Vivian Maier-Biografin Pamela Bannos
: „Es ging ihr um den Akt 
des Fotografierens“

Die Geschichte der Fotografin Vivian Maier wurde bislang vor allem so erzählt, dass ihr Werk sich damit gut vermarkten lässt. Im Gespräch mit der woxx erklärt die Maier-Biografin Pamela Bannos, weshalb sie denkt, dass ihre Version die richtige ist.

Auf der Suche nach Vivian Maier: Das Selbstporträt ist ein zentraler Bestandteil von Maiers Werk. (Foto: Unpublished work © 2017 The Estate of Vivian Maier. All rights reserved)

woxx: Ist Vivian Maiers Biografie eine traurige Geschichte?


Pamela Bannos: Nein. Sie hatte ein sehr erfülltes Leben. Es gibt eine Dissonanz zwischen der „oral history“ und der Geschichte, die ihre Fotografien erzählen. Was wir aus ihnen lernen, liegt länger zurück als das, was heutzutage Leute von ihr erzählen, die sie noch gekannt haben. mehr lesen / lire plus

Straßenfotografie in Luxemburg
: „Das Smartphone 
ist kein Tabu“


Paul Bintner gehört zu den Gründer*innen des Kollektivs „Street Photography Luxembourg“. Die woxx hat sich mit ihm über das Fotografieren in Luxemburg-Stadt, Spontaneität und das Überschreiten von Grenzen unterhalten.

Zwischen Vorhersehbarkeit und Sich-Treiben-Lassen: Straßenfotografie auf der Suche nach der Perspektive. (Foto: Paul Bintner)

woxx: Weshalb wurde „Street Photography Luxembourg“ gegründet?


Paul Bintner: Das ging daraus hervor, dass ich vor knapp fünf Jahren angefangen habe, Fotos in der Stadt, also „street photography“ zu machen. Ganz auf mich allein gestellt, war mir das auf die Dauer etwas zu langweilig. Deshalb habe ich Mitstreiter*innen gesucht und wir haben uns dann zu einem Kollektiv zusammengeschlossen. mehr lesen / lire plus

Das Gedächtnis des Augenblicks

Von „streetphoto.lu“ bis zur Fotografin Vivian Maier: mit einem sechsseitigen Weihnachtsspecial widmet sich die woxx in der kommenden Printausgabe dem Thema Straßenfotografie.

Auf der Suche nach der Perspektive: Straßenszene in Luxemburg, festgehalten von Paul Bintner. (Foto: Paul Bintner)

Spontaneität ist das zentrale Element eines fotografischen Genres, dass sich in den vergangenen Jahren wieder zunehmender Beliebtheit erfreut: die Rede ist von der Straßenfotografie. Derzeit läuft im Städtischen Museum in Luxemburg die Ausstellung „Leit an der Stad – Luxembourg Street Photography, 1950-2017“, die „Klassiker“ der Luxemburger Straßenfotografie wie Batty Fischer und Tony Krier mit zeitgenössischen Arbeiten wie jenen des Kollektivs „Street Photography Luxembourg“ vereint. mehr lesen / lire plus

Gründung der Frankfurter Schule: Jenseits des Salons

Für viele gute Ideen braucht es leider Geld – Felix Weil hatte beides. Jeanette Erazo Heufelder hat eine schöne Biographie über den Stifter des legendären Instituts für Sozialforschung geschrieben.

(Quelle: Berenberg Verlag)

„Es gibt kaum Fotos von Felix Weil.“ Mit dieser lapidaren Feststellung beginnt das Buch über den Stifter der „Frankfurter Schule“. Doch wer legt schon Wert auf Fotos, wenn er von einem Künstler wie George Grosz verewigt worden ist?

Grosz‘ 1926 entstandenes Porträt seines Freundes ziert den Einband der Biographie über den „argentinischen Krösus“, der als Erbe eines südamerikanischen Getreideimperiums Gesellschaftskritikern wie Erich Fromm, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer die unabhängige Arbeit erst ermöglicht hat. mehr lesen / lire plus

Juncker: ohne Journalismus gut informiert

Unmenschlich, aber effizient – so brachte Jean-Claude Juncker die EU-Flüchtlingspolitik zu Libyen laut Journalisten jüngst auf den Punkt. Das System funktioniert, solange es keinen öffentlichen Aufschrei gibt.

„Der Präsident braucht weder Fernseh-Reportagen noch Fragen von Journalisten, um zu wissen, was los ist.“ Mit diesen Worten gab EU-Kommissionssprecher Alexander Winterstein am vergangenen Donnerstag beim mittäglichen Pressebriefing einem Medienvertreter Bescheid.

Der Journalist hatte eine ebenso simple wie berechtigte Frage gestellt: Könne es sein, dass eine von Jean-Claude Juncker beim EU-Afrika-Gipfel angekündigte Task Force zum Schutz von Flüchtlingen in Libyen und deren geplante Evakuierung einzig auf eine viel beachtete Reportage von CNN zurückgeht? mehr lesen / lire plus

Integration von Flüchtlingen: Mateneen?

Ohne Hilfe privater Initiativen wäre der Staat an der „Flüchtlingskrise“ gescheitert. Nun jedoch müssen die verschiedenen Integrationsangebote koordiniert werden. NGOs kritisieren, das zuständige Ministerium habe daran weder ein Interesse noch die dafür nötige Strategie.

Ausreichend einbezogen? Diese Frage stellt sich nicht nur angesichts in Luxemburg angekommener Flüchtlinge, sondern auch hinsichtlich des staatlichen Umgangs mit Initiativen, die sich um die NeubürgerInnen kümmern. (Foto: EPA/Julian Stratenschulte)

Es knirscht im Getriebe, das private und öffentliche Flüchtlingshilfe miteinander verzahnt: Zu wenig Gesprächsbereitschaft, zu wenige Ambitionen – so lässt sich knapp zusammenfassen, was bisweilen über das integrationspolitische Management der zuständigen Ministerin Corinne Cahen und die Kooperation mit den NGOs zu hören ist. mehr lesen / lire plus

„Ich verstehe, dass es vielen nicht schnell genug geht“

Zu wenig Interesse an ihren Erfahrungen habe der Staat, meinen private Initiativen der Flüchtlingshilfe – vor allem hinsichtlich einer kohärenteren Integrationspolitik. Yves Piron, Direktor des „Office luxembourgeois de l’accueil et de l’intégration“ (Olai) reagiert im Gespräch mit der woxx auf diese Kritik.

„Unsere finanziellen Mittel werden gar nicht ausgeschöpft“: Olai-Direktor Yves Piron. (Foto: David Angel)

woxx: In einem Interview mit uns haben Sie vor einem Jahr gesagt, der Olai greife „viel häufiger als bisher auf NGOs zurück“. Wäre es da nicht angemessen, diese mehr in die Planung einzubeziehen?

Yves Piron: Wir arbeiten sehr viel mit der Zivilgesellschaft zusammen, insbesondere, was die Aufnahme und die Integration von Flüchtlingen anbelangt. mehr lesen / lire plus

„Die größte Herausforderung sind nicht die Flüchtlinge“

Wünscht sich, dass zivilgesellschaftliche Initiativen enger einbezogen werden in die Planung staatlicher Integrationspolitik: Asti-Präsidentin Laura Zuccoli. (Foto: ASTI)

In der staatlichen Integrationspolitik erkennt Laura Zuccoli bislang keinen roten Faden. Die Präsidentin der „Association de soutien aux travailleurs immigrés“ (Asti) bemängelt auch, dass man sich von öffentlicher Seite zu wenig für die Erfahrungen der NGO interessiert.

woxx: Ist die ASTI mit der Arbeit des Integrationsministeriums zufrieden?

Laura Zuccoli: Wir finden, dass die Auffangstrukturen für die neuankommenden Flüchtlinge sich im Vergleich zu den Verhältnissen unter der vorherigen Regierung verbessert haben, insbesondere, wenn man bedenkt, dass 2015 sehr viele Leute gekommen sind. In dieser Hinsicht wurden also große Fortschritte gemacht. mehr lesen / lire plus

„Wir sind nicht gefährlich, sondern in Gefahr“

Für eine rechtliche Anerkennung der „sans papiers“ in Belgien: Demo mit rund 1.500 Teilnehmenden in der Brüsseler Innenstadt.

Für die rechtliche Anerkennung der „sans papiers“: Demo am 12. November 2017 in Brüssel. (Foto: T. Fuchshuber)

Klein war sie nicht, die Demonstration für die Rechte der „sans papiers“, die am gestrigen Sonntag in Brüssel stattgefunden hat. Rund 1.500 Menschen sind es laut der Polizei gewesen, die sich an der Gare du Nord zusammengefunden hatten. Sie waren einem Aufruf gefolgt, der unter anderem von der Asbl „SOS migrants“ und der Gewerkschaft FGTB unterzeichnet war. « Des travailleurs sans papiers sont aussi des travailleurs, avec les mêmes droits », so ein Gewerkschaftsvertreter. mehr lesen / lire plus

Plakativ angeprangert

Mit einer spektakulären Plakataktion haben AktivistInnen in der Nacht zum Dienstag die Migrationspolitik der belgischen Regierung kritisiert.

Oui à la pub: Plakataktion gegen die restriktive belgische Asylpolitik. (Bildquelle: Twitter)

 

Es ist ein PR-Coup, der KritikerInnen der belgischen Asyl- und Migrationspolitik in der vergangenen Nacht gelungen ist: An Hauswänden, Bushaltestellen, in der Metro und auf Werbetafeln haben sie insgesamt 2.100 Plakate verklebt, um die Politik der Regierung an den Pranger zu stellen. « En votre nom, la Belgique prive 1% de sa population de droits fondamentaux. Vous trouvez ça normal ? », hieß es etwa auf einem der Motive, die in neun belgischen Großstädten angeschlagen worden sind. mehr lesen / lire plus

Piraten laufen auf Grund

Kreativ und bunt sollte sie gestern sein, die zweite Brüsseler Demonstration gegen die belgische „loi anti-squat“. Doch auch die Polizei hielt eine Überraschung bereit.

Lebhafter Start der Demo gegen die „loi anti-squat“ im Brüsseler Viertel Marolles.

Es ist kurz nach 17 Uhr auf der Brüsseler Place du Jeu de Balle. Hier soll die zweite Demo ihren Anfang nehmen gegen die sogenannte „loi anti-squat“, die das belgische Parlament Anfang Oktober verabschiedet hat und die Hausbesetzungen künftig strafbar macht. Die Reste des weithin bekannten Flohmarkts, der hier bei Wind und Wetter täglich stattfindet, sind längst beseitigt, und trotz der etwa hundert DemonstrantInnen, die sich bereits versammelt haben, macht der Platz einen recht verschlafenen Eindruck. mehr lesen / lire plus

Hausbesetzungen in Belgien: Squat oder Straße


Ein neues Gesetz macht Hausbesetzungen in Belgien strafbar. Der Protest dagegen bleibt nicht auf die Szene begrenzt. Denn die Hausbesetzungen verweisen auf eine desaströse Krise des Wohnungsmarkts.

Gegen die Räumung besetzter Häuser und die „Loi anti-squat“: Demo am 13. Oktober in Brüssel-Ixelles. (Foto: Thorsten Fuchshuber)

Gar nicht so einfach, ein Interview zu führen, bei dem Tempo, in dem die Demo zum Teil durch die Brüsseler Straßen trabt. Nein, sie wohne nicht in einem Squat, meint die 32-jährige Marie-Laure, „aber es ist einfach völlig inakzeptabel, was hier läuft“. Und wusch, ist sie auch schon im Getümmel der Protestierenden verschwunden. Was „läuft“, ist die „loi anti-squat“, die am 5.  mehr lesen / lire plus

Marx verstehen
: Die Seele des „Kapital“


Heute vor 50 Jahren starb Roman Rosdolsky, der Begründer der „Neuen Marx-Lektüre“ und sozialistische Revolutionär. Eine materialreiche Biographie erinnert an ihn und seine Frau Emmy Rosdolsky.

Pionierarbeit für die 
Marx-Lektüre: Der Historiker und Revolutionär Roman Rosdolsky im Exil in den USA. 
(Bildquelle: Wikimedia)

Längst hat er begonnen, der Veranstaltungs- und Publikationsmarathon, mit dem an den 200. Geburtstag von Karl Marx im kommenden Jahr und an das erstmalige Erscheinen des „Kapital“ vor 150 Jahren erinnert wird. Das Gedenken ist ein bisweilen zwiespältiges Unterfangen, denn so manche der Grüppchen und Initiativen, die sich auf sein Hauptwerk berufen, würden mit dem, was sie daraus gelernt zu haben meinen, möglicherweise vor der Schärfe von Marx’ens Kritik nicht bestehen. mehr lesen / lire plus

Hausbesetzungen in Belgien: Knast statt Wohnung

Anfang Oktober hat das belgische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Hausbesetzungen strafbar macht. Bislang scheint der Widerstand hauptsächlich auf die Szene begrenzt. Derweil spitzt sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter zu.

Foto: Thorsten Fuchshuber

Es ist der 13. Oktober. Zwei-, vielleicht dreihundert Leute sind an diesem Freitagabend an der Porte de Namur im Brüsseler Stadteil Ixelles zusammengekommen, um zu demonstrieren – und ihre Stimmung ist besser als der Anlass es erwarten ließe. In der Vorwoche nämlich hat das belgische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Hausbesetzungen unter Strafe stellt. Bislang war das nur der Fall, wenn es dabei zu einer Sachbeschädigung kam. mehr lesen / lire plus

Digitalsteuer: Alles oder nichts

Die Digitalwirtschaft soll endlich „fair“ besteuert werden. Während die EU-Kommission auch Sofortmaßnahmen erwägt, will Finanzminister Gramegna nur eine globale Lösung akzeptieren.

Mit der Digitalsteuer ist es ein wenig wie mit dem Kommunismus – beide können nur funktionieren, wenn sie auf globaler Ebene wirksam sind. Wenn Leo Trotzki sich daher einst vehement gegen Stalins Doktrin vom „Sozialismus in einem Land“ wandte, so gibt sich Luxemburgs Finanzminister derzeit als „Trotzki“ des Kapitals: „Wir wollen keine Übergangslösung, wir wollen, dass eine Lösung auf der Weltebene gefunden wird“, sagte Pierre Gramegna am vergangenen Dienstag im Anschluss an die Sitzung des Rats der EU-Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin) in Luxemburg. mehr lesen / lire plus