LuxFilmFest: Ray & Liz

Ray & Liz“ zeigt Ausschnitte eines verkorksten Familienlebens. Zwischen Gewalt, subtilen Dramen und Hundepisse in Großaufnahme, entsteht ein Meisterwerk des Kunstfilms.

(c) Rob Baker Ashton

Es fällt schwer, einen Film mit Worten zu beschreiben, der selber mit wenig Dialog und Sprache auskommt. Die Gesichte der Familie Billingham wird kleinteilig erzählt. Es geht nicht um das große Ganze, sondern um konkrete Schlüsselmomente, um prägende Erinnerungen. Der Regisseur, Richard Billingham, hat ein Auge für Details: für die Fruchtfliegen, den Adamsapfel des Trinkers Ray, die dreckigen Fingernägel der resoluten Liz; für die Hundepisse, die über einen Briefumschlag läuft; für das Sonnenlicht, das durch die Bordüre der Vorhänge fällt; und für das dickflüssige Erbrochene, das vom Sofarand tröpfelt. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Greta

Beim Luxembourg City Filmfestival feierte der Thriller „Greta“ Vorpremiere. Eine Moderatorin pries ihn vor Filmbeginn als großartig an. Doch er entpuppte sich als Flop. Immerhin gibt es ein paar gute Ansätze.

Copyright: Metropolitan FilmExport

Stellen Sie sich vor, Sie finden eine Handtasche in einer New Yorker U-Bahn. Darin befinden sich unter anderem der Ausweis einer Mittfünfzigerin und Tabletten. Was tun Sie? Wahrscheinlich dasselbe wie die Protagonistin Frances: Sie suchen das Fundbüro auf. Das ist aber geschlossen. Frances besucht die Besitzerin der Tasche deswegen persönlich – und bleibt auf einen Kaffee.

So beginnt eine interessante Geschichte über das Verhältnis zweier Frauen, die beide unter dem Verlust von Familienmitgliedern leiden. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Ghosthunter

Eine Doku über einen Geisterjäger entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zum Psychogramm eines Menschen, der selbst von so einigen Gespenstern gejagt wird.

Jason King ist Geisterjäger. Zumindest am Wochenende, denn sein Geld verdient er als Nachtwächter im australischen Sydney. Der Dokumentarfilmer Ben Lawrence meldet sich bei ihm, nachdem er einen Zeitungsartikel über King gelesen hat, der dort eine Begegnung mit dem Geist seines verstorbenen Bruders schilderte. Schnell stellt sich heraus, dass King noch nicht lange wusste, dass er überhaupt einen Bruder hat, denn eigentlich ist er schon länger auf der Suche nach seinem Vater.

King kann sich nämlich kaum an seine Kindheit erinnern, weiß aber, dass er von Seiten seiner Eltern oft Gewalt erfahren hat – die Narben in seinem Gesicht trägt er immer noch. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Selfie

Der nur mit Smartphones gedrehte Dokumentarfilm „Selfie“ handelt von Verlust, Freundschaft und dem Leben in einer von Kriminalität geprägten Stadt.

© cineuropa.org

„Selfie“ beginnt mit einem Lied. Ein junger Mann filmt sich mit einem Handy während er singt. Irgendwann bricht er in Tränen aus. Diese sind, wie das Publikum wenig später erfährt, seinem Freund Davide Bifolco gewidmet, der 2014 von der Polizei mit jemandem verwechselt und erschossen worden war. Mit dem Ziel, einzufangen, was es bedeutet, seither in besagter Stadt zu leben, gab Regisseur Agostino Ferrente zwei im Stadtteil Rione Traiano in Neapel lebenden 16-jährigen Kindheitsfreunden Pietro Orlando und Alessandro Antonelli, ein Smartphone mit der Bitte, ihren Alltag zu filmen. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Pájaros de Verano

Als der Cannabis-Handel Ende der 1960er Kolumbien erreicht, zieht er eine Welle der Gewalt mit sich, die ganze Familien zerstört. „Pájaros de Verano (Birds of Passage)“ ist aber kein gewöhnlicher Film über kriminelle Clans.

Wer an Kolumbien und Drogen denkt, denkt vermutlich sofort an den Anbau und Handel mit Kokain. Allerdings war Ende der 1960er, als die Hippiekultur in den USA ihren Höhepunkt erreichte, eher Cannabis sehr gefragt. Rapayet (José Acosta), ein Angehöriger des indigenen Volkes der Wayuu, entdeckt den Cannabishandel als einträgliche Einnahmequelle. Diese benötigt er auch, denn er will Zaida (Natalia Reyes) heiraten und muss dafür eine Mitgift bezahlen. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Tchelovek kotorij udivil vseh (The Man Who Surprised Everyone)

Ein todkranker Wildhüter in Sibirien findet weder in der Schulmedizin noch bei einer Schamanin Hilfe. Es folgt eine Lektion über Geschlecht und deren Wahrnehmung in der russischen Provinz.

Der Wildhüter Yegor Korshunov (Evgeniy Tsyganov) ist ein geschätzter und respektierter Mann in einem kleinen Dorf in Sibirien, in dem er mit seiner schwangeren Frau und ihrem gemeinsamen Sohn einen kleinen Hof bewohnt. Als er eines Tages zwei Wilderer tötet, ändert auch das nichts an seiner Beliebtheit.

Die zeigt sich auch, als die Dorfbewohner*innen Geld sammeln, um ihm einen kostspieligen Arztbesuch zu ermöglichen. Yegor ist nämlich todkrank – er hat Krebs und keine Aussicht auf Heilung, sein Arzt gibt ihm noch höchstens zwei Monate. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Anthropocene: The Human Epoch

Hat der menschliche Einfluss auf unseren Planeten geologische Ausmaße? Eine Dokumentation versucht, diese Frage zu illustrieren. Leider hat sie einige Mängel.

Foto: Edward Burtynsky, courtesy Nicholas Metivier Gallery, Toronto

Seit einigen Jahren gibt es unter Wissenschaftler*innen eine Debatte darüber, ob wir nicht mehr im Holozän, sondern in einer neuen geologischen Epoche leben, dem Anthropozän. Die Begründung: Wir Menschen haben unseren Planeten derart stark verändert, dass dies als geologische Schicht erkennbar sein wird. Der Dokumentarfilm „Anthropocene: The Human Epoch“ zeigt Orte auf der Erde, wo diese Veränderungen besonders sichtbar sind.

Verschiedene Kapitel decken unterschiedliche Aspekte des Anthropozän ab: Umgestaltung von Landschaften, Extraktion von Ressourcen, die Schaffung neuer Materialien, Klimawandel und Artensterben. mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: The Realm (El reino)

Dem Politthriller „The Realm“ gelingt das scheinbar Unmögliche: Das Publikum mit einem zutiefst unmoralischen und unnahbaren Protagonisten mitfühlen zu lassen.

© Warner Bros

Rodrigo Sorogoyen scheint ganz genau zu wissen, wie viel er seinem Publikum zutrauen kann. Schnelle, dialoglastige Sequenzen stehen in „The Realm“ im perfekten Gleichgewicht zu langsameren, handlungsfokussierteren Szenen. Die Informationen, die man braucht, um die Geschehnisse nachvollziehen zu können, sind über den ganzen Film verteilt, was einerseits bedeutet, dass das Publikum nicht gleich zu Beginn des Films überfrachtet wird, andererseits aber auch, dass es geduldig sein muss.

Der Film erzählt die Geschichte des fiktionalen Politikers Manuel Lopez-Vidal (Antonio de la Torre). mehr lesen / lire plus

LuxFilmFest: Home Games

Der Dokumentarfilm „Home Games“ porträtiert das Schicksal einer jungen Ukrainerin, die sich zwischen dem Traum einer professionellen Fußballkarriere und einem prekären Privatleben durch den Alltag kämpft.

(Bild: Syndicado)

In manchen Fenstern brennt noch Licht, andere sind dunkel. Aus dem Off hört man eine junge Frauenstimme, die eine Geschichte erzählt: Ein Märchen über ein Mädchen, das zum Geburtstag magische, goldene Fußballschuhe geschenkt bekommt, die es zur Torkönigin machen. Ein Märchen ist das Leben der 20-jährigen Alina, die ihrem kleinen Halbbruder die Geschichte vor dem Einschlafen erzählt, nicht. Sie wuchs ohne Mutter auf, kümmert sich zusammen mit ihrer Großmutter um ihre zwei kleinen Halbgeschwister und schlägt sich mit deren alkoholkrankem Vater herum. mehr lesen / lire plus

Adam McKay : L’Amérique de Dick Cheney

Dans son nouveau film, « Vice », Adam McKay prend à partie Dick Cheney. L’ancien vice-président de George W. Bush y est présenté comme un manipulateur cynique, assoiffé de pouvoir – un pamphlet féroce, documenté et rythmé, servi par une distribution impeccable.

Le cowboy-président et son ministre du vice – et l’on croyait encore que le pire aurait pu nous arriver…

Dans « Vice », le double sens du titre annonce la couleur : Dick Cheney, vice-président et président du vice. Pourtant, il partait de loin. Viré de Yale en 1963 pour ivrognerie et manque d’assiduité, Cheney doit retourner au milieu de nulle part dans son Wyoming natal. mehr lesen / lire plus

Bo Burnham: Smells like Teen Angst

Wie ist es, in den 2010er-Jahren ein 13-jähriges Mädchen zu sein und an einer Angststörung zu leiden? „Eighth Grade“ nimmt sich des Themas erfreulich ehrlich und differenziert an.

Kayla verbringt viel Zeit und Energie damit, sich mit Menschen anzufreunden, die sich nicht im geringsten für sie interessieren. (© Interview Magazine)

„Hey guys, it’s Kayla again, back with another video. […] So, the topic of today’s video is being yourself.” „Eighth Grade” fängt mit einem Youtube-Video an und es folgen viele weitere, bevor der Film auch wieder mit einem solchen aufhört. Die Autorin derselben, Kayla (Elsie Fischer), geht in die titelgebende achte Klasse. mehr lesen / lire plus

Im Kino: If Beale Street Could Talk

„If Beale Street Could Talk“ soll sowohl ein Film über Rassismus als auch ein überlebensgroßes Liebesdrama sein. Trotz hervorragender Schauspieler*innen und wunderschöner Bildsprache geht die Rechnung aber nur bedingt auf.

Tish und Fonny stehen symbolisch für die von Rassismus bedrohte Unschuld und Gutmütigkeit. (© 2018 Annapurna Pictures)

Ein junger Mann namens Daniel (Brian Tyree Henry) sitzt im Wohnzimmer seines besten Freundes. Vor kurzem wurde er nach zweijähriger Haft entlassen, eine Erfahrung, die ihn nachhaltig traumatisiert hat. “The white man has got to be the devil. He sure ain’t a man”. Als Daniel mit diesem Satz seinen Eindruck auf den Punkt bringt, ist das kein Ausdruck von Abscheu oder Hass, sondern von Fassungslosigkeit: Daniel versteht einfach nicht, wie Menschen zu dem fähig sein können, was sie ihm im Gefängnis angetan haben. mehr lesen / lire plus

Antoine Raimbault : Zones d’ombre

Dans son premier film, « Une  intime conviction », Antoine Raimbault revient sur l’affaire Viguier. Servi par d’excellents acteurs, il éclaire avec subtilité les zones grises du système judiciaire. Toutefois, sa tendance à se disperser rend son histoire difficile à comprendre.

Une histoire pas très claire qui risque de broyer des vies entières : « Une intime conviction » est basé sur des faits réels.

Le 27 février 2007, Suzanne Blanch disparaît. Malgré l’absence du corps et de toute preuve, son mari, Jacques Viguier, professeur de droit à l’université de Toulouse, est accusé de l’avoir tuée. Après un premier procès, il est acquitté, mais le parquet fait appel. mehr lesen / lire plus

Marielle Heller: Sorry Not Sorry

„Can You Ever Forgive Me?“ ist eine hervorragend inszenierte und gespielte schwarze Komödie über real begangene Verbrechen. Der Film gibt zudem Melissa McCarthy die Gelegenheit, ihr beeindruckendes Talent als Drama-Schauspielerin unter Beweis zu stellen.

Um ihre Fälschungen anzufertigen, hat sich Lee Israel zahlreiche Schreibmaschinen angeschafft. (Fotos: outnow.ch)

New York, 1991: Lee Israel liebt es nicht nur, sich als jemand anderen auszugeben, sie ist auch ausgesprochen gut darin. Privat spielt sie Telefonstreiche, professionell schreibt sie Biografien über andere Menschen.

Der Film „Can You Ever Forgive Me?“, 
der auf Israels gleichnamigen Memoiren beruht, vermittelt ohne Umschweife, weshalb die damals anfang fünfzigjährige Frau so ist, wie sie ist: Sie versteckt sich, um anderen so wenig Angriffsfläche zu bieten wie nur möglich. mehr lesen / lire plus

Ali Abbasi : Au-delà des frontières

« Gräns (Border) » dépasse aisément les limites de la narration filmographique ordinaire et crée un univers à part et magique, si loin et si proche du nôtre.

Une rencontre prodigieuse entre deux êtres pas comme les autres. (Photos : outnow.ch)

Tina n’a pas la vie facile. Déformée depuis la naissance par un défaut des chromosomes, elle vit recluse dans les bois suédois, dans une maison qu’elle partage avec un con total qui l’exploite – mais vu qu’elle ne veut pas rester seule, elle l’accepte. Et puis il y a ses dons exceptionnels, dont elle ne connaît pas la provenance : elle sait flairer les émotions des gens à distance et dispose d’une capacité de communication avec les animaux quasiment surnaturelle. mehr lesen / lire plus

Série : Il miracolo

La Sainte Vierge sauvera-t-elle l’Europe ? C’est à peu près le pitch de la série italienne « Il miracolo », disponible en streaming sur Arte.

L’Italie dans un avenir proche, voire un présent alternatif : alors que le pays se trouve à quelques jours d’un référendum devant décider de sa sortie de l’Union européenne, le premier ministre Fabrizio Pietromarchi est conduit à la demande de l’armée en un lieu secret. Dans une piscine désaffectée de la banlieue de Rome, des soldats gardent une statue de Marie en plastique, comme il doit en exister des millions dans le pays. Pourtant, celle-ci pleure du sang, du sang humain de surcroît – comme l’équipe scientifique l’a constaté. mehr lesen / lire plus

M. Night Shyamalan : Au-delà du bien et du mauvais

M. Night Shyamalan a mis beaucoup d’ambition dans « Glass ». Ce film était censé donner une cohérence à sa filmographie et revisiter le genre du superhéros. Le résultat est en demi-teinte : un film plus psychologique que spectaculaire, mais desservi par une fin lourdingue qui célèbre la loi du plus fort.

Un peu « Nietzsche pour les nuls » et un peu de baston – c’est tout.

Quelques semaines après les événements dépeints dans « Split », Kevin Wendell Crumb (James MacAvoy) alias « La Horde », le tueur souffrant de trouble dissociatif de l’identité, fait toujours régner la peur sur Philadelphie. mehr lesen / lire plus

Yorgos Lanthimos: Alles für die Königin

Der aufstrebende griechische Filmemacher Yorgos Lanthimos hat mit seinen letzten beiden Filmen, „The Lobster“ und „The Killing of a Sacred Deer“ sein Talent für ungewöhnliche Filme zeigen können. Mit seinem neuesten Werk „The Favourite“ beweist er, dass er schon jetzt einer der besten Regisseure seiner Zeit ist.

Wenn das Regieren verrückt macht, übernehmen die Günstlinge den Hof.

Die Handlung spielt in England im Jahre 1708, England und Frankreich befinden sich im Krieg. Den englischen Thron besetzt die gesundheitlich angeschlagene Königin Anne, die kein Interesse mehr am Regieren zeigt. Ihre treue Freundin am Hofe, Lady Sarah Marlborough, kümmert sich um die Gesundheit der Königin, während sie gleichzeitig in ihrem Namen das Land regiert. mehr lesen / lire plus

Pernille Fischer Christensen: Becoming Pippi

In der nicht aufhören wollenden Welle an Biopics, die seit einiger Zeit die Kinobildschirme fluten, sticht „Unga Astrid“ aus der Masse heraus – indem es sich über die reine Biografie hinwegsetzt und Universelles anspricht.

Wildes Herumtanzen in der muffigen schwedischen Provinz: Auch die junge Astrid Lindgren war schon… etwas anders.

Wie könnte ein Film über die weltbekannte Schöpferin von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter besser beginnen als mit einer deftigen Gotteslästerung? Diese stößt die spätere Bestsellerautorin auf dem Rückweg vom sonntäglichen Kirchenbesuch in ihrer Heimatstadt Vimmerby (Provinz Småland) aus, nachdem die Predigt des lokalen Pastors sie wieder einmal fast zu Tode gelangweilt hat. mehr lesen / lire plus

Paul Dano : Tu deviendras un homme mon fils

« Wildlife », le premier long métrage de Paul Dano, est un film tout en lenteur et en sensibilité sur le passage à l’âge adulte d’un adolescent de 14 ans. Témoin du délitement de sa famille, il va découvrir les lois implacables de la vie sauvage.

Une tranche de vie, mais aussi un film où l’idée d’émancipation n’explique pas tout. (Photos : outnow.ch)

Jo Brinson, 14 ans, vient de s’installer à Great Falls, Montana, avec ses parents. Sa mère, Jeannette, a quitté un poste d’enseignante à mi-temps pour s’occuper de lui, tandis que son père, Jerry, travaille dans un country club. mehr lesen / lire plus