass es ohne das von Hassliebe geprägte Instrument Quote nicht vorangeht mit der demokratischen Beteiligung von Frauen an der Entscheidungsfindung. Kritik äußert der CID an der Unterschiedlichkeit der Regelungen für die Europa- und die Nationalwahlen wie auch daran, dass es auf kommunaler Ebene keine Quotierung gibt. mehr lesen / lire plus

Theater: Eitel geht die Welt zugrunde

In Theresia Walsers Bühnenstück konkurrieren drei exzentrische Ex-Diktatoren-Gattinnen um die Überbleibsel ihres Ruhms.

(Foto: Bohumil Kostohryz)

(Foto: Bohumil Kostohryz)

Fast lapidar mutet der Titel des Stücks an: „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ heißt das 2013 uraufgeführte Stück, mit dem Walser abermals „das Böse“ auf der Bühne darzustellen versucht. Drei exzentrische Gattinnen von Ex-Diktatoren treffen auf einer Pressekonferenz aufeinander; was sie eint, ist der Traum von der Verfilmung ihres Lebens: Leila Ben-Ali, von 1992 bis 2011 First Lady Tunesiens, von der es heißt, sie habe nach dem Sturz des Regimes 1,5 Tonnen Gold von der Staatsbank in ihr Exil nach Dubai transferieren lassen, Margot Honecker, von 1963 bis 1989 Ministerin für Volksbildung der DDR, die für viele die meistgehasste Person der DDR war und heute in Chile lebt, sowie die ehemalige Schönheitskönigin Imelda Marcos, Ehefrau des 10. mehr lesen / lire plus

Installation: Stiller Abgesang


Mit „Moonlight Solitude“ bleibt sich das Künstlerduo Martine Feipel und Jean Bechameil treu. Ihre Installationen hinterfragen unsere Wahrnehmung und wecken lautlos Erinnerungen.

1341_Expo_Moonlight_SolitudeEingesenkt in die Felswand im Luxemburger Grund wirkt die gläserne Galerie Zidoun-Bossuyt, in deren Innenhof Steinbrocken liegen, schillernd, archaisch und modern zugleich. Für „Moonlight Solitude“ hätte kein besserer Ort gefunden werden können.

Betritt man die Räumlichkeiten, so stößt man direkt auf eine Aneinanderhäufung von „Retro“-Skulpturen. Die weißen Abgüsse eines Kassettenrekorders, einer Stereoanlage und eines alten Fernsehgeräts erinnern an frühere Generationen der Technik; bröckelnd wirken die heute obsolet gewordenen Objekte wie Ruinen aus der Antike, fast schon wie irreale Phantome künden sie von vergangenen Zeiten. mehr lesen / lire plus

Oppenheimer-Preis: „Der Vergangenheit auf der Spur“

Am 8. Oktober erhielt die Gemeinde Differdingen eine Auszeichnung der Réne-Oppenheimer-Stiftung. Im Vorfeld unterhielt sich die woxx mit dem Präsidenten der Stiftung, Laurent Moyse, über die Gründe hierfür.

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(Foto: © Wikimedia)

woxx: Seit wann gibt es die Oppenheimer-Stiftung, welche Ziele hat der gemeinnützige Verein, und von wem ging seine Gründung aus?

Laurent Moyse: Die Stiftung ist 1991 entstanden. Sie beruht auf der Idee von Alfred Oppenheimer, der zusammen mit seinem Sohn René 1943 deportiert wurde; dieser wurde 1944 in Auschwitz vergast. Alfred Oppenheimer ist in seinem späteren Leben öfters als Zeitzeuge an Schulen gewesen, um über seine grausame Erfahrung zu berichten. mehr lesen / lire plus

Morbide Wortschlacht

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(Foto: Ricardo Vaz Palma)

Heiner Müllers Theaterstück „Philoktet, das auf einer der Tragödien Sophokles’ sowie antinationalistischen Stücken Bertolt Brechts basiert, ist wahrlich keine leichte Kost. Mehr noch als um die Geschichte von drei großen Helden des Trojanischen Krieges, dessen Ausgang in ihren Händen liegt, geht es in Müllers Stück um menschliche und politische Manipulation im Allgemeinen. „Was wir hier zeigen, hat keine Moral. Sie sind gewarnt, sie haben nichts zu lachen, bei dem was wir jetzt miteinander machen!“ warnt der Luxemburger Marco Lorenzini, schalkhaft um die Ecke des Vorhangs grinsend, zu Beginn des Stücks. Und fürwahr: In Karolina Markiewiczs experimenteller Bühnenadaption liefern sich zwei schwache Schauspieler mit dem alten Bühnehasen Lorenzini eine wahre Wortschlacht. mehr lesen / lire plus

Forum 355: Streitkultur oder virtuelle Seifenblase?

In seinem Editorial zur Flüchtlingssituation plädiert Serge Kollwelter für Solidarität; die gegenwärtige Lage sieht der integre Linke als Herausforderung für Luxemburg, gerade in der Zeit seiner EU-Ratspräsidentschaft. Es brauche einen langen Atem. Diesen benötigt auch, wer das vier Seiten lange Interview mit Erny Gillen, dem ehemaligen Generalvikar der katholischen Kirche, liest. Doch die Lektüre lohnt, zumal Gillen klug argumentiert und sich selbstkritisch und offen zu sozialen Fragen und Problemen der Kirchenreform äußert. „Man würde einer Lösung des Klimaproblems näher kommen, wenn wir unsere Lebensstile ändern würden“ sagt Gillen und bringt den Vorschlag des „Autofastens“ ins Spiel. Beim „Change Management“ der katholischen Kirche plädiert er für eine weitere Entkopplung von Bistum, LW und CSV auf nationaler Ebene und sieht in der Trennung von Vatikanstaat und Kirche eine Möglichkeit, das „schizophrene Machtgefüge“ aufzubrechen. mehr lesen / lire plus

Anton Corbijn: Die Aura macht’s


„Life“ will durch die Darstellung der Beziehung zu seinem Fotografen hinter die Fassade des Hollywood-Stars James Dean blicken. Ein ambitionierter Versuch, der nicht wirklich funktioniert.

1340_Filmrezension_Life_1Noch bevor er zum Star wurde, machten die Fotografien Dennis Stocks ihn zur Ikone. Es sind die berühmten Bilder: James Dean an einer Wand lehnend, die Zigarette verwegen-lässig im Mundwinkel, im Sessel eines Frisörsalons ausgestreckt oder mit gerunzelter Stirn, den Mantelkragen hochgeschlagen, durch die nassen Straßen New Yorks schlendernd. Die Fotoserie des Fotografen im Trendmagazin „Life“ sollte nicht nur Dean, sondern auch Stock zum Durchbruch verhelfen. Im Film ist Stock zunächst ein mittelloser Fotograf, der auf einer Party in Los Angeles James „Jimmy“ Dean erblickt und von seiner Aura so beeindruckt ist, dass er beschließt, den jungen Mann berühmt zu machen. mehr lesen / lire plus

Gleichstellung: Die Qual mit der Quote


Vergangene Woche präsentierte Lydia Mutsch ihre Pläne, die Quote gesetzlich zu verankern und Betriebe wie Parteien bei Nicht-Einhaltung zu sanktionieren. Ein Stück Gleichstellungsgeschichte?

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Für sie führt kein Weg an der Quote vorbei. Lydia Mutsch am Rande der Vorstellung ihrer Pläne im Chancengleichheitsministerium. (Foto: woxx)

Am 23. September feierte der Nationale Frauenrat (CNFL) sein 40-jähriges Bestehen mit einer Veranstaltung, bei der sich die überwiegend arrivierten Anwesenden eifrig auf die Schultern klopften. Doch die Zeiten, in denen der CNFL noch Frauenrechte erkämpft hat, sind längst passé. Zwar wurde Frauen in Luxemburg schon vor rund 97 Jahren qua Verfassungsreform, und aus pragmatischen Gründen, das Wahlrecht zugestanden (am Vorabend des Referendums über die Monarchie), was im Vergleich zu Frankreich, wo dies erst 1944 (!) geschah, fast als fortschrittlich gelten kann. mehr lesen / lire plus

Theater: Flucht vor dem schwarzen Tod


Mit „Totentänze“ eröffnet das Kasemattentheater die Herbstsaison. Ein düsteres Stück, das zur Reflexion über die eigene Endlichkeit anregt.

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Teufelskreis der Verschwörung? Szene einer Hexenverbrennung im Kasemattentheater. (Foto: F. Muno)

Die Warnung vor der Pest steht drohend im Raum und wird wirkungsvoll unterstrichen durch das schlichte, dunkle Bühnenbild in Form einer hölzernen Mauer. Über einen Dia-Projektor werden mittelalterliche Drucke eingeblendet, düstere Töne untermalen das Szenario. Gebeugt huschen die Figuren über die dunkle Bühne – auf der Flucht vor der tödlichen Seuche.

Die Bedrohung durch die Pest, die zwischen 1347 und 1353 in Europa rund 25 Millionen Menschen – und damit rund ein Drittel der Bevölkerung – dahinraffte, wird auf der Bühne ausdrucksstark dargestellt; Belichtung und Bühnenbild schaffen eine beklemmende Atmosphäre. mehr lesen / lire plus

Vaginamonolog?

1338internetkusCasinoEine Ausstellung abzusagen, unmittelbar nachdem die Verantwortlichen die Materialien – in diesem Fall Video-Arbeiten – erhalten haben, sei eine politische Entscheidung, empörte sich die Installationskünstlerin Deborah de Robertis vor wenigen Tagen gegenüber der Luxemburger Presse. Den Beschluss, die Ausstellung „Mémoire de l’origine“, die ursprünglich ab dem 26. September im Casino gezeigt werden sollte, zu canceln, prangerte die Künstlerin als „Zensur“ an, verlangte eine Stellungnahme des Kulturministeriums und kündigte an, vor Gericht zu ziehen. Die Casino-Kuratoren weisen die Vorwürfe weit von sich: Es habe lediglich die Zusammenarbeit und Kommunikation mit der Künstlerin im Vorfeld der Planung des Projekts nicht funktioniert, erklärte Kevin Muhlen. mehr lesen / lire plus

Alternatives Wohnen: „Eine dritte Wohnform schaffen“

Wie bei den hohen Mieten in Luxemburg autonom leben? Die Initiative „Ad-hoc“ trotzt der Logik des Wohnungsmarktes, indem sie eine Wohnungsbaugenossenschaft – die erste in Luxemburg – gegründet hat. Nachhaltig und sozial, versteht sich.

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Überzeugter Mitstreiter von Ad-hoc: Eric Weirich. (Foto: woxx)

woxx: Wie und wann ist die Idee der Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft in Luxemburg entstanden? Wieso sind die bereits in Luxemburg vorhandenen Wohnungsbaugesellschaften aus eurer Sicht nicht sozial? 


Eric Weirich: Das Ganze hat vor knapp über einem Jahr mit einer Konferenz im Oekozenter im Paffenthal begonnen. Vier, fünf Leute haben das angestoßen, die schon länger mit dem Gedanken gespielt hatten, gemeinsam zu wohnen. mehr lesen / lire plus

Theater: Independent little Luxembourg?

Das Theaterkollektiv ILL hinterfragt in einer Collage kritisch die Selbstvermarktungs-
strategien der Nation und geht der Frage nach, ob das kleine Land autonom (über)leben könnte.

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(Foto: Bohumil Kostohryz)

Folgt auf das von der Regierung eifrig propagierte und vielkritisierte Nation-Branding nun ein Nation-Bashing? Die plakative nationale Vermarktungsstragie hat sich längst als Schuss nach Hinten erwiesen – ist es da ein Wunder, dass sich mit Richtung 22 und ILL gleich zwei Künstlerkollektive auf das Nation-Branding stürzen und es durch den Kakao ziehen? Zu Recht stellt sich gerade nach dem Referendum die Frage, was die kleine Nation eigentlich ausmacht, was sie zusammenhält. Wo die Politik versagt, erfüllt die Kunst ihre Aufgabe, indem sie Widersprüche aufzeigt und unbequeme Fragen stellt. mehr lesen / lire plus

Andy Warhol: Blick in die Silver Factory

„Warhol Underground“ im Centre Pompidou in Metz will die Szene rund um den Künstler beleuchten und lockt mit silbernem Glanz.

1334_Event_Warhol_2Über Andy Warhol, den Popart-Gott, kursiert eine Fülle von Mythen. Eine Folge seiner Selbstinszenierung, die er bis auf die Spitze trieb, denn seine wahre Persönlichkeit bekam niemand je zu fassen. Man solle die glänzende Oberfläche seiner Bilder und Filme betrachten – das sei er, empfahl er Journalisten. Selbst der These, dass die Entstehung der Underground-Szene in der berühmt-berüchtigten Silver-Factory auf ihn zurückgehe und er es gewesen sei, der die Künstler anzog, widersprach er entschieden: „(…) Es war genau das Gegenteil: ich bezahlte nur die Miete, und die Masse kam einfach nur, weil die Tür offenstand.“ Was heute als Undergound-Szene bekannt ist, war ein Schmelztiegel oder „ein riesiger Divan voller Psychoanalytiker“, wie Jonas Mekas die Szene beschrieb. mehr lesen / lire plus

Wim Wenders
: Gemälde in 3D

Mit „Every Thing Will Be Fine“ zeigt Wenders, dass 3D nicht nur für laute Action-Filme taugt. Es ist ein stiller Film, der nachwirkt.

Wenders Filmeinstellungen taugen auch als Postkarten.

Wenders Filmeinstellungen taugen auch als Postkarten.

Ähnlich wie bei Woody Allen kann man sich bei Wim Wenders fast vor dem nächsten Film fürchten, ahnt Wiederholungseffekte – und erwartet deshalb nach „Buena Vista Social Club“, nach dem Dokumentarfilm „Pina“ über die Choreografin Pina Bausch und zuletzt der Darstellung des Fotografen Sebastião Salgado in „Das Salz der Erde“ die nächste bedeutungschwere Dokumentation.

Doch der Altmeister des Autorenkinos, der im Februar auf der Berlinale den Ehren-Bären für sein Lebenswerk erhielt und vor knapp einer Woche seinen 70. mehr lesen / lire plus

Malerei: Die Farben des Jazz


Das Palais in Arlon zeigt mit „Henri Matisse – aux sources de la création“ rund 100 Schätze aus dem vielschichtigen Werk des Gründers des Fauvismus. Drucke aus dem Band „Jazz“ geben auch private Einblicke in seinen Schaffensprozess.

1333_Expo_Matisse_ArlonDie Scherenschnitte und leuchtenden Gemälde von Henri Matisse sind in den Museen der Welt zu finden; am einprägsamsten ist wohl sein „Blauer Frauenakt“, der in der Schau in Arlon natürlich nicht fehlen darf.

Die Ausstellung in dem an der Place Léopold gelegenen Palais vereinigt rund 100 originale Werke des Künstlers: Zeichnungen, Skizzen, Collagen, Scherenschnitte, Aquarelle, Drucke, Lithografien, Fotografien sowie auch Manuskripte, anhand derer man sein Bestreben nachvollziehen kann, zurück zu den Farben wie zur Einfachheit der Linien zu gelangen. mehr lesen / lire plus